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Knigge im 21. Jahrhundert

Knigge-Seminar für Jugendliche im Gourmetrestaurant "Goldener Hahn" mit Iris Schreiber.
Knigge-Seminar für Jugendliche im Gourmetrestaurant "Goldener Hahn" mit Iris Schreiber. FOTO: top1
Finsterwalde. (top1) Die 17-jährige Alicia Groth aus Freileben ist eine junge Dame, die genau weiß, was sie will. "Nach dem Abitur möchte ich ,International Business Management' in Stralsund studieren und dann in der Hotel- und Spitzengastronomie arbeiten. Torsten Pötzsch

Das ist mein Traum." Dass das Wissen, was sie dafür benötigt, nicht unbedingt am Gymnasium gelehrt wird, das weiß sie auch und so weckte ein Artikel in der RUNDSCHAU ihr Interesse. "Knigge - up to date", ein Seminar rund um den Knigge im 21. Jahrhundert im "Goldenen Hahn" in Finsterwalde, Ort gehobener Spitzengastronomie in Südbrandenburg. Am Samstag war Alicia eine von zehn Teilnehmern.

"Ich bin das erste Mal hier. Das Ambiente, die Inhalte, das Essen - alles total spitze", schwärmt Alicia. Da waren alle gerade erst beim zweiten Gang, Parmesan-Spaghetti mit Garnelen an Tomatensugo. Die kleine Gesellschaft näherte sich der Halbzeit des vierstündigen Seminars.

Geleitet wurde der Exkurs in die Welt des guten und richtigen Benehmens von Hausherrin Iris Schreiber selbst. Während ihr Mann, Frank Schreiber, an den Kochtöpfen zauberte, zeigte sie anschaulich, was zu Tische geht, was gar nicht und wo überall "Fettnäpfchen" lauern. "Und Fettnäpfchen sind gerade in diesem Bereich reichlich vorhanden", so Iris Schreiber.

Sie hatte ihr Seminar sehr logisch und chronologisch aufgebaut. Vom Eindecken der Tafel über die Begrüßung, welches Besteck wie zum passenden Gang gehört bis hin zum selbst gemixten Abschlusscocktail, der natürlich alkoholfrei war. Alles immer gewürzt mit einer Prise Historie, damit die Jugendlichen eine Orientierung hatten, woher und warum es gerade so und nicht anders zu Tische zugeht.

Iris Schreiber kommt aus der Spitzengastronomie, leitet Spitzengastronomie, hat ein PR-Studium absolviert, wurde aber nach eigenem Bekunden auch "stark durch das Elternhaus geprägt." So konnte sie auch jede Zwischenfrage, von denen es reichlich gab, fachkundig beantworten. Doch warum leisten es sich Schreibers, bei ihrem mehr als vollen Terminkalender, den Samstag mit Jugendlichen zu verbringen? "Erstens haben wir ein gesteigertes Interesse verzeichnen können, zweitens gehen wir davon aus, dass es einen Bedarf gibt, drittens ist es eine echte Herausforderung, die mir aber sehr viel Spaß und Freude bereitet und es kommt sehr viel zurück. Außerdem: So genannte Soft Skills, also soziale Kompetenzen in allen Bereichen der sozialen Interaktion werden heute immer wichtiger. Wir sehen uns da ein wenig auch auf einem missionarischen Weg."

Dass gutes Benehmen keine geschlechtsspezifische Frage ist, zeigte der Umstand, dass sich Jungen und Mädchen die Tafel paritätisch teilten. Alle mussten in der ungewohnten, aber für sie nicht unangenehmen Umgebung klarkommen. Zurückhaltend und sittsam war der Auftakt. Sehr schnell aber zauberte Iris Schreiber eine kommunikative Atmosphäre.

Der 18-jährige Philip Klobuch aus Bad Liebenwerda war sehr angetan. "Ich bin ziemlich beeindruckt", gestand er. "Besonders das Essen ist der Wahnsinn, so was habe ich noch nicht erlebt." Was den Knigge angeht, so erzählte der junge Mann, hätte er schon einmal einen Crashkurs bei der Tanzschule gehabt, um den Abschlussball zu überstehen, "doch das ist hier heute viel intensiver. Ich hab wirklich schon sehr viel gelernt, besonders die Kleinigkeiten, die oft viel ausmachen. Die Dinge werde ich oft brauchen. Das ist eine echte Empfehlung." Iris Schreiber hörte nicht, was die jungen Leute gegenüber der RUNDSCHAU äußerten. Aber sie spürte, dass sie voll ins Schwarze getroffen hat. Und so wird der "Knigge für Jugendliche" bestimmt keine Eintagsfliege bleiben, sondern eine feste Reihe werden.