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Junge Stadtgeschichte im Blick

Vereinsvorsitzender Wolfgang Eckelmann und Kurstadt-Bürgermeister Thomas Richter überreichen Hartmut Schmidt, Leiter der Robert-Reiss-Oberschule, eine DVD „Krieg und Frieden“ . Auch das Regenbogenhaus und das Grundschulzentrum erhielten je ein Exemplar.
Vereinsvorsitzender Wolfgang Eckelmann und Kurstadt-Bürgermeister Thomas Richter überreichen Hartmut Schmidt, Leiter der Robert-Reiss-Oberschule, eine DVD „Krieg und Frieden“ . Auch das Regenbogenhaus und das Grundschulzentrum erhielten je ein Exemplar. FOTO: Karsten Bär
Die DVD heißt „Krieg und Frieden“ , ist jedoch mitnichten eine Verfilmung des Literaturklassikers von Tolstoi. Vielmehr widmet sich der Streifen, den der Verein für Stadtmarketing und Wirtschaft Bad Liebenwerda (VSW) erarbeitet hat, der Geschichte Bad Liebenwerdas während der Zeit des Dritten Reiches, des Zweiten Weltkrieges und der DDR. Am Dienstagabend wurde die DVD im Haus des Gastes vor zahlreichen Gästen vorgestellt. Von Karsten Bär

Gefördert über die Aktion „Vielfalt tut gut - Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend war das Thema der DVD von vornherein eingegrenzt und ganz bewusst auf die Zeit der beiden deutschen Diktaturen gerichtet. „Zeit und Geschichte verstehen“ heiße das Motto, gab Wolfgang Eckelmann, VSW-Vorsitzender und Autor des Drehbuchs, zu verstehen. Zunächst einmal blickt man ganz weit zurück: Die Anfänge Liebenwerdas im Mittelalter werden betrachtet, die Reformationszeit ebenso wie der Dreißigjährige Krieg abgehandelt. „Alles hat seinen Anfang“ heißt es in der sehr professionell vom ehemaligen Aktuelle Kamera-Mann Klaus Feldmann besprochenen DVD. Und so dauert es eine Weile, bis der Film zum eigentlichen Thema vorstößt.
Nicht nur regionalhistorisch interessant sind die Filmaufnahmen aus der NS-Zeit und der DDR, die mit viel Mühe zusammengetragen und in die DVD eingearbeitet wurden. Als Zeitzeugen kommen Friedrich-Wilhelm Beeg und Wolfgang Eckelmann selbst zu Wort. Friedrich-Wilhelm Beeg berichtet über seine schlimmen Erlebnisse als 18-jähriger Wehrmachtssoldat, Wolfgang Eckelmann über das Schicksal seines Vaters, der im sowjetischen Speziallager Nr. 1 Mühlberg inhaftiert war. Völlig unberücksichtigt bleiben leider die Vorkommnisse zum Kriegsende nach dem Einmarsch der Roten Armee. Dass es da Berichtenswertes gibt, beweist der aktuelle Heimatkalender für den Altkreis Liebenwerda, der sich ausführlich den damaligen Vorfällen widmet.
Bekannte Gesichter dürfte der eine oder andere in den Aufnahmen aus der Zeit 1988/1989 erkennen, die sowohl staatliche organisierte Feierlichkeiten, wie auch Aktivitäten zur Wendezeit in Liebenwerda darstellen. Und nicht zuletzt ist es interessant, die Aufnahmen des damaligen Stadtbildes mit dem heutigen zu vergleichen.
Entstanden ist die DVD unter Mitwirkung zahlreicher Mitglieder des Vereines sowie der Jugendlichen aus der Freizeiteinrichtung „Regenbogen“ in Bad Liebenwerda. Sie soll der Auftakt für vier weitere DVDs sein, die sich thematisch der Anfänge Liebenwerdas, der Reformationszeit sowie der DDR-Geschichte, der Wende und der Gegenwart annehmen wollen. Für den letzteren Themenkomplex sehe er einen großen Bedarf, so Wolfgang Eckelmann. „Auch, weil laut einer Umfrage 80 Prozent aller brandenburgischen Schüler nichts über die DDR wissen“ , so der VSW-Vorsitzende.