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| 11:08 Uhr

Winterfrost
Kälteschock zum Frühlingsanfang

Karin Tietze schläft in Stechau in diesen eisigen Nächten sicherheitshalber gleich in ihrer Gärtnerei. Ein Heizungsausfall wäre für sie eine wirtschaftliche Katastrophe.
Karin Tietze schläft in Stechau in diesen eisigen Nächten sicherheitshalber gleich in ihrer Gärtnerei. Ein Heizungsausfall wäre für sie eine wirtschaftliche Katastrophe. FOTO: Mona Claus
Der 1. März gilt aus meteorologischer Sicht als Frühlingsanfang. 2018 bäumt sich allerdings der Winter mit Dauerfrost, eisigem Ostwind und nächtlichen zweistelligen Minusgraden noch mal so richtig auf. Von Frank Claus, Birgit Rudow, Heike Lehmann und Daniel Friedrich

Große Freude löst der Dauerfrost in Lugau, Ortsteil von Doberlug-Kirchhain, aus. Endlich wieder mal  Eisparty! Die letzte war 2012. Lothar Müller vom Heimatverein sagt: „Sonntag, am 4. März, um 14 Uhr geht es los – natürlich am Teich. Es wird Eishockey gespielt. Die Leute sind schon ganz heiß drauf. Wer gegen wen, das entscheidet sich noch. Interessierte sind herzlich willkommen.“ Auch an die Kinder wird gedacht. Es gibt Glühwein und ein Lagerfeuer knistert. Die Eisparty wird gemeinsam von der Feuerwehr und dem Heimatverein „Lugau lebt“ organisiert.

Mit roten Wangen und viel Spaß: Nur dick eingemummelt geht es für die Pfiffikus-Kita-Kinder in Zeischa ins Freie.
Mit roten Wangen und viel Spaß: Nur dick eingemummelt geht es für die Pfiffikus-Kita-Kinder in Zeischa ins Freie. FOTO: Frank Claus / LR

Zu den ganz Harten beim Finsterwalder Markttag am Mittwoch, der wegen der eisigen Temperaturen nur ein kleiner ist, gehören Marlies Lilge und Manuela Hockauf. Sie stehen mit rot gefrorenen Nasenspitzen hinter der Theke im Wagen der Fleischerei Lehmann aus Ruhland. Den heftigen Minusgraden trotzen sie mit reichlich Kleidung. „Wir sind nicht so dick, wir sind nur dick angezogen“, sagt Marlies Hockauf und zählt auf, was sie trägt: T-Shirt, Pullover, Weste, zwei Strickjacken, eine Verkaufsbluse und die Kittelschürze.

Marlies Lilge und Manuela Hockauf gehören am Mittwoch zu den ganz harten auf dem Finsterwalder Wochenmarkt. Den heftigen Minusgraden trotzen die beiden Verkäuferinnen im mobilen Wagen der Fleischerei Lehmann aus Ruhland mit reichlich Kleidung. „Wir sind nicht so dick, wir sind nur dick angezogen“, sagt Marlies Hockauf und zählt auf, was sie trägt: T-Shirt, Pullover, Weste, zwei Strickjacken, eine Verkaufsbluse und die Kittelschürze.
Marlies Lilge und Manuela Hockauf gehören am Mittwoch zu den ganz harten auf dem Finsterwalder Wochenmarkt. Den heftigen Minusgraden trotzen die beiden Verkäuferinnen im mobilen Wagen der Fleischerei Lehmann aus Ruhland mit reichlich Kleidung. „Wir sind nicht so dick, wir sind nur dick angezogen“, sagt Marlies Hockauf und zählt auf, was sie trägt: T-Shirt, Pullover, Weste, zwei Strickjacken, eine Verkaufsbluse und die Kittelschürze. FOTO: Heike Lehmann

Die Rinder der Agrargenossenschaft Sonnewalde stört das frostige Wetter indes wenig. „In den Ställen sind es um die minus fünf Grad, das macht unseren Tieren nichts aus. Sie gehen allerdings nur ungern ins Freie, weil der Wind sehr kalt weht“, sagt Mitarbeiter Henry Schoppe. Gerade bei Nacht werden die Tore und Fenster der Stallanlagen geschlossen, damit das Trinkwasser und der Mist nicht einfrieren. Hin und wieder gebe es auch Probleme mit Traktoren, die nicht anspringen. Auf den Feldern ist nach Angaben von Henry Schoppe noch nichts los. „Wir müssen jetzt aber abwarten, ob der Frost die Saat von Winterraps und -getreide geschädigt hat.“ Diese wurde im Herbst ausgesät und müsse mit hohen Temperaturunterschieden, zwischen aktuell minus 15 Grad und im Juni potenziell um die 30 Grad, auskommen.

