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| 19:18 Uhr

73. Jahrestag der Befreiung
Keine größere Verpflichtung als das Erinnern

Gedenken zum 73. Jahrestag der Befreiung vom „Verlorenen Transport“ auf dem Jüdischen Friedhof in Tröbitz: links Lore Robinson, deren Eltern im Zug waren, in der Mitte Zwi Birnbaum (85), Überlebender des „Verlorenen Transports“, der heute in Israel lebt.
Gedenken zum 73. Jahrestag der Befreiung vom „Verlorenen Transport“ auf dem Jüdischen Friedhof in Tröbitz: links Lore Robinson, deren Eltern im Zug waren, in der Mitte Zwi Birnbaum (85), Überlebender des „Verlorenen Transports“, der heute in Israel lebt. FOTO: Heike Lehmann
Tröbitz. Am 73. Jahrestag der Befreiung vom „Verlorenen Transport“ wurde in Tröbitz der Opfer gedacht. Es fielen auch mahnende Worte. Von Heike Lehmann

Die Geschichte vom „Verlorenen Transport“ sei „eine der wenigen Geschichten des Holocaust, wo wir über Überlebende sprechen können“, sagte Adi Farjon Israel, Pressesprecherin der Botschaft des Staates Israel am Montag in Tröbitz. Sie hat wie Dr. Peter Fischer vom Zentralrat der Juden in Deutschland auf den Tag genau 73 Jahre nach der Befreiung von mehr als 2000 jüdischen KZ-Häftlingen aus Bergen-Belsen an der Gedenkveranstaltung teilgenommen. „Für uns gibt es keine größere Verpflichtung als das Erinnern“, erklärte sie. Das sei wichtig in einer Zeit, da „antijüdische Übergriffe sich häufen, auch auf deutschen Straßen israelische Fahnen brennen und ,Du Jude’ zum Schimpfwort wird“.

Schreckliche Tage

Jährlich erinnern die Gemeinde Tröbitz, das Amt Elsterland und die Stadt Uebigau-Wahrenbrück in Langennaundorf an der Kirche, am Bahnkilometer 101,6 und in Tröbitz, dass nach zweiwöchiger Irrfahrt über deutsche Schienen – die jüdischen Männer, Frauen und Kinder sollten ins KZ Theresienstadt gebracht werden – plötzlich 2000 befreite, aber ausgemergelte und kranke Menschen in Tröbitz für einen Ausnahmezustand sorgten. Wohl einmalig in Deutschland ist, dass die russische Armee sie in die Häuser der Tröbitzer schickte. Die meisten Einwohner rückten zusammen und nahmen jüdische Menschen bei sich auf.

Die 95-jährige Lore Robinson war am Montag mit ihrer Tochter aus London angereist. Sie hatte beide Eltern im Zug, der Vater überlebte die Tortur, starb aber zwei Jahre später. Die Mutter fand im Gemeinschaftsgrab an der Tröbitzer Kirche ihre letzte Ruhe. „Es ist für mich kein Vergnügen, hier zu sein“, sagte Lore Robinson.

Er war selbst im Zug

Zwi Rosenbaum war als Zwölfjähriger selbst im Zug – mit seinem Vater, der Mutter, fünf Geschwistern und weiteren 32 Waisenkindern, um die sich die Rosenbaums schon in Bergen-Belsen gekümmert hatten. Diesmal war der 85-Jährige mit seiner Frau Monique, seinem Sohn Avner und dem 14 Jahre alten Enkel Noam an den Ort des Überlebens gekommen.