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| 16:35 Uhr

Berufsorientierung
Junge Syrer vom Handwerk begeistert

 Ob das so passt? Khuseyn Khasuev, Artur Tasaev und Ali Shaikmiri (v. li.) besprechen die Holzausschnitte der Deko-Osterhasen.
Ob das so passt? Khuseyn Khasuev, Artur Tasaev und Ali Shaikmiri (v. li.) besprechen die Holzausschnitte der Deko-Osterhasen. FOTO: LR / Jenny Theiler
Lauchhammer. Großen Spaß hatten sechs junge Syrer bei einem Handwerkspraktikum in Lauchhammer. Das Oberstufenzentrum und die Niederlausitzer Kreishandwerkerschaft haben die berufsorientierende Maßnahme organisiert, um die Jugendlichen an das Handwerk heranzuführen. Von Jenny Theiler

Das laute Summen der Stichsäge dringt aus dem Werkunterrichtsraum bis auf den Flur des Oberstufenzentrums Lauchhammer. Der Boden der Schülerwerkstatt ist rutschig von der Sägespähne, auf den Tischen liegt jede Menge Werkzeug verstreut und der ganze Raum ist von einem starken Holzduft erfüllt. Bei den jungen Handwerkern handelt es sich um sechs syrische Jugendliche, die sich in einem zweitägigen Praktikum handwerklich ausprobieren können. Initiiert wurde die berufsorientierende Maßnahme von der Niederlausitzer Kreishandwerkerschaft und dem Oberstufenzentrum Lauchhammer.

Handwerkerbedarf ist da

„Wir haben im Dezember 2018 schon mal so ein Praktikum mit einer Flüchtlingsklasse gemacht. Das kam bei allen Beteiligten sehr gut an“, sagt Kristin Mücke von der Kreishandwerkerschaft. Unter dem Motto passgenau Besetzung soll jungen Menschen der Einstieg ins Berufsleben erleichtert werden, indem eigene Fähigkeiten ausgetestet und verbessert werden können. Außerdem versuche man so dem Fachkräftemangel im Lausitzer Handwerk entgegenzuwirken. „Der Bedarf an Handwerkern ist in nahezu jedem Bereich da. Mit der Aktion wollen wir die Jugend auch für eine Ausbildung im Handwerk motivieren“, sagt Kristin Mücke.

Osterdekoration aus Holz

Die Jugendlichen arbeiten an einer Osterdekoration aus Holz und zwei Blumenkästen, die dem Seniorenhof Mückenberger Ländchen und der Kindertagesstätte in Betten übergeben werden sollen. Während sich die drei Jungs mit dem Aussägen der drei Einmeter hohen Osterhasen beschäftigen, diskutieren die drei Mädchen bereits über den farblichen Anstrich der Blumenkästen. „Wir möchten die Kästen gelb streichen“, legt Parvaneh Marvi fest. „Ich finde schwarz besser“, scherzt Ali Shaikmiri. Die Jugendlichen sind zwischen 16 und 19 Jahre alt und sprechen bereits gut deutsch. „Am Anfang waren sie natürlich noch sehr vorsichtig mit der Kommunikation. Aber sie waren von Anfang an motiviert, offen und fleißig“, lobt Kristin Mücke.

Handwerk bietet sichere Arbeitsplätze

Das kann auch Andreas Csakanyi bestätigen. Der Zimmerer aus Finsterwalde unterstützt die Schüler im Praktikum, gibt Hilfestellungen und assistiert. „Sie stellen sich wirklich gut an und einige kann ich mir in einer Handwerksausbildung wirklich gut vorstellen“, sagt Andreas Csakanyi. Der Zimmerer beklagt, dass viele Jugendliche einen Handwerksberuf nur noch als allerletzten Ausweg ergreifen. „Die meisten wissen sowieso nicht was sie wollen und schreiben sich dann lieber an der Uni ein, obwohl das Handwerk richtig gute Chancen auf einen sicheren Arbeitsplatz bietet“, sagt er. Den Einwand, man würde mit diesem Praktikum deutsche Jugendliche benachteiligen, kann Andreas Csakanyi nicht verstehen. „Die deutschen Jugendlichen müssen in der Schule auch Praktika absolvieren und können dafür auch ins Handwerk gehen, wenn sie denn wollen. Warum sollte man den syrische Jugendlichen nicht auch diese Möglichkeit geben, wenn sie Interesse zeigen“, sagt er.

Mit den Händen arbeiten macht Freude

Das Interesse besteht sowohl bei den Jungen als auch bei den Mädchen. Es wird gesägt, gefeilt und geschraubt. Jeder hat eine Aufgabe und führt sie gewissenhaft aus. Für die Jugendlichen scheint der Umgang mit Werkzeug und Elektrosäge nicht fremd zu sein. Als hätte er noch nie in seinem Leben etwas anderes gemacht, sägt Artur Tasaev kleinere Holzosterhase zurecht. „Nach der Schule möchte ich entweder Automechaniker werden, oder etwas mit Holztechnik machen“, sagt er. „Wir haben schon in Syrien alle mit Holz in der Schule gearbeitet. Aber die Arbeit hier im Praktikum macht mehr Spaß“, sagt Parvaneh Marvi. Die Schülerin möchte später Krankenschwester werden, hat aber, so wie auch ihre Mitschülerinnen großen Spaß an der handwerklichen Arbeit.

Osterdeko für Jung und Alt

Bis zum Nachmittag werkeln die Junghandwerker. Zum Schluss stellt die Niederlausitzer Kreishandwerkerschaft jedem Schüler ein Zertifikat aus, das die Suche nach einem Ausbildungsplatz erleichtern soll. „Es kennzeichnet, dass es sich nicht um ein bloßes Schülerpraktikum gehandelt, sondern der Berufsorientierung gedient hat“, sagt Kristin Mücke, während die jungen Handwerker voller Stolz ihre Zertifikate und die hölzernen Osterhasen präsentieren, die am Donnerstag dem Seniorenhof und der Kita übergeben worden sind.

 Ob das so passt? Khuseyn Khasuev, Artur Tasaev und Ali Shaikmiri (v. li.) besprechen Holzausschnitte der Deko-Osterhasen.
Ob das so passt? Khuseyn Khasuev, Artur Tasaev und Ali Shaikmiri (v. li.) besprechen Holzausschnitte der Deko-Osterhasen. FOTO: LR / Jenny Theiler