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Bürgermeisterwahl
Kommt nach der Kritik die Veränderung?

Bodo Broszinski freut sich am Wahlabend mit seiner Frau Ines und Sohn Hanno über seinen dritten Wahlsieg. Glückwünsche bekam er von vielen Bürgern, Parteifreunden, Amtskollegen und Institutionen.
Bodo Broszinski freut sich am Wahlabend mit seiner Frau Ines und Sohn Hanno über seinen dritten Wahlsieg. Glückwünsche bekam er von vielen Bürgern, Parteifreunden, Amtskollegen und Institutionen. FOTO: Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Der Ausgang der Bürgermeisterwahl in Doberlug-Kirchhain war am Sonntagabend an Spannung kaum zu überbieten. Nur etwa eine Stunde hat es gedauert, bis das vorläufige Wahlergebnis vorlag – diese eine Stunde aber hatte es in sich. Heike Lehmann

Mal lag Herausforderer Sebastian Rudolph (CDU) vorn, mal Amtsinhaber Bodo Broszinski (FDP). Am Ende lag Bodo Broszinski knapp aber eindeutig vorn mit 54,4 Prozent.

Nicht minder spannend dürfte jetzt werden, wie sich die Stadtverordnetenversammlung zusammenrauft. Abgeordnete verschiedener Fraktionen haben im Zuge des Wahlkampfs, insbesondere in den letzten zwei Wochen bis zur Stichwahl harsche Kritik an der Amtsausführung des Bürgermeisters geäußert. Wenn die ernst gemeint war, kann man jetzt nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen. Schon morgen Abend böte sich die Chance, aufeinander zuzugehen: Im Rathaus findet um 18 Uhr die turnusmäßige Sitzung der Stadtverordneten statt.

Bodo Broszinski sagt: "Dieser Prozess muss jetzt moderiert werden. Ich sehe das als eine Aufgabe für den Stadtverordnetenvorsteher." Und auch Sebastian Rudolph erklärt noch am Wahlabend, nachdem er Bodo Broszinski per Telefon zum Wahlsieg gratuliert hatte: "Als Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung muss ich jetzt die Abgeordneten wieder zusammenführen und Ruhe reinbringen. Wir leben in einer Demokratie und haben das Wahlergebnis zu akzeptieren. Ich erhoffe mir auch vom Amtsinhaber, dass er die Hand reicht und seine Schlüsse zieht." Man habe "im letzten halben Jahr ein Wechselgefühl erfahren". Rudolph versichert: "Dabei geht es nicht um die Persona, sondern um unsere Stadt. Ich akzeptiere den Bürgermeister zu hundert Prozent, wie auch im Vorfeld schon."

Der von der CDU geführte Wahlkampf hat in seiner Zuspitzung die Wähler erreicht, das bestätigt der Blick auf die einzelnen Wahlbezirke. Sebastian Rudolph konnte bis auf Werenzhain überall an absoluten Stimmen dazugewinnen, Bodo Broszinski verlor dagegen sogar Wähler in 15 Wahlbezirken.

"Überrascht war ich von der geringen Wahlbeteiligung bei der Stichwahl", sagt Bodo Broszinski, der die Ergebnisse in der Gaststätte "Grüner Berg" mit seinen Unterstützern verfolgte. Er habe auf eine Materialschlacht, wie sie die Stichwahlgegner veranstaltet haben, verzichtet und in den vergangenen zwei Wochen viel Zuspruch und Aufmunterung erfahren. Viele Glückwünsche zur Wiederwahl habe er mittlerweile per Telefon, E-Mail und SMS bekommen.

Zur Klärung der brisanten Situation will das im Amt bestätigte Stadtoberhaupt nach der morgigen Sitzung der Stadtverordneten ein Treffen mit den Fraktionsvorsitzenden einberufen. "Und dann hoffe ich auf ein offenes Gespräch", sagt er. Dieses Gremium könne auch jeder andere Stadtverordnete jederzeit zusammenrufen, bevor Vorwürfe und Behauptungen geäußert werden. Sein Wunsch ist es, "dass wir wieder zur konstruktiven sach- und zielorientierten Stadtpolitik zurückkehren".

Sebastian Rudolph zieht nach der Stimmauszählung das Fazit: "Der Wille zur Veränderung war deutlich gegeben."
Sebastian Rudolph zieht nach der Stimmauszählung das Fazit: "Der Wille zur Veränderung war deutlich gegeben." FOTO: Lehmann