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Förderverein Stadthalle
Unser Flügel ist schon in Arbeit

Interessierte Gäste vom Finsterwalder Förderverein Stadthalle beim Rundgang in der Firma Steinway & Sons.
Interessierte Gäste vom Finsterwalder Förderverein Stadthalle beim Rundgang in der Firma Steinway & Sons. FOTO: Jürgen Weser / Weser Jürgen
Finsterwalde/Hamburg. Der Stadthallen-Förderverein war auf Info-Tour bei Steinway & Sons in Hamburg. Von Jürgen Weser

Am Montag haben sich sechzig Mitglieder und Freunde des Fördervereins Finsterwalder Stadthalle auf die Reise nach Hamburg gemacht. Erste Ziele sind nicht die touristischen Highlights der Hansestadt wie Elbphilharmonie, Speicherstadt und Hafencity. Es geht zur weltberühmten Musikinstrumenten-Firma für Flügel und Klaviere „Steinway & Sons“. Das hat seinen guten Grund: Der Förderverein möchte für die künftige Stadthalle den Erwerb eines Premium-Flügels realisieren.

Die renommierte Hamburger Firma mit 400 Mitarbeitern, die pro Jahr etwa 1200 Instrumente produziert und weltweit vertreibt, ist dafür bester Ansprechpartner, weiß Siegfried Fritsche, Organisator der Reise und mit dem Finsterwalder Musiklehrer und Konzertmusiker Nassib Ahmadieh Ideengeber für den Kauf. Zwar dauert es noch, bis die Stadthalle gebaut ist und eingeweiht werden kann, aber „ebenso langfristig wie die Stadthalle muss der Kauf eines hochwertigen Konzertflügels in Angriff genommen werden“, weiß der ehemalige Musikschulleiter und Vorstandsmitglied im Förderverein, Siegfried Fritsche. Immerhin dauert die Produktion eines Flügelmodells der Kategorie C als zweithöchste Qualitätsstufe, wofür man sich entschieden hat, mit seinen 20 000 Einzelteilen und 2500 Arbeitsschritten in Handarbeit mindestens ein Jahr und es bedarf zweijähriger vorangehender Trocknung ausgesuchter Hölzer wie Fichte, Ahorn, Whitewood, Mahagoni und Bubinga, erfahren die Besucher beim Firmenrundgang von Dirk Augustin und Richard Kern von der Firmenleitung, die aus der Berliner Firmen-Dependance zur fachkundigen Führung angereist sind.

„Unser Flügel ist schon in Arbeit“, scherzt die stellvertretende Fördervereinsvorsitzende Gabriele Krink. Wohl noch in der Holztrocknung. Während der Führung durch alle Produktionsetappen bekommen die Gäste eine Ahnung, warum die 1880 von Steinway & Sons New York in Hamburg gegründete Firma weltweit die Nummer 1 für Konzertflügel ist und mehr als 90 Prozent aller Konzertpianisten Steinway wählen.

Interessiert staunt auch Torsten Schulze als Chef von Busreisen Pietzsch, der mit Vater Manfred die Finsterwalder Truppe bestens kutschiert und betreut, über die vielen akribischen Arbeitsschritte. „Das ist schon Wahnsinn“, weiß auch der ehemalige Musikpädagoge Gotthard Lukas. Er betrachtet interessiert wie alle Reiseteilnehmer, wie vom Holzzuschnitt über die ganzheitliche Rim-Biegerei in einem Biegeblock mit bis zu zwanzig Schichten, dem Furnieren über das Einbringen der Resonanzbodenplatte, der 243 Saiten, des komplizierten Seileinzugs und vieler anderer Detailarbeiten bis hin zur Arbeit der Intonierer daraus schließlich ein mondän schwarzglänzender Steinway & Sons geworden ist. So wie er im Schauraum andächtig zu bestaunen ist.

Da überraschen auch die etwa 120 000 Euro nicht, die der Förderverein aufbringen muss. „Das können wir natürlich nicht aus eigener Kraft“, weiß auch Schatzmeisterin Elke Koinzer. Deshalb hofft der Förderverein auf große Spendenbereitschaft. „Der Anfang ist bereits gemacht“, erzählt Siegfried Fritsche.

„Nur mit einem solchen Flügel als Unikat locken wir virtuose Pianisten der konzertanten Champions­league zu uns nach Finsterwalde.“ Die Reiseteilnehmer aus Finsterwalde sind von dem Projekt überzeugt. „Wir denken, dass wir mit unserem Firmenbesuch den Spendenstrom in Gang setzen können“, glaubt Siegfried Fritsche.

Nach diesem besonderen Erlebnis jenseits üblicher Touristenattraktionen genossen die Fördervereins-Reiseteilnehmer trotz typischen Hamburg-Wetters am Montag noch die Hamburger Highlights mit der neuen Elbphilharmonie, der Hafencity und Speicherstadt. Angedacht ist vom Förderverein, öfter solche Reisen oder auch zu Konzerten anzubieten.

Dirk Augustin von der Firmenleitung der Fa. Steinway & Sons erläutert den Finsterwaldern den Bau der Instrumente.
Dirk Augustin von der Firmenleitung der Fa. Steinway & Sons erläutert den Finsterwaldern den Bau der Instrumente. FOTO: Jürgen Weser / Weser Jürgen