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19. Niederlausitzer Almabtrieb
Kinderschar statt Schafherde

Den Almabtrieb in Lieskau wollen sich jährlich etwa 2000 Besucher nicht entgehen lassen.
Den Almabtrieb in Lieskau wollen sich jährlich etwa 2000 Besucher nicht entgehen lassen. FOTO: Jana Zandow-Dorr/jzr1
Lieskau. Die Besucher des 19. Nie- derlausitzer Almabtriebes in Lieskau ließen sich weder von Pannen noch vom Wetter die Laune verderben. Jana Zadow-Dorr / jzr1

Einen Tag zuvor noch strahlte die Sonne mit den Mitgliedern des Niederlausitzer Traditionsvereins um die Wette - doch der erste Sonntag im "goldenen" Herbstmonat Oktober zeigte sich dieses Jahr relativ feucht. Unabhängig davon bedeutet der erste Oktobersonntag in Lieskau: Auf zum Niederlausitzer Almabtrieb! Die Strecke von der 15300 Zentimeter hohen Alm stand bereit für Mutterkuh und Färsen, Tauben, Hühner, Gänse nebst Kaninchen, Pony, Ziegen und Alpakas. "Und", so Bärbel Jünigk während ihrer gewohnt gut gelaunten Moderation, "auch wenn uns der Schäfer krankheitsbedingt absagen musste, erleben Sie heute statt der Schafherde unser wichtigstes Gut im Dorf, unsere Zukunft: die inzwischen beachtliche Kinderschar!"

Tatsächlich spielen die Kinder durchgängig bei allen Gruppen, die von der Alm in das Tal gewandert kommen, eine große Rolle: So beispielsweise der 14-jährige Christian, der erst vor drei Tagen ein vier Monate junges Kalb in seine Obhut übernommen und mit dem Kalb jede freie Minute geübt hat, um am Abtrieb teilnehmen zu können.

Oder die zukünftigen "Holzhacker" Lukas und Leo, die mit einem Quad hinunterfahren. Bei der Großfamilie Thor gehören alle Enkelkinder und die beiden Kühe zum Programm. Bei Ziegenhirt Lars Nadebor zeigt schon sein kleiner Sohn, grad einen Kopf größer als die Ziegen, wo die Tiere lang zu gehen haben.

Letztendlich ist der eigentliche Almabtrieb nur ein kleiner Teil an diesem Tag, an dem die Lieskauer über sich selbst hinauswachsen und Gastgeber für etwa 2000 Besucher sind. Schon von früh an werden die Waren beim zünftigen Bauernmarkt begutachtet und gekauft, werden Tipps und Tricks von Handwerkern und Hofbesitzern verraten. Unter anderem stoßen die Körbe und Dekorationsstücke von Korb-Kaiser aus Dahme auf großes Interesse. Barbara und Bernd Schmidt aus Burg (Spreewald) waren vor drei Jahren das erste Mal beim Almabtrieb dabei, hatten sich damals schon einen Korb gekauft und schauten nun nach neuen Angeboten. "Das gefällt uns hier sehr gut. Außerdem bringe ich für den Alpakahof gehäkelte Alpakafiguren und hole mir dafür gleich Strümpfe aus Alpakawolle - wärmstens zu empfehlen!", lacht Barbara Schmidt. Apropos Alpakawolle: Jeder Gast durfte im Zuge einer Tombola schätzen, wie viel Wolle die beiden anwesenden Alpakas "Einstein" und "Isodor" in einem Jahr wohl abgegeben. Jörg Fiedler und Christina Kubasch aus Königsbrück ließen sich vor vier Jahren vom Pießiger Alpakahof anstecken und schafften sich selbst Tiere an. Sie lösten die Schätzaufgabe: fünf Kilogramm.

Die Erlöse aus der Tombola kamen im Übrigen gleich zwei Begünstigten zugute: dem Tierheim Langengrassau und der "Aktivstallanlage und Therapiezentrum Anka Mahrholz" aus Böhla bei Ortrand. Anka, ihre Tochter und Tierheilpraktikerin Olivia Noack sowie weitere Mitstreiter kümmern sich hauptsächlich um kranke oder verhaltensgestörte Pferde. "Das Zentrum baute ich mir 2010 auf. Mit der Zeit stellte ich fest, dass oft auch die Tierhalter, also die Menschen einer Therapie bedürfen, bevor ein harmonisches Miteinander möglich ist," erzählt Anka. Zwei Esel, 19 Pferde und drei Hunde gehören zu ihrem Hof. Deshalb plant sie, nächstes Jahr direkt beim Almabtrieb mitzumachen.

Schon die Jüngsten wissen, wie es geht.
Schon die Jüngsten wissen, wie es geht. FOTO: Jana Zandow-Dorr/jzr1