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| 17:10 Uhr

Einigung in Doberlug-Kirchhain
190 000 Euro sollen in Sanierung von Kegelhalle fließen

 Die Nutzung ihrer selbstgebauten Kegelbahnen ist den Sportlern der SG Kirchhain durch den aktuellen Rechtsstreit mit der neuen Eigentümerin des Gebäudes nur bedingt möglich.
Die Nutzung ihrer selbstgebauten Kegelbahnen ist den Sportlern der SG Kirchhain durch den aktuellen Rechtsstreit mit der neuen Eigentümerin des Gebäudes nur bedingt möglich. FOTO: SG Kirchhain
Doberlug-Kirchhain . Weil zwei Vereine in Doberlug-Kirchhain in größter Not sind, hat die Stadt trotz klammer Haushaltskasse die Sanierung der Kegelbahnen im Sportzentrum beschlossen. Bis es losgeht, könnte es aber noch eine Weile dauern. Von Josephine Japke

Es ist fünf vor sechs, als auf einmal fast 30 Männer und Frauen in blauen Pullovern, T-Shirts und Trainingsjacken den altehrwürdigen Rathaus-Saal in Doberlug betreten und Platz nehmen. Allen, auch Bürgermeister Bodo Broszinski, der die Zeremonie mit großen Augen verfolgt, ist sofort klar, worum es geht: Die Kegler der SG Kirchhain wollen live dabei sein, wenn über die Sanierung der Kegelhalle im Sportzentrum und damit auch über ihre Zukunft verhandelt wird.

Beim Hauptausschuss der Stadt am Dienstag war das eines der hitzig diskutierten Themen des Abends. Zehn Tagesordnungspunkte mussten die Kegler durchhalten, ehe es für sie wichtig wurde. „Die Situation der SG Kirchhain hat sich sehr verschlechtert und auch die Probleme vom TSV Doberlug sind groß“, fasst Broszinski gleich zu Beginn zusammen.

Über 1000 Euro monatliche Nutzungsgebühr

Zur Erinnerung: Die Kegler der SG Kirchhain können ihre selbstgebauten Bahnen faktisch kaum noch nutzen, weil die neue Eigentümerin des Geländes, auf dem die Bahnen sind, eine Nutzungsgebühr von 1500 Euro monatlich veranschlagt hat. Für den kleinen Verein mit etwa 50 Mitgliedern ist das nicht zu stemmen. Konnte die fristlose Kündigung des Vereins vorerst auch mithilfe des Bürgermeisters gestoppt werden, gibt es mittlerweile eine Räumungsklage gegen die SG Kirchhain, wie Vorstandsvorsitzender Martin Appelt gegenüber der RUNDSCHAU bestätigt.

Weil auch der TSV Doberlug arge Probleme hat, da dessen Bahnen dringend modernisiert werden müssen, haben sich die Vereine aus den beiden Stadtteilen in einem „beinahe historischen Schritt“, wie  es im Hauptausschuss anerkennend heißt, nun zusammengetan. Auf einer gemeinsamen Anlage wollen beide ihren Sport ausüben – die einen Bohlekegeln, die anderen Asphaltkegeln. Zusammen, so verkündet Bodo Broszinski, wollen die Vereine auch Unterstützungsleistung bei der Sanierung erbringen.

Innensanierung angekündigt

„Die Kegler genießen aus langer Tradition heraus ungeheuren Respekt in der Stadt und heute wollen wir den Beschluss fassen, damit die Maßnahmen Fahrt aufnehmen“, sagt Broszinski. Gesagt, getan und der Beschluss steht: Die Kegelhalle im Sportzentrum bekommt eine Innensanierung. Kostenpunkt: etwa 190 000 Euro. Kleines „Aber“: Es geht erst los, wenn Fördermittel da sind – und das kann dauern.

Doberlug-Kirchhain bemühe sich zwar, an Fördergelder und -töpfe zu gelangen, doch ob das klappt, sei noch ungewiss. Steht die Förderung, müssten von der Stadt immer noch etwa 47 000 Euro Eigenanteil aufgebracht werden. Kämmerin Katja Müller warnt: „Ohne Finanzierungshilfe können wir uns das nicht leisten.“

Auch deshalb wird ein Antrag von SPD-Mann Torsten Drescher abgelehnt, mit dem es möglich gewesen wäre, unabhängig von den Fördermitteln sofort mit der Sanierung zu beginnen. „Nur weil so viele Kegler im Raum sitzen, dürfen wir nicht vorschnelle Entscheidungen treffen, die unüberlegt und teuer sind“, heißt es aus den Reihen seiner Kritiker. Broszinski stellt klar: „Es ist auch nie gesagt worden, dass die Stadt das allein finanzieren wird, sondern immer, dass wir alles Mögliche dafür tun werden, um den Keglern zu helfen.“

Die sind am Tag drauf zufrieden mit dem Ergebnis. „Die Stadt ist sehr engagiert und es war klar, dass sie das Geld nicht aus dem eigenen Haushalt stemmen können“, erklärt Martin Appelt von der SG Kirchhain und betont, wie dankbar er der Stadt für das offene Ohr und die tatkräftige Unterstützung ist. Der Vorsitzende konnte aus beruflichen Gründen selbst nicht vor Ort sein. Dass seine Teamkollegen so zahlreich erschienen sind, war aber nicht zufällig: „Wir wollten zeigen, dass das für uns kein leeres Gerede ist, sondern ein wichtiges Anliegen und wir das wirklich wollen.“

Mit dem „Kompromiss“, dass erst mit der Innensanierung begonnen werden kann, sobald Fördermittel da sind, müssen sich die Kegler nun abfinden. Auch wenn das bedeutet, dass sie womöglich noch Jahre auf den Umzug in die neue Spielstätte warten müssen. „Natürlich eilt es, aber mit Krawall und der Pistole auf der Brust wird die Sanierung auch nicht schneller gehen“, sagt der Kegler.