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Keine Alternative zum Sängerstadtmarketingverein

Doberlug-Kirchhain. Die Stadt Doberlug-Kirchhain will noch in diesem Sommer Mitglied im Sängerstadtmarketingverein werden. Das hat die Stadtverordnetenversammlung mit 15 Ja-Stimmen einstimmig beschlossen. Heike Lehmann

Nicht mit abgestimmt hat Torsten Drescher (SPD-FDP). Er erklärte sich als Vorsitzender des Sängerstadtmarketingvereins für befangen.

Der Meinungsbildungsprozess um die touristische Marketingstrategie der Stadt hatte sich zuvor über Jahre hingezogen. Kritisiert wurde dabei mehrfach der Ansatz der Stadtverwaltung, einen eigenen Marketingverein zu gründen. Aber auch das Beitrittsbemühen, insbesondere von der CDU-Fraktion vorangetrieben, gestaltete sich schwieriger, als von den Initiatoren gehofft. Mangelhafte Vorbereitung war der Grund für letztlich mehrere Anläufe.

Einmütigkeit der Fraktionen

Jetzt allerdings demonstrierten die Fraktionen große Einmütigkeit. Erzielt wurde die in einer Arbeitsberatung. Ein gemeinsam formulierter Beschlussvorschlag war deren Ergebnis. "Fast ein Novum in der Geschichte der Stadtverordnetenversammlung", so Lutz Kilian, Fraktionsvorsitzender SPD-FDP. Stadtverordnetenvorsteher Sebastian Rudolph (CDU) wünschte sich ein solches zielführendes Vorgehen auch bei anderen Themen.

Thomas Boxhorn, Chef der CDU-Fraktion, unterstrich, dass es "zum Beitritt keine Alternative" gebe. Für Frank Neczkiewicz (WBU-LUN) war der "Beschluss längst überfällig".

Große Hoffnungen für die weitere touristische Vermarktung des Schloss- und Klosterareals knüpfen die Doberlug-Kirchhainer Abgeordneten an den Sängerstadtmarketingverein. "Es ist wichtig, dass unsere touristische Perle vermarktet wird", sagte Karla Pohl (Linke).

Ein erhöhter Beitrag sichere der Kloster- und Gerberstadt die Rolle als "gleichberechtigter Partner auf Vorstandsebene mit Finsterwalde", so Kilian. Auch Boxhorn betonte: "Wir sind kein Juniorpartner. Die Zusammenarbeit muss auf Augenhöhe passieren. Das haben die Verantwortlichen verstanden." Und er ging noch weiter: Man müsse Kritik üben, wenn man nicht zufrieden ist. "Und wenn nichts passiert, sollten wir auch vor einer Rolle rückwärts nicht zurückschrecken", erklärte er.

Wer vertritt die Stadt?

Zunächst aber müsse die Mitgliedschaft mit Leben erfüllt werden, sind sich die Stadtverordneten einig. Das machten sie insbesondere von den Personen abhängig, die die Interessen der Stadt im Verein vertreten. Es sollte auch ein Abgeordneter entsendet werden, so Boxhorn. Von einer "Stabsstelle Tourismus im Rathaus" sprach Kilian. Das Tourismusbüro im Schloss müsse durchgängig besetzt werden. Dazu hält er zwei bis zweieinhalb Kräfte für notwendig. Dies zu bewerkstelligen, müsse man den Marketingverein schon mit einbinden.

Frank Neczkiewicz war enttäuscht, dass es noch keine Aussage zur geforderten Rathaus-Personalie gab. Fred Richter verwies hier als Stellvertreter des erkrankten Bürgermeisters wie schon im Haupt- und Finanzausschuss auf die geplante Verwaltungsstrukturreform.

Vor der Abstimmung mahnte Kämmerin Katja Müller eindringlich, dass die Forderung nach personeller Untersetzung Folgen haben wird. "Dann muss an anderer Stelle gekürzt werden." Die Stadt leiste sich sehr viele freiwillige Aufgaben bei einem "sehr angespannten Haushalt". Das sei allen bewusst, entgegnete der Vorsitzende Sebastian Rudolph.