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| 18:25 Uhr

Bilanz der Sparkasse Elbe-Elster
Der Sparkassen-Job wird härter

 Die Sparkasse Elbe-Elster ist gut im Geschäft, die europäische Zinspolitik macht aber auch ihr zu schaffen.
Die Sparkasse Elbe-Elster ist gut im Geschäft, die europäische Zinspolitik macht aber auch ihr zu schaffen. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Finsterwalde. Wenig Zinsen, null Zinsen, Minuszinsen – das anhaltend niedrige Zinsniveau macht auch der Sparkasse Elbe-Elster zu schaffen. Dennoch bleibt sie auch im Jahr 2018 gut im Geschäft. Von Frank Claus

Wer die Zahlen auf den Folien sieht, die Jürgen Riecke, Vorstand der Sparkasse Elbe-Elster, jährlich präsentiert, um Bilanz über das Geschäftsjahr zu ziehen, ist geneigt, schlichtweg zu äußern: Läuft doch!

Läuft auch, aber: Längst müssen die 332 Sparkassen-Mitarbeiter und 30 Azubis einen härteren Job machen, um die Ergebnisse „einzuspielen“.

Die Bilanzsumme ist im Jahr 2018 auf 1,851 Milliarden Euro gestiegen (1,798 Milliarden Euro im Jahr 2017). Dabei bleibt sich die Sparkasse ihrer Geschäftspolitik treu und bekräftigt die Aussage aus dem Vorjahr: „Wir wollen eine unaufgeregte, solide Bank sein.“ Deshalb ist die erzielte Bilanzsumme für Jürgen Riecke und Vorstandsmitglied Frank Prescher auch nicht die ausschlaggebende Zahl. Die Bank wolle jährlich um durchschnittlich zwei Prozent wachsen und „steuere“ das geschäftspolitisch auch. Die Höhe der Bilanzsumme werde vor allem von der Höhe der Kundeneinlagen, von den Kreditvergaben und den getätigten Investitionen beeinflusst. Die Stichtagsbilanzsumme ließe sich unter anderem durch kurzfristige Kreditaufnahmen immer beeinflussen, entscheidend bleibe die durchschnittliche Bilanzsumme.

 Im Jahr 2018 hat die Sparkasse Elbe-Elster auch bei der Rekonstruktion der Fenster in der Klosterkirche Mühlberg geholfen.
Im Jahr 2018 hat die Sparkasse Elbe-Elster auch bei der Rekonstruktion der Fenster in der Klosterkirche Mühlberg geholfen. FOTO: Veit Rösler

Sparkassenauftrag erfüllen. Ansonsten gelte für die Sparkasse: das Kreditgeschäft ankurbeln und Einlagen einsammeln. Die Kundeneinlagen belaufen sich inklusive Depots auf 1,817 Milliarden Euro und sind damit seit 2011 um 474 Millionen Euro, das sind 35 Prozent, gestiegen. 2016 beliefen sich die Kundeneinlagen auf 1,673 Milliarden Euro.

Tendenz nach oben gibt es auch im Kreditgeschäft. 697 Millionen Euro wurden im privaten und gewerblichen Bereich ausgereicht (2017: 660 Millionen). Das sind seit 2011 312 Millionen Euro mehr, was einer Steigerung um 81 Prozent gleichkommt. Vorwürfe der Zeitschrift „Die Welt“ im Jahr 2016, die die Sparkasse Elbe-Elster zu denen in Deutschland zählte, die „weniger als die Hälfte ihrer Gelder als Darlehen an die regionale Wirtschaft oder Privatpersonen“ weiterreicht und damit dazu beitrage, dass von der „Versorgung des regionalen Mittelstands mit Krediten (...) keine Rede mehr sein“ könne, will Frank Prescher so nicht stehenlassen.

Die Region beachten. Das Kreditgeschäft sei auch immer abhängig von der Struktur einer Region. „Es ist ein Unterschied, ob man viele und große Unternehmen, viel Handwerk und Dienstleistungen in einem Gebiet hat oder nicht“, sagt er. Und jeder kenne Elbe-Elster mit seinen Stärken und Schwächen. Es gäbe Leuchttürme und eine eher breitere Basis. Frank Prescher: „Wenn unsere Kunden Kredite wünschen, bekommen sie sie auch.“ Natürlich müsse die Kreditwürdigkeit geprüft werden. Da sei die Sparkasse in Elbe-Elster nicht restriktiver als anderswo. Frank Prescher räumt ein: „Natürlich gibt es immer Potenziale im Markt. Wir arbeiten sehr aktiv.“ Eine Aussage, die auch Jürgen Riecke für alle Geschäftsfelder verdeutlicht: „71 Prozent unserer Mitarbeiter arbeiten im direkten Kundenkontakt.“

Starke Basis. Insgesamt, so Jürgen Riecke, stehe die Sparkasse Elbe-Elster hervorragend da. „Wir haben 260 Millionen Euro Eigenkapital, da kann auch schon mal einiges passieren“, sagt er und sieht die Bank für mögliche Kreditausfälle gewappnet. Den Ertrag der Bank zu steigern, falle angesichts der europäischen Zinspolitik allerdings immer schwerer. Bei der Sparkasse werden 100 Millionen Euro, die vor Jahren noch mit 3,5 und mehr Prozent angelegt waren, fällig. Neuanlagen seien schwierig, wo man doch selbst für Staatsanleihen im Euroraum kaum noch Erlöse erzielen könne. „Etwa 4,6 Millionen Euro gehen uns so im Vergleich zu Vorjahren allein aus unseren Eigenanlagen verloren.“

Vorwürfe an Sparkassen, dass sie riskant anlegen würden, um trotzdem Geld zu verdienen, weist Frank Prescher für die Sparkasse Elbe-Elster strikt zurück. „Wir sind eher konservativ, halten nur in ganz geringem Umfang Aktien, haben keine riskanten, spekulativen Anlageformen.“ Die Sparkasse wolle sich weiterhin ihrem Slogan „In der Region, für die Region“ treu bleiben. Insgesamt 19 Millionen Euro seien allein 2018 in die Region geflossen, durch Löhne, Gewerbesteuern, Aufträge ans Handwerk und für gemeinnützige Aktivitäten. Und die Bank wolle auch das dichteste Geschäftsstellennetz in Brandenburg aufrechterhalten (22 Geschäftsstellen, zwei Selbstbedienungsterminals) und aktiv ausbilden. Mehrfach gewürdigt sei die Integration von Azubis aus dem Ausland. Mehrere davon seien inzwischen festangestellt.