Bisher hat der Atelierhof Werenzhain noch nie so viele junge Menschen gleichzeitig erlebt wie in dieser Woche. Wo kurz zuvor die Elbe-Elster-Kunstausstellung „Wanderung“ mit Werken von 30 Künstlern eröffnet wurde, hatten 45 Mädchen und Jungen vom Landesgymnasium Latina August Hermann Francke (AHF) aus Sachsen-Anhalt ihr „Kunstlager“ aufgeschlagen.

Das Projektlager für kunstinteressierte Jugendliche der Latina AHF fand zum dritten Mal statt und in Kooperation mit dem Atelierhof zum ersten Mal in Werenzhain. Möglich wurde dies durch Anja Nürnberg, Mitglied des Fördervereins vom Atelierhof, die hier ausgestellt hat. Als Fachbereichsleiterin Kunst an der Latina kümmert sich die Künstlerin engagiert darum, den Schülern Möglichkeiten zur Aneignung künstlerischer Techniken zu bieten, die im Schulalltag kaum Raum finden. Außerdem gibt es an der künstlerisch orientierten Schule etliche Talente, die wie Carlin Jacobson ein Kunststudium aufnehmen möchten und Bewerbungsmappen vorbereiten konnten.

Angetan vom speziellen und weiträumigen Ambiente des Atelierhofes ist nicht nur Collin Wilke aus der Klassenstufe 11, dem es leichtfiel, in der Projektgruppe Fotografie/Film entsprechende Motive auch für experimentelle Fotografie zu finden. Neben der Fotografie gab es die Projektgruppen Wandgestaltung (Graffiti & Co.), Bildhauerei, Grafik/Druckgrafik sowie Grafik/Pleinair-Malerei. Dafür standen den jungen Kreativen aus Sachsen-Anhalt neben Anja Nürnberg mit Jan Sprenger, Helena Romanus und Marianne Thurm weitere Künstler anleitend bereit.

Erstaunliche Dinge sind in den einzelnen Projektgruppen entstanden, wie die Projektpräsentationen am Freitag zeigten. „Der große Kreis“, am Mittwochvormittag auf einem Stalltor vorbereitet und farblich markiert, präsentiert sich, von Antonina Holubovska erklärt, als Hingucker. „Ziemlich aztekenmäßig“, finden Jorinde Geißler und Victoria Hausen. Der Kreis strahlt mit der Sonne um die Wette. Verblüffend für den Besucher: Es betätigten sich Mädchen wie Luzie Graf und Nora Schweda als Bildhauerinnen und haben es zum Beispiel wie Freddy geschafft, in den Sandstein Hände zu modellieren. „Das haben sie toll hinbekommen“, loben Helena Romanus als Projektleiterin und Anja Nürnberg. Julius Richter liebt es filigran und hat eine Lok als Ätz-Radierung festgehalten. Schließlich kann sich die Sprayer-Gruppe um Jonas Hollek, Leo Leipold und Aron Jäckel freuen, mit dem geometrischen Gespinst einen Blickpunkt auf der tristen Mauer geschaffen zu haben.

Eine Fülle von tollen Arbeiten wurden am letzten Tag des Kunstlagers präsentiert. So das „phantastisch gelungene Aquarell“ von Lucas Schorn, wie Anja Nürnberg lobt.

Das „Lagerleben“ bestand natürlich nicht nur aus Kunst. Vegetarische Kochfähigkeiten waren ebenso gefragt, die „Zwölfer“ versuchten sich abends mit der Vorbereitung auf das noch ausstehende mündliche Abi, natürlich haben die „jungen Künstler“ auch die Werke der Elbe-Elster-Kunstausstellung angesehen. Zum Beispiel gefielen die Landschaftsdarstellungen von Bernard Adamczyk. Fröhlich ging es abends im großen Zeltlager auf der Wiese zu.

Zum Abschluss des Kunstlagers durfte jeder das „Kunstlager T-Shirt Werenzhain“ überstreifen. „Es war ein wunderbares Lager. Wir haben hier eine neue Heimat gefunden und kommen im nächsten Jahr wieder“, kündigt Anja Nürnberg an. Die Zusammenarbeit mit dem Atelierhof lobte sie in höchsten Tönen. Ein großes Dankeschön ging an Iris Stöber und Maysun Kellow, die sich schon auf das nächste Mal freuen.