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Kinder lernen Reformation verstehen

Das Schlossareal in Sonnewalde lieferte den perfekten Rahmen für den Kreiskinderkirchentag in Sonnewalde. Mehr als 300 Kinder kamen zusammen, um die Reformation verstehen zu lernen.
Das Schlossareal in Sonnewalde lieferte den perfekten Rahmen für den Kreiskinderkirchentag in Sonnewalde. Mehr als 300 Kinder kamen zusammen, um die Reformation verstehen zu lernen. FOTO: Franziska Dorn
Sonnewalde. Bei einem eigens für sie ausgerichteten Kirchentag sind am Samstag in Sonnewalde mehr als 300 Kinder zusammengekommen, um das Reformations- Jubiläum zu feiern und den Sinn dieser großen Veränderung zu verstehen. Franziska Dorn

"Ablassbriefe sind nur Abzocke!" Julius aus Werenzhain bringt es auf den Punkt. Gemeinsam mit fünf anderen Kindern hockt er in einem kleinen Zelt. "Workshop Gnade" steht auf dem Schild am Eingang. "Das Wort Gnade ist schwer zu verstehen. Es ist etwa so, als wenn eure Eltern nicht böse sind, obwohl ihr etwas falsch gemacht oder gelogen habt. So hat Martin Luther die Bibel verstanden. Er wollte, dass alle davon erfahren", erklärt Jugendmitarbeiter Marco Bräunig, der kurz zuvor als der Ablassprediger Johannes Tetzel auf der Theaterbühne stand.

Seine Ablassbriefe hat er noch dabei, aber die Kinder sind sich schnell einig, dass niemand unfehlbar ist und man so etwas wie Freundschaft, Zuwendung und Unschuld nicht kaufen kann. Hier, aber auch als Zuschauer beim Freilufttheater erfahren die kleinen Gäste den Kern der Reformationsbotschaft. Als der berühmte Maler Albrecht Dürer, gespielt von Thomas Bubner und Lucas Cranach (Marcel Goldberg), darüber nachdenkt, welche Heiligenfiguren auf den Altarbildern die besseren sind, fährt Superintendent Thomas Köhler als Martin Luther aufgebracht dazwischen. In der Mitte müsse das Kreuz als Zeichen der Vergebung stehen. Das verstehen auch all die anderen, und als Johannes Tetzel ihnen ihre Sünden abkaufen will, bekommt er eine Abfuhr.

Eine andere historische Figur darf an diesem Tag nicht fehlen. Bürgermeister Werner Busse ist in die Rolle des Nikolaus von Minckwitz geschlüpft. Der Ritter und Herr auf Schloss Sonnewalde war ein Freund Luthers und hat als ein Vorreiter bereits 1517 die neue Lehre in der Stadt eingeführt. Er freue sich einmal mehr, dass Sonnewalde auch im Jubiläumsjahr eine wichtige Rolle einnehme und an diesem Tag so viele Kinder zusammenkommen, sagte Busse.

Nach dem Theater tauchen die Kinder an mehr als 20 Stationen in ein mittelalterliches Markttreiben ein. Ein buntes Gewimmel entsteht auf dem Schlossareal, das die perfekte Kulisse für den Tag hergibt. Gesa aus Finsterwalde und Gero aus Luckau sind die Ersten an dem Stand von Magdalena Heinrich aus Gruhno, wo aus Schafwolle Jonglierbälle gefilzt werden. Bei der Kirchengemeinde in Doberlug versucht Lea, wie einst die Mönche mit dem Federkiel zu schreiben. Die lateinischen Worte "Porra parer - cor magis" (die Tür ist offen - das Herz ist weit) stehen auf ihrem Papier. Alle Stationen sind wohl nicht zu schaffen, resümiert Miriam (11) aus Sellendorf, die sich nach dem Kerzenziehen einen Obstspieß gönnt und dabei auf die mittelalterliche Musik von "Heydekraut" hört. Vielleicht werde sie noch die Druckstube besuchen. Dort sind bei Frauke Fischer aus Lübben etliche Kinder hochkonzentriert, denn die Matrize für den Druck muss in Spiegelschrift gefertigt werden. Zum Abschlussgottesdienst finden sich Kinder und Eltern wieder vor der Bühne ein. Hier geht es noch einmal um die Lutherrose, die Martin Luther als sein Siegel verwendete und die mit dem Kreuz und dem Herz auf himmelblauem Hintergrund seine Botschaft symbolisiert.

Zum Thema:
Der Kirchentag für Kinder gehörte zu den Höhepunkten des Kirchenkreises Niederlausitz im Reformationsjahr 2017. Er wurde von Kreiskatechetin Angela Wiesner und ihrem Team organisiert. Ein anderes Projekt war das Festkonzert zum Reformationsjubiläum, wo am gestrigen Sonntag in Luckau 120 Sängerinnen und Sänger aus dem Kirchenkreis Werke von Mendelssohn und Nicolai präsentierten.