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Verkehr
Bahn lehnt Teilabriss der „Kleinen Unterführung“ in Finsterwalde ab

Das engste Nadelöhr für Autofahrer in Finsterwalde: Keine Lösung für die „Kleine Unterführung“. Archivfoto: Dieter Babbe
Das engste Nadelöhr für Autofahrer in Finsterwalde: Keine Lösung für die „Kleine Unterführung“. Archivfoto: Dieter Babbe FOTO: Henry Blumroth / Medienhaus Lausitzer RUNDSCHAU
Finsterwalde. Die Brücke bleibt größter Engpass für Autofahrer und wird weiter für lange Rückstaus und Wartezeiten in der Sängerstadt sorgen. Von Dieter Babbe

Die „Kleine Unterführung“, das engste und unübersichtlichste Nadelöhr für Autofahrer in der Sängerstadt, bleibt so wie sie ist. Das geht aus einem Schreiben der Deutschen Bahn AG hervor, das jetzt der Lausitzer Rundschau vorliegt. Der Teil der Bahnbrücke in der Tuchmacherstraße mit den Gleisen der Strecke Leipzig-Cottbus sei im vorigen Jahr erst umfangreich von der DB Netz AG instandgesetzt worden und könne so mindestens weitere 15 Jahre genutzt werden, teilt die Deutsche Bahn mit. Der andere Teil der Brücke mit dem stillgelegten Gleis nach Crinitz sei in einem verkehrssicheren Zustand, ein Abriss sei nicht zwingend notwendig, heißt es.

Fakt ist: Durch den regen Straßenbau in der Finsterwalder Innenstadt muss die „Kleine Unterführung“ für viele Autofahrer als Umleitung genutzt werden. Weil Fahrzeuge im Gegenverkehr nicht aneinander vorbei fahren können und es hier keine Ampel gibt, entstehen mitunter lange Rückstaus und Wartezeiten. Hinzu kommt: Die Sicht zum Gegenverkehr ist so stark eingeschränkt, dass lediglich das erste an der Brücke stehende Fahrzeug den entgegenkommenden Verkehr überblicken kann. An der Stelle läuft zudem der Verkehr von vier Straßensträngen zusammen.

Mit dem Neubau der „Großen Unterführung“, der im nächsten Jahr vorgesehen ist (zeitweise unter Vollsperrung), wird sich die dramatische Verkehrssituation an der „Kleinen Unterführung“ noch weiter zuspitzen. Darauf wies kürzlich der Finsterwalder Bahnexperte Gerhard Kieß öffentlich hin, der sich mit seinem Anliegen an die Kreisverkehrswacht gewandt hat. Er schlägt vor, den nicht mehr genutzten Brückenteil mit der früheren Bahntrasse nach Crinitz abzureißen. Dadurch wäre nicht nur von beiden Seiten der Blick frei für den Gegenverkehr, außerdem würde sich die lange Durchfahrt durch die enge Brücke wesentlich verkürzen, argumentiert Gerhard Kieß.

Rainer Genilke, Präsident der Landesverkehrswacht und zugleich CDU-Abgeordneter und Verkehrsexperte seiner Partei, unterstützt den Vorschlag, dem die Lausitzer Rundschau im August nachgegangen war – und regt in einem Schreiben an die Bahn nicht nur den Abriss des nicht mehr genutzten Teils der „Kleinen Unterführung“, sondern sogar den völligen Neubau einer größeren, sprich breiteren und auch höheren Bahnbrücke an. Doch solch ein Brückenneubau kostet viel Geld – und die Stadt Finsterwalde wäre als Straßenbaulastträger der Tuchmacherstraße „entsprechend dem Eisenbahnkreuzungsgesetz in einem erheblichen Maß zur Mitfinanzierung verpflichtet“, heißt es in der Antwort von Joachim Trettin, dem Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn für die Region Ost. Nach diesem Gesetz müsste sich die Stadt zu einem Drittel an den Kosten beteiligen.

Aus Sicht der Polizei ist das Nadelöhr seit Jahren zwar kein Hauptunfallschwerpunkt in der Sängerstadt, dennoch kracht es hier immer wieder mal. Neun Unfälle hat es an der „Kleinen Unterführung“ seit 2015 bis letzten September gegeben, in diesem Jahr bisher allein fünf, allerdings alle ohne Personenschaden. Hauptursache: Autofahrer müssen wegen des zu spät erkannten Gegenverkehrs den Rückwärtsgang einlegen – und stoßen dabei mit dem hinteren Fahrzeug zusammen. Einige Fahrzeuge sind, weil die Brücke nur 2,50 Meter niedrig ist, „hängen geblieben“. Die Ordnungshüter sprechen auch von „Beinaheunfällen“, die es hier wegen der Unübersichtlichkeit sehr oft gibt.

„Die Verkehrssituation an der Kleinen Unterführung ist keine Lösung für die Zukunft – und sie passt nicht zum sonst gut ausgebauten Zustand der Straßen in der Finsterwalder Innenstadt, der auch in den nächsten Jahren weiter gehen soll“, heißt es bei der Kreisverkehrswacht Elbe-Elster. Und weiter: „Autofahrer brauchen hier mitunter viel Zeit und Geduld, gute Nerven und allerhöchste Konzentration. Wenn die Kleine Unterführung so bleibt wie sie ist, bedeutet das Stillstand in der Stadtentwicklung von Finsterwalde an dieser wichtigen Stelle.“

BU1: Das engste Nadelöhr für Autofahrer in Finsterwalde: Keine Lösung für die „Kleine Unterführung“. Archivfoto: Dieter Babbe

BU2: Der Vorschlag, den nicht mehr genutzten Brückenteil mit der früheren Bahntrasse nach Crinitz abzureißen, trifft bei der Bahn auf keine Zustimmung.