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Jugendweihe in Finsterwalde ist zu teuer

Dustin Engelmann, Franziska Schneider, Steven Feichtinger, Mareike Gütte, Florian Krautz, Sophie Kaube und Julian Balaske (v.l.) bei ihrere Jugendweihe in Doberlug-Kirchhain.
Dustin Engelmann, Franziska Schneider, Steven Feichtinger, Mareike Gütte, Florian Krautz, Sophie Kaube und Julian Balaske (v.l.) bei ihrere Jugendweihe in Doberlug-Kirchhain. FOTO: Heike Lehmann
Finsterwalde. Die Jugendweihe in Finsterwalde ist vielen Familien zu teuer. Deswegen haben sich etliche für die Feierstunde in der Nachbarstadt Doberlug-Kirchhain angemeldet, wo sie deutlich weniger bezahlen. Für Finsterwalde heißt das: Von 136 Teilnehmern 2011 sackt die Zahl jetzt auf 85 Jungen und Mädchen runter. Heike Lehmann

Die Jugendweihe erfreut sich in der Region großer Beliebtheit. Doch gibt es in Finsterwalde nach dem guten Jahr 2011 mit 136 Teilnehmern (2010 waren es 100) einen deutlichen Abbruch. Nur noch 85 haben sich für die Feierstunde am 12. Mai im Saal der Gaststätte Alt-Nauendorf angemeldet. Der Grund: Die Kosten sind innerhalb eines Jahres von 120 auf 200 Euro pro Jugendlichen hochgeschnellt.

Nicht wenige orientieren sich nach Doberlug-Kirchhain, obwohl es in der Stadt schon längst keine weiterführende staatliche Schule mehr gibt. Mit 73 Jungen und Mädchen wird es dort am 19. Mai im Saal des Refektoriums erstmals wieder zwei Jugendweihe-Durchgänge geben. Nur 39 Jungen und Mädchen waren es im vergangenen Jahr.

Die Jugendweihe wird in beiden Städten ehrenamtlich organisiert. Dazu gehört nicht nur die Feierstunde an sich. Tradition sind Veranstaltungen im Vorfeld, die die Jugendlichen auf das Erwachsenenleben vorbereiten sollen. Auftakt in Finsterwalde ist an diesem Samstag um 15 Uhr im Saal von Alt-Nauendorf die Jugendweihemodenschau für die Teilnehmer. Modegeschäfte der Langen Straße präsentieren, was in diesem Jahr angesagt ist. Schmuck und Kosmetik runden die Angebote ab. Ende April fahren alle gemeinsam an den Körbaer See, wo eine Buchlesung, Disko und Lagerfeuer geplant sind. Dieses Wochenende inklusive Busfahrt sowie Saalmiete, die Schriftstellerin Nora Günther als Festrednerin, Musik, Blumen und ein Buch für jeden Teilnehmer wollen finanziert sein, erklärt Kerstin Krause von der Interessengemeinschaft Jugendweihe in Finsterwalde. "Nachdem wir im vergangenen Jahr ganz knapp mit dem Geld hingekommen sind, mussten wir uns der wirtschaftlichen Lage anpassen", begründet sie. Dabei trifft ihr Organisatorenteam hart, dass ihnen unterstellt wird, sie würden sich bereichern.

Die Interessengemeinschaft Jugendweihe in Doberlug-Kirchhain mit dem Lehrer Lars Trossert an der Spitze kommt mit 85 Euro pro Teilnehmer aus. Disko, Besuch der Volkssternwarte und Kegelnachmittag liegen hinter ihnen - Kino, Kosmetik- und Frisurentipps sowie ein Besuch im Deutschen Bundestag folgen noch. Saalmiete, Blumen, Musik, Rezitation, Rednerin und Fotomappe sind im Preis inklusive.

Zum Thema:

Der Begriff Jugendweihe, heute auch als Jugendfeier bezeichnet, tauchte erstmals 1852 auf.In Opposition zu den Kirchen organisierten freireligiöse Gemeinden einen kulturgeschichtlich fundierten Moralunterricht für ihre Kinder. Die abschließende Jugendweihe war vor allem eine Feier zur Schulentlassung. Deshalb erhielt man sie im Alter von 14 Jahren. Diese freidenkerische Tradition wurde später von der Arbeiterbewegung übernommen.