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| 02:36 Uhr

Kritischer Bahnübergang soll entschärft werden

FOTO: mcl1
Bad Liebenwerda. Die Umgestaltung des Dichterviertels zu einem behindertengerechten und familienfreundlichen Stadtteil beschäftigt die Abgeordneten der Kurstadt seit Jahren. Nun hat Stadtplaner Werner Hillmann von MKS aus Spremberg konkrete Maßnahmen vorgestellt und zugleich zwei mögliche Lösungen für einen Bahnübergang, an dem vier Straßen aufeinandertreffen, aufgezeigt. Corinna Karl

. Im Bauausschuss von Bad Liebenwerda hat Stadtplaner Werner Hillmann den Mitgliedern Details für die Gestaltung des Dichterviertels präsentiert. "Begegnungszonen wurden in den vergangenen Jahren immer mehr verdrängt. Die Idee ist, den öffentlichen Raum zu stärken. Er soll geteilt, nicht aufgeteilt werden", sagt Hillmann. Barrieren sollen reduziert werden, die bislang die Nachbarn voneinander ferngehalten haben. Hillmann: "Man begegnet sich heute leider nur auf dem Parkplatz oder an der Mülltonne."

Wichtigster Punkt sei zunächst jedoch der Bahnübergang in der Berliner Straße. "Der ist zwar nicht mehr im Dichterviertel, dort besteht jedoch der größte Handlungsdruck", so Hillmann.

Zwei Varianten für kritischen Bahnübergang: Die Bahn mache Stress. Hillmann: "Die Bahn erwartet eine Aussage von der Stadt, wie der Bahnübergang Richtung Innenstadt gestaltet werden soll." Das Problem: Erforderliche Räumstrecken, eine Sicherheitszone von 25 Metern vor und hinterm Übergang müssen gegeben sein. Ansonsten gibt es keine Automatisierung der Schranken. Eine Lösungsvariante sieht laut Architekt Hillmann zusätzlich Ampeln vor. "Das würde jedoch die Schließzeiten eklatant erhöhen", sagt er. Erfahrungswerte gebe es an einem Bahnübergang in Lübbenau. Der Schienenverkehr steige weiter an. Der Rückstau an den Ampeln würde sich nicht auflösen, bis der nächste Zug einfährt. "Schließzeiten sind ein Ärgernis. Außerdem würde das Dichterviertel weiterhin von der Kernstadt abgeschnitten."

Variante 2: Die Schließzeiten müssen optimiert, die Kreuzung der vier Straßen und des Bahnübergangs entschärft werden. "Nach unserem Plan werden Fahrzeuge zukünftig separat vom Fußgänger- und Radverkehr über den Bahnübergang geleitet", so der Experte. Eine Einbahnstraßenregelung in der Schlossäcker- und in der Johann-Sebastian-Bach-Straße würde Druck von bislang genutzten Schleichwegen nehmen. Zudem könne man den Fußgängerverkehr besser regeln. Hillmann: "Die Ladestraße wird abknickende Vorfahrtsstraße." Durch die Maßnahmen könne man die Schließzeiten auf den tatsächlichen Bahnverkehr abstimmen. Die Variante sei nicht das endgültige Ergebnis. Damit gehe die Stadt in kommende Verhandlungen mit der Bahn.

Begegnungszonen im Dichterviertel schaffen: Eigentliches Ziel des Gestaltungskonzeptes ist jedoch das Dichterviertel. Beispielsweise sollen Kreuzungspunkte zum Verweilen einladen, lange Straßen durch Pflanzbereiche und Bäume aufgelockert werden. Die Schillerstraße würde zur Spielstraße, Puschkin-, Lessing- und Goethestraße bekämen gehfreundliche Beläge. Kreuzungspunkte werden entschärft. "Es sollen gemeinschaftlich genutzte Räume entstehen. Um Kreuzungsbereiche für Autofahrer bemerkbar zu machen, schlagen wir vor, acht Zentimeter hohe Borde zu schaffen. Der Fahrer fährt auf dem Niveau des Fußgängers und wird langsamer", sagt Hillmann. Logische Leit- und Orientierungssysteme würden entwickelt. Auch die Haus- und Grundbesitzgesellschaft bessere nach, saniere barrierenfrei.

Kostenkontrolle im Blick behalten: "Das Bittere ist die finanzielle Lage der Stadt", erklärt Hillmann. Das Konzept steht, finanziell untersetzt sei es aber noch nicht. Eine spezifische Kostentabelle für alle Maßnahmen gebe der Stadt aber eine Kontrollmöglichkeit. Halbjährlich werden die Preise angepasst. Hillmann: "Die Straßen wurden in Relation zueinander betrachtet. Wir gehen davon aus, dass der Quadratmeter 120 Euro kostet." Die Heinrich-Heine-Straße würde demnach 54 Prozent kosten wegen hohen Grünanteils, die Schlossäckerstraße 109 Euro pro Quadratmeter. Hillmann will so Transparenz für die Abgeordneten schaffen, sagt: "Mit dem Gestaltungskonzept ist der Handlungsrahmen gegeben. Man braucht eine verbindliche Planung in der Schublade und ein gesetztes Ziel. Sonst verläuft man sich, wenn man nicht weiß, wohin es geht."