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| 16:35 Uhr

Schwere Brummis stören Dorfruhe
Das strapaziöse Leben an einer Kiesgrube

 So sieht der Alltag vor Thomas Pfeffers Haustür aus. Regelmäßig fahren Brummis durch den Ort. Ihr Ziel: die nahegelegene Kiesgrube.
So sieht der Alltag vor Thomas Pfeffers Haustür aus. Regelmäßig fahren Brummis durch den Ort. Ihr Ziel: die nahegelegene Kiesgrube. FOTO: LR / Jenny Theiler
Kleinkrausnik. Wegen der ortsansässigen Kiesgrube bei Kleinkrausnik fahren zahlreiche Lkw durch den Ort und beeinträchtigen den Dorffrieden. Von Jenny Theiler

Eigentlich hat Thomas Pfeffer nach Ruhe und Erholung gesucht, als er im Jahr 2014 nach Kleinkrausnik gezogen ist. Die ernüchternde Realität hat sich dem EU-Rentner jedoch schnell offenbart, denn nur ein halbes Jahr später steigt die Anzahl der Lkw-Durchfahrten durch den kleinen Ort kontinuierlich an. „In der schlimmsten Zeit waren es bis zu 120 Durchfahrten pro Tag“, erinnert sich Thomas Pfeffer.

Schlaglöcher, permanente Staubbelastungen und ein anhaltender Motorenlärm, der die Ruhe im Dorf störe, beschreiben die aktuellen Zustände im Dorf. „Es ist mittlerweile eine richtige Zumutung, hier zu leben. Die Straßen sind an einigen Stellen so kaputt, dass auch die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer einfach nicht mehr gegeben ist“, ärgert sich Thomas Pfeffer.

Der Grund für den enormen Lkw-Verkehr im Dorf ist der Kiestagebau, der sich in unmittelbarer Dorfnähe am Waldrand befindet. Andreas Krüger ist der Besitzer des Unternehmens. Er übernimmt im August 2016 einen Großauftrag der Deutschen Bahn für den Neubau der Bahntrasse Berlin–Dresden. Krüger stellt dafür den Kies bereit. Bereits seit 2015 kümmert er sich zudem um die Gleisschotteraufbereitung. Von da an pendeln bis zu 80 Lkw täglich durch den Ort. Thomas Pfeffer ärgert sich zwar, rechnet aber mit einem absehbaren Ende der belastenden Situation. Der Auftrag wird pünktlich Ende 2017 abgeschlossen.

 Die Anliegerstraße wird seit vier Jahren von Sattelschleppern und Schwerlasttransportern befahren und führt durch das ganze Dorf.
Die Anliegerstraße wird seit vier Jahren von Sattelschleppern und Schwerlasttransportern befahren und führt durch das ganze Dorf. FOTO: LR / Jenny Theiler

Doch nach Abschluss des Auftrages fahren die 40-Tonner weiter durch das Dorf. Thomas Pfeffer wendet sich an Andreas Krüger, bekommt aber keine zufriedenstellende Antwort. „Er könne nicht sagen, wie lange das noch so weitergeht. Wir sollten uns gedulden“, blickt Thomas Pfeffer zurück. Es stellt sich heraus, dass Andreas Krüger vom Landkreis Elbe-Elster die Auflage erhalten hat, die Kiesgrube nach Abschluss des Bahn-Großauftrages wieder mit Muttererde zu befüllen, wie Pressesprecher Torsten Hoffgaard bestätigt.

Thomas Pfeffer wendet sich mehrmals an das zuständige Bauamt in Sonnewalde, um seinem Ärger Luft zu machen. Er ist der Auffassung, dass Stadt und Landkreis ihrer Sorgfaltspflicht gegenüber den Anwohnern nicht ausreichend nachgekommen seien. „Man hätte schon vor dem Großauftrag gewisse Vorkehrungen wie eine Geschwindigkeitsbegrenzung oder eine Überprüfung der Straßenart vornehmen müssen“, sagt Thomas Pfeffer. Die Straße, die durch den Ort führt, ist eine einspurige Durchgangsstraße und sei für das Befahren von 40-Tonnern gar nicht ausgelegt. Ein gefahrloses Vorbeifahren sei auch nicht gewährleistet, sagt der Anwohner und schickt dem Landkreis Fotos, um die Gefahrensituation auf der engen Straße zu visualisieren.

