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| 19:01 Uhr

Fridays for Future in Finsterwalde
Eine Mutter stellt sich hinter die „Gretels“

 Finsterwalde beteiligt sich am Freitag an den „Fridays for Future“-Demonstrationen. Organisator ist Pfarrer Michael Wolf aus Betten. Kathrin Engelmann ist eine engagierte junge Mutter, die als Rednerin auftreten wird, weil sie für ihre Kinder Paul und Paula „eine gute Zukunft“ will.
Finsterwalde beteiligt sich am Freitag an den „Fridays for Future“-Demonstrationen. Organisator ist Pfarrer Michael Wolf aus Betten. Kathrin Engelmann ist eine engagierte junge Mutter, die als Rednerin auftreten wird, weil sie für ihre Kinder Paul und Paula „eine gute Zukunft“ will. FOTO: LR / Frank Claus
Finsterwalde. Kathrin Engelmann unterstützt die Klimademonstrationen der jungen Leute und wird am Freitag auf der Demo in Finsterwalde sprechen. Von Frank Claus

Die Sängerstadt reiht sich am Freitag, 20. September, in die Reihe der Orte in Deutschland und der Welt ein, in denen gemeinsam mit Fridays for future, zahlreichen Umweltverbänden und Kirchen sowie Akteuren aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft für mehr Klimaschutz demonstriert wird. Die Demonstrationen finden an dem Tag statt, an dem das Klimakabinett in Berlin seine Vorschläge für Klimaschutzmaßnahmen bis 2030 bekannt geben will und drei Tage vor dem in New York beginnenden Klimagipfel.

In einigen Kirchenkreisen, so auch in dem Bad Liebenwerdaer, werden Fünf vor Zwölf die Glocken in drei Pulsen von je fünf Minuten läuten.

In Finsterwalde hat Pfarrer Michael Wolf aus Betten zur Demonstration auf dem Marktplatz aufgerufen. „Es ist das Mindeste, das wir tun können. Es wäre schön, wenn Sie und möglichst viele Menschen da sind, und so zeigen, dass Ihnen die Zukunft Ihrer Kinder und Enkel am Herzen liegt. Helfen Sie mit, Druck zu machen, kommen Sie um 5 vor 12 zum Markt“, heißt es in seinem Aufruf.

Zu den leidenschaftlichen Unterstützerinnen zählt Kathrin Engelmann (35). Die Mutter von zwei Kindern ist eine Rückkehrerin, im Frühjahr aus München mit ihrem Mann wieder in ihre Geburtsstadt Finsterwalde gekommen. Vor drei Wochen ist sie noch einmal Mutter geworden. Sie meint zu ihren Beweggründen, an der Klimademo teilzunehmen: „Das ist meine Verantwortung als Mutter, die sich für ihre Kinder eine Zukunft wünscht.“ In einem Facebook-Eintrag schreibt sie: „Meine Aufgabe ist, meine Kinder so gut es geht auf einen guten Weg zu bringen und ihnen die Welt in all ihrer Schönheit und Vielfalt zu zeigen und zu erhalten. (...) Jeder einzelne hier auf diesem Planeten ist ein Teil vom Ganzen und trägt Verantwortung mit sich und kann diese auch nicht abgeben oder so tun, als ginge es ihn nichts an, andere wären schuld oder andere Ausreden einbringen. Nein, jeder einzelne ist ein Teil vom Ganzen.“

Die ausgebildete Erzieherin stellt sich bewusst auf die Seite der 16-jährigen schwedischen Umweltaktivistin Greta Thunberg, der es in bislang nicht gekanntem Ausmaß gelungen ist, junge Leute für den Klimaschutz zu sensibilisieren, die aber gleichzeitig für ihre „Schulstreiks für das Klima“ hart kritisiert wird. In einer Reaktion auf den Beitrag von Kathrin Engelmann heißt es dort zum Beispiel von einem User: „Freitags werden die Gören mit Papas SUV zur Demo gefahren und anschließend gibt’s bei einem Fastfood-Restaurant ein Menü mit viiiiel Verpackungsmaterial. Samstag oder Sonntag demonstrieren kommt für die Belger nicht in Frage, da sich an den Abenden zuvor die Rübe weggekokst und zugekifft wird. In den Ferien wird sowieso nicht demonstriert, da man da ja für 10 Euro pro Flug im Urlaub ist.“

Kathrin Engelmann kann über diese Art Urteil nur den Kopf schütteln und will sich für die Jugend ins Zeug legen. Am Freitag will sie deshalb auf der Demo auch selbst reden. In ihrem Facebook-Post schreibt sie: „Jeder kennt sie, die Vorurteile über die jüngere Generation: ,Die interessieren sich nicht für Politik, sondern nur für sich selbst. Außerdem engagieren sie sich nicht.’ Doch. Schüler interessieren sich für Politik und engagieren sich – freitags, weltweit, zu Hunderttausenden, für mehr Klimaschutz. Aber zur Schulzeit. Und das geht vielen Menschen gegen den Strich. Das moralische, vernichtende Urteil ist schnell gefällt: ,Würden die Demonstrationen am Samstag stattfinden, wären nicht so viele Schüler da.’ Dass die Proteste länger als die Schule dauern: wird nicht berücksichtigt. Dass auch Streiks von Gewerkschaften nicht samstags stattfinden: wird übersehen. Stattdessen: ,Die jungen Leute sollten weniger an ihrem Smartphone hängen und weniger reisen. Damit würden sie dem Klima helfen.’ Protestieren für eine Sache dürfen ergo nur Menschen, die sich stets tadellos verhalten (haben).“

Was Kathrin Engelmann aber besonders antreibt, sich einzubringen, ist die Wirkung, die solcherart Urteile bei jungen Leuten hinterlassen könnten: „Man muss sich angesichts dieser negativen Reaktionen mal in einen Schüler hinein versetzen: ,Jahrelang wird mir vorgehalten, dass ich mich nicht für etwas einsetze. Jetzt setze ich mich ein, aber in den Augen vieler Menschen völlig unangebracht.’“ Diese Fundamentalkritik, so glaubt Kathrin Engelmann, habe das Zeug dazu, die Jugend gänzlich politikverdrossen zu machen. Viele Erwachsene – auch aus der Politik – sollten ihrer Auffassung nach „von ihrem hohen moralischen Ross herabsteigen und das Potenzial dieser Bewegung sehen. Unterstützen statt unterdrücken. Verbessern statt verdammen“, das müsse nach Ansicht der jungen Mutter Raum gewinnen.

Sie hofft, dass sich viele den Leugnern des Klimawandels, der von Forschern hinreichend belegt sei, entgegenstellen. „Es tut unserer Stadt Finsterwalde gut, dass wir alle ein Zeichen setzen“, sagt sie und bittet Einwohner, Kommunalpolitiker, Unternehmer und Mitarbeiter aus Verwaltungen, mit ihrer Teilnahme ein deutliches Zeichen zu setzen. Sie selber wolle sich gegen die mitunter vorherrschende, ständige Miesmacherei zur Wehr setzen. „Ich möchte jede Woche eine gute Nachricht aus unserer Stadt verbreiten“, sagt sie und will es keineswegs beim Reden oder Schreiben belassen. „Mit unserer Hausgemeinschaft wollen wir uns um die Pflege des benachbarten Stadtparkes kümmern. Die Stadt kann doch nicht alles schaffen.“

Der nächste Einsatz ist am Sonnabend von 10 bis 12 Uhr geplant. Mitmachen kann jeder.