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| 17:48 Uhr

Karnevalisten kommen von überall zu Gisela
6000 Kostüme, selbst genäht: Riesenauswahl im Finsterwalder Kostümverleih Hummel

 Gisela Hummel ist die Herrin der Kostüme. 6000 Stück hängen in ihrem Verleih in Finsterwalde – jedes davon ist in mühevoller Handarbeit selbstgenäht.
Gisela Hummel ist die Herrin der Kostüme. 6000 Stück hängen in ihrem Verleih in Finsterwalde – jedes davon ist in mühevoller Handarbeit selbstgenäht. FOTO: LR / Josephine Japke
Finsterwalde. Gisela Hummel steckte schon immer viel Aufwand in die Karnevalskostüme für ihre vier Kinder. Seit Anfang der 90er-Jahre betreibt sie ihren Kostümverleih in Finsterwalde. Jedes Kleidungsstück dort ist selbst genäht. Von Josephine Japke

„Ich wüsste nicht, was noch fehlt“, sagt Gisela Hummel und schaut sich um. Kein Wunder, immerhin hängen in den kleinen Räumlichkeiten an der Dresdner Straße in Finsterwalde 6000 Kostüme. In Worten: sechstausend. Und alle sind selbst genäht. „Das ist mein Anspruch. Ich habe alle Sachen angefertigt, hier ist nichts in Masse bestellt und gekauft“, sagt sie.

Egal ob Holzwürmer mit weißen Handschuhen, Herbstwind oder russische Tracht – selbst den ausgefallensten Geschmack kann Gisela Hummel bedienen und wundert sich manchmal darüber, an was für Dingen die Menschen Gefallen finden. „Teletubbies sind zum Beispiel immer aktuell“, lacht sie, als sie die Kostüme der Figuren der Kindersendung aus den späten 90er-Jahren zeigt.

Auch die Klassiker wie Prinzessinnen, Uniformen, Cowboys und Superhelden finden sich in ihrem Bestand wieder. Bei den Jugendlichen sind Figuren aus Videospielen und Filmen derzeit besonders beliebt. Ein besonderes Fable hat die gelernte Herren- und Damen-Schneidermeisterin aber für historische und mittelalterliche Gewänder, wie sie zugibt. Etwa 14 Tage braucht es, ein Kostüm selber zu nähen. Beinahe jedes Kostüm gibt es in kurz oder lang und abgestimmt für Herren und Damen. „Von Schneewittchen zum Beispiel habe ich drei Varianten“, sagt Gisela Hummel und zeigt auf ein rot-blaues, gelbes und weißes Kleid.

 Feenflügel und Haarschmuck gehören zu vielen Kostümen selbstverständlich dazu, denn „nur in der Gesamtheit wirkt das Ganze“.
Feenflügel und Haarschmuck gehören zu vielen Kostümen selbstverständlich dazu, denn „nur in der Gesamtheit wirkt das Ganze“. FOTO: LR / Josephine Japke

Sie selbst hat vier Kinder und wenn es um Fasching ging, wollte sie immer jedem gerecht werden und nähte bis in die Nacht hinein an deren Kostümen. „Irgendwann habe ich überlegt, dass, wenn ich mir solche Gedanken um Kostüme mache, es doch sicher auch noch anderen so geht. Mein Mann hat mich dann dazu gebracht, einen Verleih aufzumachen“, erklärt Gisela Hummel.

Jetzt sind es so viele Kostüme, dass viele Menschen erst einmal überfordert seien, sobald sie den Laden betreten. Dann kommt es nicht nur auf eine gute Sortierung an, sondern auch auf die richtigen Ideen für jedes Individuum. „Man muss jeden Menschen ertasten und erfühlen. Jeder ist anders, hat andere Wünsche und Vorstellungen, einen anderen Charakter und andere Vorlieben“, erklärt sie. Das gleiche Kostüme wirke deshalb an unterschiedlichen Menschen auch komplett anders. Sich auf jeden Kunden neu einzulassen und ihn in Gesprächen kennenzulernen, sei das Geheimnis, damit jeder glücklich und kostümiert den Laden verlässt.

Von überall her kommen die Leute, um bei Gisela Hummel das richtige Stück Stoff für den persönlichen Anlass zu finden: aus Dahme, Luckau, Calau, Riesa, Plessa, Oberspreewald-Lausitz und sogar aus Berlin und Dresden. Auch Kindergärten und Theatergruppen gehören dazu, denn nicht nur zur Karnevalszeit von November bis März werden Kostüme gebraucht, sondern das ganze Jahr über. „Zu jedem Anlass verkleiden sich die Menschen: zu Ostern, Halloween, Weihnachten, Silvester, Geburtstag und Hochzeit.“

Ein neuer Trend, den die Schneiderin seit einiger Zeit beobachten konnte, sind Hausfasching-Partys: Mehrere Familien schließen sich dann zusammen und feiern gemeinsam mit Kindern und Großeltern ihren eigenen Karneval.

Zum Kostümieren, so sagt sie, gehöre auch viel Mut dazu. Nicht jeder fühlt sich verkleidet wohl und denjenigen trotzdem ein gutes Gefühl zu geben, sei eine besondere Herausforderung. Dass die Frauen in Sachen Kostüm-Anprobe viel komplizierter und anspruchsvoller sind als die Männer, ist übrigens ein weitverbreiteter Aberglaube. „Es gibt auch so manchen Herren, der stundenlang an seinem Kostüm rumzupft, weil etwas nicht ganz perfekt aussieht“, sagt Gisela Hummel lachend. In der Regel verbringen Kunden in ihrem Laden zwei Stunden. Wer in dieser Zeit mehr als drei Kostüme anprobiert, kann sich am Ende oft nicht entscheiden.

Dass der Online-Handel Geschäften wie dem ihren zu schaffen macht, verschweigt sie nicht. „Der spielt seit vielen Jahren eine immer größere Rolle. Vor allem die Geschäfte, die selber vieles einkaufen, bekamen Probleme, weil die Kunden die gleiche Ware auch selbst im Internet kaufen konnten“, erklärt Hummel. Einige seien dann aber unzufrieden mit Qualität und Passform – Probleme, die in ihrem Laden nicht entstehen. Hier wird jedes Kostüm persönlich angepasst, gekürzt und verkleinert. Seit einiger Zeit kann Gisela Hummel sogar wieder eine steigende Kundenzahl verzeichnen, sagt sie und klopft dreimal auf Holz.

Sie selbst ist übrigens kein großer Faschings-Fan, allein schon, weil ihr dafür die Zeit fehlt. Höchstens an Silvester verkleidet sich die Familie mal. Als was? „Ganz klar: als Hummeln“, sagt sie und lacht.

 Für Hüte und Perücken braucht es ein bisschen mehr Mut, sagt Gisela Hummel.
Für Hüte und Perücken braucht es ein bisschen mehr Mut, sagt Gisela Hummel. FOTO: LR / Josephine Japke