Von Jürgen Weser

Der Liederabend gehört zum Programm des jährlichen Finsterwalder Kammermusikfestivals. Für die künstlerischen Leiter Johanna Zmeck und Nassib Ahmadieh ist das eine Selbstverständlichkeit. Obwohl das gesungene Lied nicht so gut angenommen wurde wie die instrumentalen Kammermusikangebote, haben sie sich nicht entmutigen lassen. Diesmal war der Liederabend so gut besucht wie noch nie zuvor. Mehr als achtzig Zuhörer erlebten im Logenhaus den belgischen Tenor Thomas Blondelle bei seiner gesungenen Reise durch Europa mit Abstecher nach Amerika. Begleitet wurde er von Daniela Musca am Klavier. Lieder zwischen Winter und Frühling und eine große Portion frühlingshafter Gefühle hatte der mehrfach preisgekrönte Sänger in die Sängerstadt mitgebracht. „Es ist mir eine Ehre in der Sängerstadt zu singen“, schmeichelte er am Freitagabend dem Publikum, unter dem gar nicht so viele der zahlreichen aktiven Sänger aus Finsterwalde zu finden waren. „Diese Stimme, die Wandlungsfähigkeit und die adäquate Mimik sind wundervoll“, schwärmte ein Zuhörer in der Pause. Thomas Blondelle bot keine bloße Aneinanderreihung von Opernarien, er entführte das Publikum in den Zauber des Liedes, das Geschichten mit großer Musikalität und stimmlicher Brillanz erzählt. Seine Reise startete beim Festival-Komponisten des Jahres. So plätscherte gleich zu Beginn dramatisch Schuberts „Launische Forelle“ durch den Saal mit den mitgedachten politischen Allegorien, gefolgt von „Rastlose Liebe“ mit virtuoser Klavierpartie für Daniela Musca, bevor sich der Winter mit gefrorenen Tränen noch nicht ganz abschütteln ließ. Schmunzeln im Publikum gab es beim „Vergeblichen Ständchen“ von Brahms wie bei Blondelle-Vertonungen zum Beispiel von Ringelnatz-Texten. Zwei Knaben schmachten sich an, aber dann ist doch ein Mädchen dabei.

Durch seine charmante Art gewann der belgische Tenor schnell die Sympathien der Zuhörer. Das blieb auch nach der Pause so, als er mit Liedern von Poulenc, Donizetti, Simson und Dougerty durch Italien und Frankreich zu den Briten wanderte, „so lange sie noch zu Europa gehören“. Englischen Verwirrungen scheinen nicht nur im Brexit zu liegen. Lustvoll sang Blondelle mit Augenzwinkern vom Irrtum der Dame, die sich in ein Schwein verliebt.

Am Freitagabend holte Blondelle mit seinem Gesang auch Amerika nach Europa. Kunstvoller Gesang des Tenors Blondelle traf auf vergnügliches Liedgut. Der Liederabend war bester Beleg für eine gelungene Symbiose zwischen Kunst und Unterhaltung.  Stürmischer Applaus, Füßetrampeln und das Finsterwalder Festbier als Gastgeschenk motivierten zu etlichen Zugaben. Wer schnell genug von den Kammermusikfreunden war und eine Karte ergattert hat, darf sich auf das Konzert am 29. März mit dem Duo Michael Barenboim und Natalia Pegarkova freuen. Das Konzert ist restlos ausverkauft.