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| 02:39 Uhr

Klassik im Herzen und Rock 'n' Roll in der Seele

Der Tenor mit Finsterwalder Wurzeln bei den Bayreuther Festspielen.
Der Tenor mit Finsterwalder Wurzeln bei den Bayreuther Festspielen. FOTO: Bayreuther Festspiele/Schulze
Finsterwalde. Leute aus dem kleinen Elbe-Elster in der großen weiten Welt. Das ist nicht selten.Zu ihnen zählt Stefan Heibach aus Finsterwalde, der mit seiner Stimme die Bühnen Europas erobert.

Ist Opernsänger Ihr Traumberuf?

Mein Traumberuf war es lange Zeit, Lehrer zu werden und mit Kindern pädagogisch zu arbeiten. Ich hatte in meiner Schulzeit drei wirklich tolle Lehrer, die mich geprägt und mir gezeigt haben, wie wichtig es ist, dafür zu brennen, was man vermittelt, und an seine Schüler zu glauben. Dieser Wunsch schlummert immer noch in mir. Im Moment ist es aber mein Traumberuf zu singen, Musik und Theater machen zu dürfen und so mit großartigen Künstlern zu arbeiten. Es muss nicht immer Oper sein. Ich mache in meiner Freizeit auch gern andere Musik. Seit zwei Jahren habe ich die Trompete für mich entdeckt und liebe es, mit meiner Frau in verschiedenen Brass Ensembles zu spielen, wenn ich zu Hause bin.

Ihre erste musikalische Ausbildung war an der Kreismusikschule Finsterwalde. Woran erinnern Sie sich gern?
An der Kreismusikschule habe ich meinen ersten Gesangsunterricht bei Chris Poller bekommen. Jugendwart Friedemann Müller erzählte mir, dass es einen Gesangslehrer gäbe, zu dem er geht. Am nächsten Tag, direkt nach der Schule, sang ich bei ihm vor. Danach war ich Gesangsschüler und wusste, dass ich singen möchte. Ich erinnere mich gern an den Unterricht bei Chris Poller, war sogar während meines Studiums noch eine Zeit lang bei ihm. Wir hatten tolle Schülerkonzerte. Ich war beeindruckt, wie leidenschaftlich sich der damalige Musikschulleiter Siegfried Fritsche engagiert hat. Das habe ich später auch als Lehrer dieser Schule noch sehr bewundert.

Wie haben Sie Ihr Talent als Tenor entdeckt?
Ich war ja damals eher als Schlagzeuger unterwegs. Da gab es Situationen, dass es Lieder gab, die keiner singen konnte, weil sie zu hoch waren. Ich habe das in einer Band am Konservatorium Cottbus zum ersten Mal erlebt. Dort stand ich auch zum ersten Mal als Sänger auf der Bühne. Ich habe "Are you gonna go my way" von Lenny Kravez gesungen. Irgendwann ahnte ich, dass es mir scheinbar liegt, hoch zu singen. An dem Wunsch Operntenor zu werden, haben Pavarotti und Peter Seiffert einen großen Anteil. Die fand ich klasse. Auf die vorsichtige Frage an meine damalige Professorin, ob sie mir das zutrauen würde, folgte die Antwort: "Was denn sonst".

Wie hält man sich bei Stimme?
Man kann einen Sänger sehr einfach mit einem Sportler vergleichen, da Singen ja auch eine sehr körperliche, muskuläre Arbeit ist. Dazu kommt aber noch die Stimmung. Stimme und Stimmung haben nicht nur den gleichen Wortstamm. Für mich ist es sehr wichtig, bestimmte Abläufe täglich einzuhalten. Ich übe immer in kleinen Einheiten. Ich beginne morgens etwa zehn Minuten und wärme die Stimme auf. Dann arbeite ich technisch nach dem Frühstück. Etwa eine halbe Stunde. Dann lerne ich schweigend am Klavier und bereite mich auf die anstehende Aufgabe vor. Oft übe ich Rollen, indem ich sie auf der Trompete spiele. So bekomme ich die Musik in den Körper, schone aber die Stimmbänder. Wenn ich musikalisch sicher bin, übe ich nachmittags oder abends meine Arien. Pausen und Erholung sind auch wichtig. Wichtiger noch sind aber Disziplin und Regelmäßigkeit. Mein Hausmittel, nicht krank zu werden, ist, täglich Mund und Nase mit Salzwasser zu spülen. Das hält die Schleimhäute feucht und spült Erreger raus.

