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Kirche von Bergheide als einzige in der DDR in der Hand des Staates

Ein altes Foto von Bergheide, früher Gohra.ASDFASDF
Ein altes Foto von Bergheide, früher Gohra.ASDFASDF FOTO: Archiv Poetzsch
Finsterwalde.. Bergheide war die einzige Gemeinde in der DDR, wo das Kirchengebäude dem Staat gehörte. Das hat Joachim Poetzsch herausgefunden. Archiv Poetzsch

Zu unserer Serie „Leser lassen Bilder sprechen“ , bei der wir vorigen Sonnabend ein Foto aus Bergheide, zugesandt von Alfred Lehmann, veröffentlichten, schreibt Joachim Poetzsch:

Das Foto zeigt die Dorfstraße von Gohra bzw. Bergheide mit dem Hausgrundstück von Liesbeth Kunzke, Dorfstraße 11, auf der linken Seite. Dahinter befindet sich das Holzhaus von Ida Hannemüller. Das Blockhaus, was kaum zu sehen ist, war 1713 erbaut worden und hatte die Hausnummer 12. Dann kam mit Nummer 13 Winzers Wirtschaft. Hier wohnten der Auszügler Ernst Winzer, der Landwirt Willi Winzer und der Fleischer Paul Winzer. Die Möbeltischlerei Kaiser hatte ihren Sitz in der Dorfstraße 14.
In einem Gespräch über Bergheider Begebenheiten wusste der damalige Bäckermeister aus Bergheide Kurt Vogel noch so manches. Er berichtete, dass die 1891 fertiggestellte Dorfkirche in der DDR die einzige Kirche war, die dem Staat gehörte. Weil nach der Vollendung des Baus kein Geld mehr für die Bezahlung der Bauleistungen vorhanden war, erreichte der damalige Ortsrichter Hannemüller, der gleichzeitig auch Kirchenratsvorsitzender war, dass der Kirchenbau von der Gemeinde bezahlt und Eigentum der Gemeinde Gohra, später Bergheide, wurde. Die beiden Glocken der Kirche, die südliche 71 Zentimeter und die nördliche 49 Zentimeter im Durchmesser, wurden in Laucha/Unstrut von den Gebrüdern Ulrich gegossen, und in der Wetterfahne befand sich die Jahreszahl der Fertigstellung 1891.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und in der DDR-Zeit fehlten der Gemeinde Bergheide jedoch die Mittel, um die öffentlichen Lasten und Abgaben, Steuern und Versicherungsbeiträge usw. für die Kirche zu bestreiten und die Werterhaltung zu sichern. Die Kirchengemeinde sah sich dafür auch nicht in der Verantwortung, denn die Kirche gehörte ja dem Staat, und das war in der Geschichte einmalig. Die Gemeinde stellte daher beim übergeordneten Organ, dem Kreis, Anträge, um die Finanzierung der Aufwendungen vornehmen zu können, allerdings ohne Erfolg. Schließlich wurde die Übergabe der Kirche an die Kirchengemeinde mit allen verbundenen Verpflichtungen erreicht und per Beschluss durchgesetzt. Es wurde auch festgelegt, dass die katholischen Gemeindemitglieder Gottesdienste in der Gemeindekirche abhalten konnten, woraus sich nie Probleme ergaben. Als der Bergbau an die Pforten der Gemeinde pochte, musste die Kirchengemeinde die Kirche an den Bergbau verkaufen. Den Taufstein erhielt die Kirchengemeinde in Schönborn. Die noch vorhandene Glocke erhielt die Kirche in Gruhno. Teile der Bergheider Kirche sollen sich heute noch in der Kirche von Sallgast befinden.