 Die Straßenschäden sind notdürftig mit Bahnkies durch den Kiesgrubenbesitzer Andreas Krüger ausgebessert worden.
Die Straßenschäden sind notdürftig mit Bahnkies durch den Kiesgrubenbesitzer Andreas Krüger ausgebessert worden. FOTO: LR / Jenny Theiler

Das erhöhte Lkw-Aufkommen in Kleinkrausnik ist dort bekannt. Dennoch könne man Pfeffers Auffassung nicht teilen. „Grundsätzlich ist die Straße geeignet, um einen derartigen Verkehr aufzunehmen. Die übermäßige Abnutzung der Straße lässt sich allerdings, zumindest teilweise, auf die starke Nutzung im Zusammenhang mit dem Bahnbau zurückführen“, sagt Kreis-Sprecher Torsten Hoffgaard. Zudem befinde man die auf den Fotos dargestellte Situation nicht als gravierend.

Thomas Pfeffer kann nicht verstehen, warum eine Kiesgrube weiterhin existieren darf, wenn der entsprechende Ort über keine Bundesstraßenanbindung verfügt. „Es kam auch schon mal vor, dass ich einige Lkw gestoppt habe, wenn sie zu schnell durch den Ort gebrettert sind“, sagt Thomas Pfeffer. Diese Maßnahme empfindet Andreas Krüger nicht nur als völlig überzogen, sondern zudem als geschäftsschädigend.

„Diese Kiesgrube existiert seit den 60er-Jahren. Ich habe in den 90er-Jahren die Erlaubnis bekommen, sie weiterzuführen. Noch nie hat sich jemand bei mir beschwert“, sagt Andreas Krüger. Er selbst lebt nicht mehr im Dorf, besucht jedoch mehrfach in der Woche sein Elternhaus. „Ich spreche regelmäßig mit den Nachbarn und habe auch gesagt, dass ich keine Versprechungen machen kann. Beschwerden habe ich bisher trotzdem nur von Herrn Pfeffer gehört“, sagt der Unternehmer. Thomas Pfeffer sieht das anders: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass nur ich unter dieser Situation leide. Ich glaube, dass viele Anwohner sich nicht trauen, etwas zu sagen“, vermutet er.

Auf RUNDSCHAU-Nachfrage teilt der Landkreis mit, „dass das Straßenverkehrsamt eine Geschwindigkeitsbeschränkung für Lkw auf 30 Kilometer pro Stunde bis September angeordnet hat. Für weitere Aktivitäten sieht man dort gegenwärtig keine Veranlassung“, informiert Torsten Hoffgaard. Diese Entscheidung ist für Thomas Pfeffer nur ein schwacher Trost. „An die 30 halten sich die Fahrer ohnehin nicht. Die Durchfahrt über die Anliegerstraße muss unterbunden werden, damit die Dorfruhe und die allgemeine Sicherheit wieder hergestellt werden können. Nur darum geht es mir“, sagt er. Zwischenzeitlich haben die Durchfahrten zwar nachgelassen, aber von März bis April seien es noch immer rund 50 Lkw, die täglich durch den Ort fahren. „Der März war besonders schlimm, die jetzige Situation ist erträglich. Aber ich vermute, dass das nicht lange so bleiben wird“, befürchtet Thomas Pfeffer.

Die Recherchen durch den Landkreis haben ergeben, dass zwischen dem 6. und 28. März genau 371 Lkw-Fahrten durch den Ort stattgefunden haben. Das sind etwa 25 Fahrten pro Tag und ungefähr drei pro Stunde. Die Kreisstraßenmeisterei befindet die Straße als für den Lkw-Verkehr geeignet.