Als ihr bei der Arbeitsagentur in Senftenberg angeraten wurde, einen der vielen freien Arbeitsplätze in den alten Bundesländern anzunehmen, statt sich selbstständig zu machen, glaubte Marie-Annegret Rabel, sich verhört zu haben. Die 27-Jährige aus Grünewalde hatte sich nach einem Gründungszuschuss erkundigt und diese Antwort bekommen. "Ich war empört. Da wird gejammert, dass die Jugend aus der Region weggeht, und dann will jemand sich hier etwas aufbauen und bekommt zur Antwort: Deine Arbeitskraft wird im Westen gebraucht", war sie enttäuscht.

Marie-Annegret Rabel ist gelernte Polster- und Dekorationsnäherin und für den Fahrzeugsattler Gerd Staack aus Doberlug-Kirchhain ein Glücksfall im Hinblick auf seine Firma. Seine Söhne Karsten und Jürgen werden diese nicht fortführen. Der eine macht seinen Doktor in Physik in Heidelberg und der andere ist freischaffender Künstler. Die Firma, die 1896 von Großvater Otto Staack gegründet, von Vater Otto fortgeführt und dann von Gerd Staack übernommen wurde, soll nicht im Nichts enden. "Ich habe das bei anderen Unternehmern gesehen, wie alles im Müll landete", sagt der Inhaber.

Also schaute sich der 61-jährige Handwerksmeister - auch auf Empfehlung der Handwerkskammer - langfristig nach einem Lehrling, der auch die Firmennachfolge antreten könnte, um.

Vor wenigen Wochen hat Marie-Annegret Rabel ihre dreijährige Ausbildung abgeschlossen. Der Plan ist, dass sie sich aus der Arbeitslosigkeit selbstständig macht und zu Hause in Grünewalde eine Werkstatt aufbaut. Um ihr auf die Beine zu helfen, wird es eine Kooperation mit Staack geben, bis er seinen Kundenstamm, Werkzeuge und Material ihr gänzlich anvertraut. Durchdacht, wie es von der Politik immer beschworen wird.

Natürlich fehlt der jungen Sattlerin das nötige Startkapital. Der 300-Euro-Zuschuss in den ersten sechs Monaten nach der Gründung könnte ihr helfen. Aber seit 2012 gibt es bei der Arbeitsagentur, so Annett Diener von der Dienststelle Senftenberg, eine andere Zielrichtung. "Der Gründungszuschuss wurde zur Ermessensleistung. Die Vermittlung auf dem ersten Arbeitsmarkt hat Vorrang", erklärt sie. Dennoch sei Marie-Annegret Rabel empfohlen worden, einen schriftlichen Antrag zu stellen.

Die junge Frau ließ nicht locker und hat inzwischen die Zusage für die Förderung. "Ab Herbst will ich richtig durchstarten", sagt sie zuversichtlich.

Seit 2007 gibt es den Gründungszuschuss für Arbeitslose, die sich selbstständig machen wollen. In fünf Jahren nahmen allein in Brandenburg 22 555 Personen die Starthilfe in Anspruch. Statistiken zufolge meldeten sich 93,2 Prozent der Bezieher - nach sechs Monaten - nicht mehr arbeitslos.