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| 17:37 Uhr

Crinitzer Bürger-Treff-Streit
„Keiner will deine Verdienste schmälern, Horst“

Horst Hofmann.
Horst Hofmann. FOTO: Gabi Böttcher / LR
Crinitz. Wie der Crinitzer Bürgermeister mit einem Alleingang zum neuen Gemeindezentrum tüchtig aneckt. Von Dieter Babbe

Ältere Crinitzer können sich noch erinnern: In dem mehr als 1200 Einwohner zählenden Dorf gab es früher mal ein halbes Dutzend Gaststätten – jetzt gibt es keine einzige mehr, nur noch ein paar Getränkestützpunkte. Über einen neuen Bürgertreff reden sich die Crinitzer schon seit Jahren die Köpfe heiß, bringen Varianten ins Spiel, geben dazu Gutachten in Auftrag und verwerfen sie. Und als unschöne Begleitmusik fließt dann gelegentlich auch noch böses Blut. An solch einer Stelle steht man gerade mal wieder. Doch es scheint so, als glätten sich jetzt die Wogen. Zuvor hagelte es aber noch einmal tüchtig Vorwürfe – an die Adresse des Bürgermeisters. Doch bei ihm prallen sie ab, der schmeißt seine Jahrzehntelangen Verdienste ums Dorf in die Waagschale und sieht sich im Recht.

Was war zuletzt geschehen? Und vor allem: Wie geht es jetzt weiter? Das wollten viele Crinitzer bei der Gemeindevertretersitzung in dieser Woche, wo im großen Schulraum der Klasse 4 kaum ein Stuhl leer blieb, genau wissen: Während die Abgeordneten nach einer aufwändigen wie originellen Befragung der Einwohner mittels einer gefüllten Brötchentüte nach möglichen Standorten für ein Gemeindezentrum von Experten eine 70-seitige Studie mit einer Hitliste haben erarbeiten lassen, wo der Ausbau einer alten Töpferei auf Platz 1 steht, ist Bürgermeister Horst Hofmann in das frühere, längst verwaiste Kulturhaus der ehemaligen Steinzeugwerke verliebt – das aber in der Hitliste überhaupt nicht auftaucht. Jedenfalls nicht vorne, sondern ganz, ganz hinten.

Doch das störte den Bürgermeister nicht. Er lud an einem Sonnabend Anfang Februar (die RUNDSCHAU hatte berichtet) die Einwohner seines Dorfes zu einem Tag der offenen Tür in das alte Kulturhaus ein – und viele, viele kamen. 120 Crinitzer hinterließen ihre Unterschrift unter der Überschrift: Das werde unser neues Gemeindezentrum!

Die Gemeindevertreter empfanden dagegen die Initiative ihres Bürgermeisters, von der sie aus der Zeitung erfuhren, nicht nur als einen unfreundlichen, mehr noch als einen undemokratischen Akt. Hofmann habe Beschlüsse um- und die Vertretung hintergangen, damit dem Ansehen des Dorfes geschadet und das „Vertrauensverhältnis nachhaltig gestört“. Die Gemeindevertreter wollten ihr Dorfoberhaupt daraufhin zur Rede stellen – hinter verschlossenen Türen wohlgemerkt, es sei schließlich in der Presse schon genug dreckige Crinitzer Wäsche gewaschen worden, begründeten sie. Hofmann lehnte eine nichtöffentliche Runde zu seiner „Inquisition“ ab, hatte die Kommunalaufsicht auf seiner Seite – und setzte die „Aussprache zum Gemeindezentrum“ auf die Tagesordnung des öffentlichen Teils der Gemeindevertretersitzung.

Er habe schließlich vom Eigentümer die Schlüssel bekommen und das Kulturhaus einfach nur geöffnet, versuchte Horst Hofmann den Vorwurf, eine Politik hinter dem Rücken der Gemeindevertretung zu betreiben, herunterzuspielen. Als er dann einige seiner „Alleingänge“ im Vierteljahrhundert seiner Amtszeit auflistete, wo es ihm immer um das Wohl der Crinitzer gegangen sei, wurde es auch einigen Besuchern zu viel. „Keiner will deine Verdienste schmälern, Horst“, rief eine Frau ihm zu. Und eine andere flehte regelrecht: „Schaut doch endlich nach vorne!“

Und dann stand ganz hinten in der letzten Reihe ein Mann auf. Alberto Krause, ein Unternehmer im Dorf, wedelte mit einer Petition herum. Darin machen sich etliche Crinitzer für das alte Kulturhaus als neues Gemeindezentrum stark. Nicht nur mit Worten – sie wollen auch mithelfen, damit so schnell wie möglich ein Gutachten fertig wird, wie Christian Noack, auch ein Unternehmer, versicherte. Bis zur Jahresmitte soll, nein muss, endlich klar sein, was wir wollen, fasste Gemeindevertreter Lothar Thor eine hitzige Debatte zusammen. Crinitz, so scheint es nach diesem Abend, ist auf einem guten Weg.