Minus 13 Grad zeigt das Thermometer kurz nach 5 Uhr in Bad Liebenwerda am Dienstag an. Da ist RUNDSCHAU-Zusteller Steffen Knoblich schon mehr als drei Stunden unterwegs. Um Mitternacht beginnt er mit dem Sortieren der Zeitungen inklusive Beilagen. Gegen 1.30 Uhr schwingt er sich aufs Rad. In diesen Tagen dick angemummelt. Unterhose, Hose, T-Shirt, zwei Pullover und zwei Jacken, dazu Handschuhe, dicke Socken, Mütze und Schuhe. Als die RUNDSCHAU ihn in der Bormannstraße trifft, lacht er. „Heute ist es ja schon fast wieder warm im Vergleich zu gestern. Da waren es bis minus 17 Grad.“ Mit der kalten, trockenen Luft kommt er besser klar, als mit Schneematsch, Eisglätte oder Dauerregen. Er sorgt in großen Teilen des Stadtgebietes dafür, dass die Leser bis 7 Uhr ihre Zeitungen im Kasten haben. Und das seit vielen Jahren zuverlässig.

Zusteller Steffen Knoblich: „Heute ist es ja fast warm.“
Zusteller Steffen Knoblich: „Heute ist es ja fast warm.“ FOTO: Frank Claus / LR

Gerade recht kommt den Mitarbeitern des Herzberger Bauhofes der strenge Frost. Bei solchen Temperaturen sind die Grochwitzer Teiche schnell zugefroren, und das ist eine gute Gelegenheit, den Teich etwas vom Schilf zu befreien, weil jetzt hier noch kein Vogel brütet. Natürlich wächst das Schilf nach, doch bis zum Tierparkfest Ende April wird es noch nicht so hoch stehen, meint Bauhof-Chef Thomas Kettner. Und auch für das geplante Eisfest am Wochenende ist es gut, wenn nicht so viel Schilf auf dem Teich ist. Mehr Probleme bereitet die Kälte hingegen für das Aufräumen der Sturmschäden. Hier kommt der Bauhof derzeit nicht voran, weil das Holz beim Sägen splittert. „Das ist zu gefährlich. Das müssen wir in den März verschieben“, so Kettner.

Dick eingepackt haben Mitarbeiter des Herzberger Bauhofes das Frostwetter der vergangenen Tage  genutzt, um das Schilf auf den Grochwitzer Teichen zu schneiden.
Dick eingepackt haben Mitarbeiter des Herzberger Bauhofes das Frostwetter der vergangenen Tage  genutzt, um das Schilf auf den Grochwitzer Teichen zu schneiden. FOTO: Rudow / LR

Heftig zu schaffen macht den Gewächshaus-Gärtnern die Kältewelle. Karin Tietze aus der Stechauer Gärtnerei hat sich jetzt sogar ihr Nachtlager im Gewächshauskomplex gebaut. „Wenn in der Nacht die Heizung ausfällt, habe ich noch etwa vier Stunden Zeit, um eine Lösung zu finden. Dauert es länger, wars das für die zarten Gurken- und Tomatenpflanzen.“ Die benötigen eigentlich um die 18 Grad, momentan fällt das Thermometer in der Nacht auf etwa fünf bis sieben Grad. Ich hoffe, die Pflanzen nehmen mir das nicht übel“, sagt sie. Seit der vergangenen Woche hat sie 4000 Liter Öl verbraucht. Das zehrt. „Vor 22 Jahren hatten wir das letzte Mal so eine Situation. Da war eine meiner Töchter noch klein. Nach dem Stillen bin ich damals immer rausgefahren ins Gewächshaus.“

