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Abfischen Hammerteich Lindena
Regionales wird wieder geschätzt

Dicke Brocken beim Abfischen. Das jährliche Ritual hat auch am Sonnabend wieder viele Schaulustige angezogen.
Dicke Brocken beim Abfischen. Das jährliche Ritual hat auch am Sonnabend wieder viele Schaulustige angezogen. FOTO: Torsten Pötzsch / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Lindena. Beim Abfischen an der Hammermühle wird auch an den Nachwuchs gedacht. Von Torsten Pötzsch

Wenn die Fischerfamilie Keil den größten Teich, den Hammerteich, zwischen Lindena und Doberlug-Kirchhain, abfischt dann schauen den Mitarbeitern viele Neugierige auf die Hände. So auch am Sonnabend. Seit 400 Jahren wird der Hammerteich bewirtschaftet, bringt Karpfen, Schleie, Hechte, Zander und Welse auf die Tische der Lausitzer. Es kam ein wenig Technik hinzu, welche die harte Arbeit der Fischer etwas leichter machte, doch im Großen und Ganzen ist es das gleiche Ritual wie seit eh und je  – Männer stehen teilweise bis zur Brust im Wasser und  ziehen das schwere Schleppnetz durch die Fischgrube in Richtung Ufer, wo die Fische nach Größe und Art in verschiedene Behälter sortiert werden.

Es ist kalt, es ist nass, es ist schlammig und dreckig und trotzdem geht von diesem Abfischen eine Faszination aus. Es ist wohl dieser archaische Kontakt zur Natur, das Fangen des Fisches, wie es der Mensch schon seit Jahrtausenden tut. Väter standen mit ihren Kindern da, erklärten alles ganz genau und die Kinder staunten einfach nur. Im vergangenen Jahr stellten Keils erstmals für die Kleinsten eine eigene „Sortierstrecke“ auf, und die war ständig dicht umlagert. Schnell verloren auch diesmal die Kinder die Scheu vor dem Fisch und griffen beherzt zu. „Das ist deutlich spannender als Biounterricht“, erklärte der elfjährige Tobias Nichter. Mit seinem Kumpel Neels Kunze hatte er sich frühzeitig auf den Weg gemacht, um nur nichts zu verpassen. „Das ist einfach ein großes Abenteuer hier, auf das wir uns das ganze Jahr freuen“, so Neels Kunze. „Und außerdem macht Fische anfassen Spaß.“ Viel reden wollte er nicht, schließlich hatte er alle Hände voll zu tun, denn er musste ständig die Minisortieranlage mit Frischfisch versorgen. All das passierte unter den wachsamen Augen von Eric Hänisch. Der Zwölfjährige Doberlug-Kirchhainer ist seit zwei Jahren beim Abfischen dabei. Er erklärte den Kleinsten ganz genau, woran man welchen Fisch erkennt und in welchen Behälter er muss. Seine Zukunft sieht er schon ganz deutlich vor sich. „Ich will Fischer werden!“ Und dafür ist er so oft wie möglich am Wasser und in der Hammermühle, verbringt dort sogar seine Ferien und „schnappt“ nach allem, was er erfahren kann. „Viel über Fisch habe ich mir ja selbst beigebracht, doch auch von den alten Fischern kann ich noch so viel lernen.“ Sprachs, griff wieder zum Kescher und stieg in das 13 Grad kalte Wasser, um neue Fische an Land zu holen. Besonders fasziniert ist er von den großen Laichkarpfen, die fünf oder sechs Jahre alt sind und schon mal einen guten Meter messen können. Der Focus der Fischer lag aber auf den K3-Karpfen, den dreijährigen  Karpfen, die jetzt schon für das Weihnachts- und Silvesteressen gefangen wurden. Und die gingen reichlich in Netz, immerhin war Fischer Uwe Keil zur Halbzeit „nicht unzufrieden.“

Noch bis Ende November wird abgefischt, dann wird er genau sehen können, wie sich der Fisch über das Jahr entwickelt hat und was der Kormoran übrig gelassen hat.  Dass seine Arbeit auf ein wachsendes Interesse, besonders bei Kindern und Jugendlichen stößt, das freut den Fischer natürlich besonders. „Ich habe den Eindruck, die Menschen besinnen sich wieder mehr auf Regionales. Wollen sehen, wo das herkommt, was bei ihnen auf dem Tisch landet. Und da sind die Leute bei uns genau richtig, wir haben hier quasi eine gläserne Produktion. Und was den Fakt geschlossener Kreisläufe angeht, von dem zunehmend geredet wird, das ist bei uns schon seit Jahren Standard. Wir produzieren unseren eigenen Nachwuchs und wenn zugefüttert wird, dann Getreide aus den Agrargenossenschaften Oppelhain und Goßmar/Lindena. Bei uns gibt es keine Chemie, keine Medikamente, nichts. Unser Fisch ist ein reines Naturprodukt und die Menschen wissen es wieder zunehmend zu schätzen und das ist auch gut so.“

An der Fischsortierstrecke für Kinder an der Hammermühle.
An der Fischsortierstrecke für Kinder an der Hammermühle. FOTO: Torsten Pötzsch / Medienhaus Lausitzer Rundschau