Welche Partien waren Ihnen wichtig? Von welchen träumen Sie?
Zu meinen Lieblingsrollen bisher gehören Roméo aus Gounods "Roméo et Juliette", Lyonel aus Flotos "Martha" und Loge aus Wagners "Rheingold". Besonders die letzte finde ich darstellerisch spannend. Ich habe auch Traumrollen. An denen arbeite ich! Ich habe voriges Jahr an der Opera Bastille Paris, der bayrischen Staatsoper und bei den Bayreuther Festspielen gesungen. Jetzt im Februar debütiere ich an der Mailänder Scala und arbeite mit Harry Kupfer, was für mich das noch größere Highlight ist. Ich bin sehr gern in Bayreuth, 2016 war ich dort zum 10. Mal und genieße jedes weitere Jahr. Es ist mir nicht so wichtig, wo ich singe. Wichtiger ist, mit wem ich arbeite, wie die Stimmung in einer Produktion ist und vor allem das Ergebnis. Mit großartigen Sängerkollegen, Dirigenten oder Regisseuren zu arbeiten, ist sehr inspirierend.

Wie viele Sprachen sprechen bzw. singen Sie?
Ich habe bisher in Italienisch, Deutsch, Französisch, Russisch, Spanisch und Tschechisch gesungen. Sprechen kann ich außer Deutsch, aber nur Englisch gut. Italienisch, um durch den Tag zu kommen oder mich auf Proben zu verständigen. Bulgarisch verstehe ich gut und kann es, wenn ich ein paar Tage dort bin, etwas sprechen. Französisch und Spanisch habe ich Grundkenntnisse.

Wo ist Ihr Lebensmittelpunkt?
Ich wohne mit meiner Familie in Schwerin. Dort hatte ich 2006 mein erstes Engagement. Ich habe am Mecklenburgischen Staatstheater in den vergangenen Jahren immer noch als Gast gesungen. Mein Sohn geht dort in die Schule und meine Familie möchte dort leben.

Wie oft sind Sie in Finsterwalde?
So oft ich kann. Meine Mutter wohnt dort und inzwischen auch wieder meine Schwester mit Familie. Ich fühle mich der Lausitz und den Menschen dort sehr verbunden. Oft übernachte ich da, wenn ich in Dresden zu tun habe. Irgendwann komme ich zurück.

Als Schlagzeuger einer Band waren Sie bei der Friedensdekade zu erleben. Kommt das öfter vor?
Die Band ist keine Eintagsfliege. Ich bezeichne sie als mein Hobby. Wenn mein Herz der klassischen Musik gehört, dann gehört meine Seele dem Rock 'n' Roll. Ich liebe es, auch solche Musik zu spielen. Es ist ein fester Termin, zu dem wir uns als Freunde einmal pro Woche treffen. Aufgrund meiner Arbeit geht das sowieso nur in etwa fünf Monaten des Jahres. Friedemann kenne ich aus Finsterwalde. Wir sind zur selben Zeit nach Schwerin gezogen. Lutz, den Gitarristen, habe ich über die Musik kennengelernt. Er ist im richtigen Leben Jurist. Der Keyboarder Kutti kam vor einem Jahr dazu. Er war Kantor in meiner Gemeinde und hatte nach seiner Pensionierung Langeweile. Da ich wusste, dass er nicht nur ein phantastischer klassischer Musiker, sondern auch ein wandelndes Beatles-Lexikon ist, machte ich ihn mit den anderen beiden bekannt. Es ist ein Spaßprojekt und wir spielen gern wieder mal in Finsterwalde.

Mit Stefan Heibach

sprach Heike Lehmann.

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