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Kein Hundeleben für alten Clyde

Sabine Delloch vor dem Garten mit dem eingesperrten Hund. Jetzt will sie Kontakt zum Halter aufnehmen, um das Tier zu kaufen.
Sabine Delloch vor dem Garten mit dem eingesperrten Hund. Jetzt will sie Kontakt zum Halter aufnehmen, um das Tier zu kaufen. FOTO: Dieter Babbe/dbe1
Finsterwalde. Das ist kein Hundeleben! Clyde, der 15 Jahre alte Mischlingsrüde, ist in der Laube einer Finsterwalder Gartenanlage eingesperrt. "Für den Hund ist immer Nacht – die Fenster sind verdunkelt, kein Licht-, geschweige Sonnenstrahl dringt in die Laube. Dieter Babbe / dbe1

Seit Monaten schon muss der Hund so leben", berichtete Sabine Delloch kürzlich vor den Teilnehmern an der Jahrestagung des Finsterwalder Tierschutzvereins. Und weiter: Sie sei unlängst von Gartennachbarn auf den Fall aufmerksam gemacht worden - "nachdem immer wieder jämmerliches Gebell aus der Laube dringt". Daraufhin habe sie das Ordnungs- und auch das Veterinäramt informiert. Nachdem der Hund weiter eingesperrt blieb, platzte Sabine Delloch vorige Woche der Kragen - sie rief kurzerhand die Polizei an. "Die Beamten kamen sofort", würdigt die Tierschützerin, "sie öffneten die Laube und fanden den Hund in einem völlig dunklen Raum vor. Aber weil er Futter und auch Wasser hatte, sei keine unmittelbare Gefahr für das Tier gegeben, argumentierten die Polizisten."

Doch für den Deutschen Tierschutzbund, den Sabine Delloch daraufhin alarmierte, steht fest: "Ein eindeutiger Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und die Hundehalterverordnung. Die Behörden müssen handeln!" Unmittelbar nach der Jahrestagung am Sonnabend fuhr Sabine Delloch mit weiteren Vereinsmitgliedern erneut zur Gartenanlage, wo der Hund wieder bellte und erbärmlich winselte. "Wenn die Behörden nicht einschreiten, möchte ich, dass der Halter uns das Tier verkauft", sagte Sabine Delloch fest entschlossen. Und: "So den Lebensabend zu verbringen, das hat der alte Hund nicht verdient!" Im Verein habe sich bereits jemand gefunden, der den Hund aufnehmen würde. Bei einer spontanen Sammlung in der Mitgliederversammlung sind dafür 70 Euro zusammengekommen.

Nur eine von vielen Geschichten, von denen die Finsterwalder Tierschützer berichten können. Als in Sorno in einem Haus mehr als 40 Katzen unter schlimmen Zuständen lebten, als in Kirchhain zwei Pferde "nur noch Haut und Knochen" waren, als in Finsterwalde schnell ein Hund vermittelt werden musste, weil Herrchen ins Krankenhaus kam, kümmerten sich Sabine Delloch und ihre Mitstreiter darum. "Vor allem haben wir immer wieder mit herrenlosen Katzen zu tun. Allein bis Mai 2017 mussten wir mehr als 70 Tiere zum Tierarzt bringen, nach der Kastration werden sie wieder ausgesetzt und an unseren 22 Futterstellen im Finsterwalder Altkreis weiter regelmäßig betreut."

Doch Sabine Delloch kennt auch andere, schöne Tierepisoden. "An einem Abend steht ein Schönborner vor meiner Haustür - mit einem jungen Sperber in der Hand. Der Greifvogel war verletzt und konnte nicht fliegen." Die Tierschützerin setzte sich sofort ins Auto und fuhr zur Greifvogelstation nach Oppelhain. Vor wenigen Tagen bekam sie von hier einen Anruf: Der Sperber ist gesund, kann abgeholt und wieder ausgewildert werden. Sabine Delloch ließ das junge Tier im Doberluger Buchwald fliegen.

Für die Teilnehmer der Mitgliederversammlung des mehr als 50-köpfigen Vereins stand bei der Vorstandswahl am Sonnabend einstimmig fest: Sabine Delloch bleibt das, was sie seit fünf Jahren ist: "unsere Vorsitzende". Eine Frau - beruflich in der Altenpflege tätig - mit Herz für Mensch und Tier gleichermaßen.