Südfrüchte und Frühlingsblumen können Minhtri Bui (l.) und Yen Hoang  derzeit nicht vor dem Geschäft präsentieren. Minhtri Bui betreibt seit mehr als zehn Jahren Gemüse- und Obsthandel in Finsterwalde.
Südfrüchte und Frühlingsblumen können Minhtri Bui (l.) und Yen Hoang derzeit nicht vor dem Geschäft präsentieren. Minhtri Bui betreibt seit mehr als zehn Jahren Gemüse- und Obsthandel in Finsterwalde. FOTO: Heike Lehmann

Rüdiger Winde geht es in der Schönborner Gärtnerei nicht anders: „2000 Liter Öl habe ich seit Wochenbeginn verballert“, sagt er. Und ruhig schlafen kann er auch nicht mehr. Um 22, 2 und 5 Uhr steht er auf, um nachzuschauen, ob die Heizung läuft. Mit dicker Noppenfolie hat er die Häuser zusätzlich eingepackt. Über die Stiefmütterchen im Kaltgewächshaus kommt Flies. Nicht nur wegen der Kälte. Auch zu viel Sonne ist nicht gut, wenn der Boden noch sehr kalt ist. Problem: In dieser Woche kommen vertraglich gebunden die Jungpflanzen für die Beet- und Balkonsaison. Pelargonien, Petunien, Geranien, Mittagsgold werden aus den großen, meist über 20 Grad warmen Aufzuchtanlagen angeliefert und müssen jetzt abgehärtet werden, um nicht gleich einen Kälteschock zu bekommen. Verschieben lässt sich der Liefertermin nicht. „In den Großanlagen ist alles genau eingetaktet. Die Ware muss raus, weil dann schon die nächsten Pflanzen aufgezogen werden.“ Einen Tipp hat er noch für Kleingärtner: Wo Hyazinthen, Osterglocken und Tulpen schon zu weit raus sind, am besten noch mal Tannenzweige auf der Erde ausbreiten. „Das schützt die Wurzeln und verhindert zu schnelles Austrocknen.“ Ansonsten ist Rüdiger Winde zuversichtlich: „Es soll ja wieder wärmer werden. Muss ja auch. Wir laden am zweiten Märzwochenende zur großen Primelschau ein.“

In der Kita „Pfiffikus“ in Zeischa wird jetzt genau abgewogen, wann mit den Kindern ins Freie gegangen wird. „Am Montag haben wir darauf verzichtet“, berichten die Erzieherinnen. „Es war zu kalt, einige Kinder waren auch etwas erkältet.“ Am Dienstag haben die Steppkes bei Sonnenschein eine gute halbe Stunde im Freien verbracht. Logisch: Dicke Jacke, Schuhe, Handschuhe, Schal und Mütze sind Pflicht! Die roten Wangen der süßen Wonneproppen nach dem Toben sind das aufwendige Anhosen alle Male wert.

„Kälte kann uns nichts anhaben, wir haben warme Sachen“, sagt Matthias Radigk, der Töchterchen Kathalena (21 Monate) von der Kita Sängerstadt abholt.
„Kälte kann uns nichts anhaben, wir haben warme Sachen“, sagt Matthias Radigk, der Töchterchen Kathalena (21 Monate) von der Kita Sängerstadt abholt. FOTO: Heike Lehfmann / Heike Lehmann
Kaum ist das Eis auf dem Grochwitzer Teich dick genug, nehmen die Kufenflitzer und Puckjäger das zugefrorene Gewässer  in ihren Besitz. Der strenge Frost gibt auch in diesem Winter wieder die Chance auf ein schönes Eisfest. Wenn es am Wochenende nicht gleich gar zu sehr taut, soll das Eisfest starten, war aus dem Herzberger Rathaus zu hören. In den vergangenen Jahren wurde es wieder zum Leben erweckt und lockt jedes Mal viele Besucher an.
Kaum ist das Eis auf dem Grochwitzer Teich dick genug, nehmen die Kufenflitzer und Puckjäger das zugefrorene Gewässer in ihren Besitz. Der strenge Frost gibt auch in diesem Winter wieder die Chance auf ein schönes Eisfest. Wenn es am Wochenende nicht gleich gar zu sehr taut, soll das Eisfest starten, war aus dem Herzberger Rathaus zu hören. In den vergangenen Jahren wurde es wieder zum Leben erweckt und lockt jedes Mal viele Besucher an. FOTO: Dieter Müller