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| 14:18 Uhr

Heimatkunde
Kasper aus Elbe-Elster will für Furore sorgen

Die Referenten haben für einen interessanten und abwechslungsreichen  diesjährigen Kreisheimatkundetag gesorgt.
Die Referenten haben für einen interessanten und abwechslungsreichen diesjährigen Kreisheimatkundetag gesorgt. FOTO: Jürgen Weser
Finsterwalde. Das 23. Treffen der Heimatkundler aus dem Landkreis hat die Breite und die Stärke heimatkundlicher Arbeit bewiesen. Von Jürgen Weser

Der Kreisheimatkundetag ist die traditionsreichste Veranstaltung im Landkreis Elbe-Elster. So lockte die 23. Auflage am Sonnabend mehr als sechzig Heimatkundefreunde vieler Vereine aus dem gesamten Landkreis und auch Wissenschaftler in das Evangelische Gemeindezentrum Arche in Finsterwalde.

Die Vorträge schlugen den Bogen von Themen des Reformationsjahres über heimatkundlich-historische Besonderheiten bis zu Vorhaben für das Europäische Kulturerbejahr 2018. Babette Weber als Leiterin des Elbe-Elster-Museumsverbundes zog erfolgreich Resümee zur ersten Dauerausstellung im Museum Schloss Doberlug und bekam von Heimatfreund Jürgen Schlinger aus Finsterwalde großes „Lob an das Museum für die Konzeption, inhaltliche Präsentation und besucherfreundliche Gestaltung“ zu hören. Mit Lob insgesamt für die heimatkundliche Arbeit in vielen Vereinen und den Museen des Landkreises sparte Landrat Christian Heinrich-Jaschinski nicht. „Vielfalt, Tradition und Heimatliebe treffen auf neue Ideen, die umgesetzt werden: Dank an alle Mitstreiter.“

Die Darstellung der Geschichte der Kirchenmusik im Elbe-Elster-Kreis durch Jens Mühlnickel aus Hirschfeld belegte das Potenzial für heimatkundliche Forschung ebenso wie der Vortrag von Dr. Sascha Bütow von der Uni Potsdam zu klösterlich-städtischen Beziehungen in vorreformatorischer Zeit, mit dem er Heimatkundlern Anregungen für weitere Forschungen in ihren Heimatorten gab.

Engagierte wissenschaftliche Arbeit als Berufung stellte Rudolf Bönisch aus Lübbenau unter Beweis und erstaunte die Zuhörer mit Ergebnissen seiner akribischen Untersuchung der Abendmahlgemälde in allen Kirchen des EE-Kreises. Von Luther inspiriert, „…der solle lassen das Abendmahl Christi malen …“, hat Bönisch alle 44 Abendmahlbilder dokumentiert, ihre historische Herkunft erforscht und Gemeinsamkeiten wie Besonderheiten der künstlerischen Darstellung herausgefunden. Mit großem Interesse folgten die Zuhörer dem nicht nur kirchenhistorisch interessanten Streifzug von Mühlberg über Kolochau und Nehesdorf bis nach Goßmar und Sallgast. „Diese tolle Arbeit gehört weiter verbreitet“, ist sich Kulturamtsleiter Andreas Pöschl mit den Teilnehmern des Kreisheimatkundetages einig.

Bereits die kommenden Jahre im Blick hat Ralf Uschner. Er sieht gemeinsam mit dem Kreiskulturamt den Kasper im Puppenspiel auf dem Weg zum europäischen Kultur­erbe. Der Antrag ist gestellt! „Dazu hat uns das Brandenburger Kulturministerium ermuntert“, berichtete Andreas Pöschl.

„Der Kasper aus unserer Region wird dabei Furore machen“, ist er sich mit Uschner und der Konzeption für die neue Dauerausstellung im Bad Liebenwerdaer Mitteldeutschen Marionettentheatermuseum sicher. Engagiert erläuterte Uschner die Geschichte des Kaspers im Puppenspiel und seine historischen Vorläufer mit Wurzeln seit dem 30-jährigen Krieg über Traditionen wie Fasching und Kirmes bis zur Etablierung der ersten Bühnen mit Figuren wie Pulcinella und dem Auftauchen der Puppenspieler in der Region Kraupa im 18. Jahrhundert.

Helfen werde auf dem Weg zum immateriellen Kulturerbe die dem Museum übergebene Sammlung Brockmüller, deren 4310 Objekte mit Sammlungsbeständen aus Asien, Afrika und Europa, davon allein 1800 Puppenobjekte, Johanna Krengel vorstellte. Die Sammlung macht auch den Umbau der Dauerausstellungen notwendig. Helfen beim Kulturerbestatus werde ebenso die in den letzten 20 Jahren wieder etablierte Tradition des Puppentheaters im Elbe-Elster-Kreis mit Festivals und weiteren Aufführungsmöglichkeiten für Puppen-, Marionetten- und Schattentheater wie auch die vier Puppentheaterbühnen im Kreis und zwei Kinderbühnen an der Grundschule Rückersdorf und dem Sängerstadt-Gymnasium.

Ralf Uschner will dem Kasper zum europäischen Kulturerbesiegel verhelfen.
Ralf Uschner will dem Kasper zum europäischen Kulturerbesiegel verhelfen. FOTO: Jürgen Weser