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| 18:29 Uhr

Bahnhof Doberlug-Kirchhain
Erstes Ziel sind die Kernfunktionen

 Das Bahnhofsgebäude in Doberlug-Kirchhain soll lange genug vor sich hin geschlummert haben. Mit einem Nutzungskonzept werden jetzt mögliche Varianten für die Immobilie ausgelotet.
Das Bahnhofsgebäude in Doberlug-Kirchhain soll lange genug vor sich hin geschlummert haben. Mit einem Nutzungskonzept werden jetzt mögliche Varianten für die Immobilie ausgelotet. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Am Freitag endet das Interessenbekundungs­verfahren für das Bahnhofsgebäude in Doberlug-Kirchhain. Tag der offenen Tür und Ideenwerkstatt wecken Hoffnung. Von Heike Lehmann

Eine zukunftsfähige Lösung zur Wiederbelebung des großen Bahnhofsgebäudes in Doberlug-Kirchhain wird nicht mit einem einfachen Fingerschnipsen auf der Hand liegen. Und die Umsetzung kann erst Recht nur Schritt für Schritt erfolgen. Aber mit einem Tag der offenen Tür und einer Ideenwerkstatt ist dieser Tage die Zukunft des seit langem fast völlig leer stehenden Gebäudes offensiv diskutiert worden. Initiiert wurden diese Aktionen gemeinsam von der Stadtverwaltung und der Agentur Bahnstadt. Letztere beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren ausschließlich mit Bahnhöfen. Das Team der Bauingenieure, Architekten und Planer ist damit beauftragt, ein Nutzungskonzept für die stadtbildprägende Immobilie, die momentan eher einen traurigen Charme versprüht, zu erstellen.

Seit Mitte Januar läuft zudem unter www.bahnhof-doki.de ein so genanntes Interessenbekundungsverfahren, bei dem vor allem Unternehmer auf direktem Wege mitteilen können, ob sie an der ein oder anderen Mieteinheit im Bahnhofsgebäude Interesse haben und wenn ja wozu. „Hier möchten wir noch einmal ermutigen, bis Freitag Ideen zur Nutzung zu äußern, selbst wenn sie noch vage sind. Das ist völlig unverbindlich, man geht damit noch kein Mietverhältnis ein“, wirbt Stephan Wilhelm, Geschäftsführer der Agentur Bahnstadt um Resonanz.

Die Größe der Aufgabe ist allen Beteiligten bewusst. Das wurde auch bei der Ideenwerkstatt, zu der in die Gaststätte „Grüner Berg“ eingeladen war, deutlich. Stephan Wilhelm spricht von einem Prozess, der fünf bis zehn Jahre dauern wird. Dennoch gebe das gezeigte Interesse an der angestoßenen öffentlichen Ideensuche Anlass zur Hoffnung, meint auch Bürgermeister Bodo Broszinski (FDP). „2013, nach der Ersteigerung des Bahnhofsgebäudes, hatten wir schon einmal um Ideen geworben. Der Versuch ging ins Leere. Es gab nur einen Beteiligten. Heute sind schon mal mehr Leute da“, stellte er fest. Mehrere Stadtverordnete, Vertreter vom Verkehrsmanagement Elbe-Elster und der DB Station & Service AG als Betreibergesellschaft der Verkehrsstationen am Streckennetz der DB Netz AG beteiligten sich an der Diskussion. Auch beim vorgeschalteten Tag der offenen Tür herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Selbst Künstlerinnen,  die unter dem Dach des Endmoräne e.V. alljährlich Kunstprojekte an verlassenen Orten in Brandenburg umsetzen, haben sich die Räumlichkeiten angesehen. „Die Suche nach Ausstellungs- und Arbeitsräumen könnte für eine saisonale Belebung sorgen“, meint auch Stephan Wilhelm.

Keine Denkrichtung wird von vornherein ausgeschlossen. Aber: Es geht um knapp 800 Quadratmeter Nutzfläche vom Erdgeschoss bis zum 2. Obergeschoss. „Es kam klar heraus, dass ein erstes Ziel sein muss, die Kernfunktionen eines Bahnhofs wieder herzustellen“, fasst man bei der Agentur Bahnstadt zusammen. „Dazu gehören der Fahrkartenverkauf, die Kundenberatung, vernünftige Toiletten und eventuell ein kleines Angebot an Reisebedarf, eben alles, was für einen angenehmeren Aufenthalt auf dem Kreuzungsbahnhof sorgt“, sagt Stephan Wilhelm. Hierzu sei man im Gespräch mit dem VBB, der DB und dem Verkehrsmanagement Elbe-Elster. „Anfangs könnten wir uns das nach kleinen baulichen Veränderungen im Anbau vorstellen, in einem zweiten Schritt im Haupthaus“, meint er.

Wäre das Tourismusbüro im Bahnhof, wo die Reisenden ankommen,  besser aufgehoben als im Schloss Doberlug? „Es würde natürlich Sinn machen, die Leihfahrräder vom Schloss zum Bahnhof umzusetzen“, sagt Stephan Wilhelm. Würden eine Radlerherberge oder ein Gründerzentrum mit Bürokapazitäten für Selbstständige dort funktionieren?

Die Zukunftspläne für die Immobilie sind nicht ohne Abstimmung mit der Deutschen Bahn möglich. Für die Jahre 2024/25 sind große Umbauten an Bahnsteigen und Zugängen angekündigt. Noch im Februar wolle die DB dafür „die Planung im Groben fertigstellen“, weiß Wilhelm. „Danach muss es eine gemeinsame Sitzung mit der Stadt geben, über eventuelle Umbauten und den künftigen Zugangsbereich. Denn in den nächsten Monaten muss klar sein, wohin die Reise geht“, sagt Wilhelm.