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Kita bald vom neuen Solarpark umgeben

Außen begrünter Solarpark – und die Kita mittendrin.
Außen begrünter Solarpark – und die Kita mittendrin. FOTO: LR
Finsterwalde. Für Andreas Mundt war es immer "die schönste Kita von Finsterwalde" – und nicht nur für ihn. Eben deshalb besucht auch sein Sohn die Einrichtung "mitten im Grünen", wie Eltern bisher immer geschwärmt haben. Jetzt ist das Grün um das "Entdeckerland", wie die Kita heißt, abgeholzt worden. Hier entsteht ein Solarpark. Dieter Babbe

Andreas Mundt traute seinen Augen nicht, als er dieser Tage die schwere Technik sah, die vor und neben der Kita jeden Baum und Strauch beiseite schob. Inzwischen sind drei Felder eingezäunt worden, in denen Solarplatten aufgestellt werden. Damit ist die Kita, die der Stadt gehört und vom BIK e.V. privat betrieben wird, praktisch vom Solarpark an drei Seiten eingeschlossen worden. "Ich bin schockiert", sagt Andreas Mundt - der fragt: "Wer hat denn so was genehmigt? Kann man das noch bremsen?"

"Das kann man nicht", ist der Kita-Leiterin Ines Magath bei der Stadtverwaltung gesagt worden, als eines Morgens plötzlich Fahrzeuge aufgetaucht waren und Männer damit begonnen haben, die Grünflächen neben der Kindereinrichtung platt zu machen. "Das Gelände ist bereits vor etlichen Jahren zum Gewerbegebiet erklärt worden, während die Kita weiter Bestandsschutz hat. Damit sind der Stadt die Hände gebunden, der Bau eines Solarparkes darf nicht verwehrt werden", erklärt Fachbereichsleiter Frank Zimmermann.

Die Hoffnung im Rathaus, dass die kreisliche Denkmalschutzbehörde dem Investor einen Strich durch die Rechnung macht, weil das alte Feintuchwerk nebenan unter Schutz steht, hat sich zerschlagen. Der Solarpark befinde sich lediglich im "Umgebungsschutzbereich" der Koswigschen Tuchfabrik, heißt es in der Antwort auf eine Anfrage der RUNDSCHAU. Und weiter: "Eine erhebliche Beeinträchtigung des Erscheinungsbildes des Denkmals" sei durch die Solarplatten "definitiv" nicht zu erwarten.

"Kein schöner Anblick für unsere Kita. Das Grün drumherum ist weg", bedauert auch Ines Magath. Die Kita-Leiterin hatte sich mit dem Elternrat verständigt, ob und wie man gegen die Baupläne vorgehen will. "Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir den Solarpark nicht mehr verhindern können." Man tröste sich damit, dass die Kinder neben ruhigen Platten immer noch besser leben können, als mit einer stinkenden Färberei oder einem lauten Sägewerk nebenan. "Allerdings hätten wir uns von der Stadt gewünscht, dass sie uns vorher über das Vorhaben informiert", sagt Torsten Wischnewski-Ruschin, Geschäftsführer des BIK e.V.

Kai Yang, der Investor des Solarparkes, ist indes auf gute Nachbarschaft mit der Kita bedacht. "Die drei Solarfelder werden am Zaun mit Bäumen bzw. Hecken begrünt, damit die Platten später nicht gleich ins Auge fallen." Auch die Trafostation, von der ein Brummton ausgehen könnte, soll weit entfernt aufgestellt werden. Damit die Kinder vom Baulärm nicht gestört werden, wird zwischen 12 und 14 Uhr nicht gearbeitet. In den nächsten Tagen sollen die ersten Platten montiert werden.

Knapp eine Million Euro investiert Kai Yang in den Solarpark, der Ende März in Betrieb gehen und Strom für etwa 250 Haushalte liefern soll. Wenn alles fertig ist, will er sich persönlich an den Kita-Betreiber wenden: "Ich möchte ihm preiswerten Sonnenstrom für die Einrichtung anbieten."

Richtig zufrieden macht das Andreas Mundt nicht. Erst durch den Druck vieler Eltern ist die Feintuch-Kita, eine der ältesten in Finsterwalde, vor fünf Jahren von den Stadtverordneten von der Abrissliste gestrichen worden. Ein Argument war damals: Die Kita ist ebenerdig und liegt wie keine andere mitten im Grünen. Dort liegt sie jetzt nicht mehr. Ein Reiz, den das "Entdeckerland" verloren hat.