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| 02:37 Uhr

"Kein totes Wasser im Bergheider See!"

Ludwig Otto (l.) und Klaus-Dieter Zeisig zeigen die Unterschriftenlisten, die jetzt öffentlich ausgelegt werden soll. Sie fordern einen "Natursee" am Fuße des Lichterfelder Besucherbergwerkes (im Hintergrund).
Ludwig Otto (l.) und Klaus-Dieter Zeisig zeigen die Unterschriftenlisten, die jetzt öffentlich ausgelegt werden soll. Sie fordern einen "Natursee" am Fuße des Lichterfelder Besucherbergwerkes (im Hintergrund). FOTO: Dieter Babbe/dbe1
Lichterfeld. Unter den Jubel um die Zukunftspläne am Bergheider See, wo es künftig ein Bungalowdorf, ein schwimmendes Haus, ein Musikfestival und wie jüngst zu erfahren sogar ein Jet-Ski-Zentrum geben soll, mischen sich zunehmend auch kritische Stimmen – die von Naturschützern, zu denen sich auch die Angler zählen. Dieter Babbe / dbe1

Das Wasser im Bergheider See ist sehr sauer, der pH-Wert liegt derzeit zwischen 3 und 4,5. Laut Planfeststellungsbeschluss will die LMBV den See mit einem Wert von "größer 4,5" übergeben. Doch das reicht nicht, damit das Wasser lebt. "Fische brauchen zum Überleben einen pH-Wert von mindestens 5,5, eine natürliche Vermehrung findet erst ab 6 statt", sagt Ludwig Otto, der Vize-Vorsitzende des Finsterwalder Kreisanglerverbandes.

Der fordert von Politik und LMBV, "dass aus dem Bergheider See nicht nur ein Spaß-, sondern ein lebendes Gewässer gemacht wird", wie es Otto formuliert. Dabei haben die Angler etliche Verbündete - viele Anwohner zum Beispiel.

"Wir sind vor Jahren nach Klingmühl gezogen - auch in der Hoffnung, dass der Natur zurückgegeben wird, was ihr durch den Kohleabbau genommen wurde. Dazu gehört, dass der Bergheider See kein totes Gewässer bleibt, damit die Vielfalt von Tier- und Pflanzenwelt zurückkehrt und sich letztlich auch die Menschen, nachfolgende Generationen, hier wohlfühlen", sagen Bernhard Hensel und Dr. Klaus-Dieter Zeisig aus Klingmühl.

"Wie lebenswert ist es in einem Bungalowdorf und in einem schwimmenden Haus, wenn das Wasser, von dem man umgeben ist und in dem man badet, nicht lebt, stattdessen ziemlich sauer ist. Wie sollen da Touristen aus Berlin oder sonst woher angelockt werden, die doch auf der Suche nach Natur pur sind", fragen beide.

"Und auch die Angler sind Touristen, sie fahren oft von weither zu guten Angelplätzen, nutzen die Bungalows und lassen letztlich auch Geld in der Region", ergänzt Ludwig Otto. Früher, bevor die Tagebaue erschlossen wurden, habe es bei Sallgast, Bergheide und Lichterfeld eine Vielzahl kleinerer fischreicher Teiche gegeben. "Ein Paradies auch für die Petrijünger. Wir erwarten jetzt, dass mit dem Bergheider See wieder ein Angelgewässer als Ersatz für diese Gewässer übergeben wird", fordert der Kreisanglerverband.

Amtsdirektor Gottfried Richter bestreitet, dass saures Wasser Erholungshungrige vom Baden abhalten wird, wie die erste Badesaison im vorigen Jahr bereits gezeigt habe. Er verweist auf den Grünewalder Lauch, wo sich viele Erholungssuchende und Wasserratten angesiedelt haben. "Das Wasser im Bergheider See ist sehr sauber, glasklar und im Strandbereich ziemlich flach und demzufolge warm - das schätzen viele, die Erholung und Sonne suchen", sagt Richter. Das saure Wasser habe sogar Vorteile, es lindere insbesondere spezielle Hauterkrankungen, sei von Ärzten bestätigt worden - "ohne dass wir aus Lichterfeld gleich ein Bad Lichterfeld machen wollen".

Ein Planfeststellungsbeschluss sei nicht so einfach zu verändern, erklärt Amtsdirektor Richter. Den Säuregehalt des Wassers im Bergheider See zu reduzieren, würde eine ständige und gleichmäßige Bekalkung mit einem Schiff erfordern. "Ein von den Anglern geforderter pH-Wert ist praktisch nicht bezahlbar", sagt der Verwaltungschef.

Auch seitens der LMBV wird auf RUNDSCHAU-Nachfrage betont, dass der Planfeststellungsbeschluss die behördlich vorgegebene Richtschnur sei. Die LMBV sei gegenwärtig dabei, die Güte des Bergheider Sees zu bewerten, um daraus "Handlungsmöglichkeiten" für die Gewässerentwicklung abzuleiten - was immer das angesichts der erst jüngst angekündigten Kostenreduzierung des Bundes bei der Bergbausanierung bedeutet. So will sich das Bundesfinanzministerium ab 2018 nicht mehr an Arbeiten finanziell beteiligen, die nicht bergrechtlich begründet sind.

Naturschützer und Angler wollen sich jedenfalls mit einem "toten Bergheider See", wie sie sagen, nicht zufriedengeben. So soll mit einer groß angelegten Unterschriftenaktion, die kommenden Sonntag bei der Jahreshauptversammlung des Kreisanglerverbandes startet, öffentlicher Druck auf Politik und LMBV ausgeübt werden, damit am Fuße der F 60 wieder ein Naturgewässer entsteht.

Weitere Verbündete für einen eher sanften und naturnahen Tourismus haben sich bereits Gehör verschafft: Die Nabu-Stiftung sieht Gefahren für das Naturparadies Grünhaus in der Nachbarschaft, wenn - wie angekündigt - am Bergheider See ein Jet-Ski-Zentrum entsteht. "Höllischer Lärm" von PS-starken Wassermotorrädern, die mit über 100 km/h über die Wasserfläche rasen, würde "die Stille der Natur zerreißen" und so nicht nur die seltene Tierwelt, sondern auch dem Tourismus schaden.

Seit mehr als zehn Jahren kommen Naturfreunde aus ganz Deutschland ins Naturparadies Grünhaus, um hier eine einzigartige Landschaft zu bewundern, wie Dr. Stefan Röhrscheid von der Nabu-Stiftung schreibt. Die Angler und Naturschützer erwarten: "Die Natur muss sich nicht nur am, sondern auch im Bergheider See entfalten können. Dazu gehören auch Fische. Und es muss Platz für Angler am Ufer sein."