ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:37 Uhr

Jetzt weiß Manja, was sie studiert

Manja Richter (l.) aus Lugau Bundesfreiwillige bei der bewegungsorientierten Vorschule für Flüchtlingskinder.
Manja Richter (l.) aus Lugau Bundesfreiwillige bei der bewegungsorientierten Vorschule für Flüchtlingskinder. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Einer jungen Frau aus Lugau half das Bundesfreiwilligen-Jahr in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Doberlug-Kirchhain bei der weiteren Lebensplanung. Heike Lehmann

Nur noch wenige Wochen, dann geht für Manja Richter aus Lugau eine sehr spannende und intensive Zeit zu Ende. Seit dem 1. September 2016 leistet sie ihren Bundesfreiwilligendienst in der Flüchtlingsbetreuung. Manja hat eine von drei Stellen bei der Stadt Doberlug-Kirchhain bekommen und durchgängig in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in der ehemaligen Lausitz-Kaserne gearbeitet. Nach ihrem Abitur am Sängerstadt-Gymnasium gibt sie dort vorwiegend Deutschunterricht für Erwachsene, ist aber auch in der Sozialbetreuung aktiv.

Manja hat miterlebt, wie in der Erstaufnahme nach den Unterkünften das soziale Angebot ausgebaut wurde. Inzwischen gibt es neben dem Männerwohnheim auch das große Familienwohnheim. Da die Flüchtlingsströme generell zurückgegangen sind, leben derzeit knapp 300 Menschen - Männer, Frauen und Kinder - unterschiedlichster Nationen an der Torgauer Straße - deutlich weniger als Unterkünfte vorgehalten werden. "Dennoch brauchen diese Menschen ja Beschäftigung", sagt Sebastian Christoph von der Teamleitung Sozialbetreuung Erwachsene beim DRK, dem Betreiber der Einrichtung. Sport sei ganz wichtig, zum Auspowern und für die Psychohygiene. Im Allzweckraum kann man kickboxen, turnen, Tischtennis spielen und Krafttraining machen. Aber auch Musik ist dort oft zu hören, denn Tanzen mögen Kinder wie Erwachsene. Für Kreative gibt es Musikgruppen, künstlerisches Basteln, Weidenflechten sowie die Holz- und Fahrradwerkstatt. Das gesamte Gelände ist mit hölzernen Wegführern ausgestattet - von den Bewohnern mitgefertigt und alle deutsch beschriftet.

Zentraler Ort im Camp ist ein Bildungs- und Freizeitzentrum, früher war es das Kulturhaus der Armee. Dort werden die schulpflichtigen Kinder unterrichtet, Jüngere in der Kita betreut. Es gibt den Jugendclub und das Treffcafé. In der Küche wird gemeinsam gekocht. Gemüse und Kräuter dafür kommen aus dem eigenen Garten, in dem auch Flüchtlinge gern mit zupacken. "Aber alles ist freiwillig", betont Sebastian Christoph. Auch der Deutschunterricht für Erwachsene, den Manja Richter mit weiteren ehrenamtlichen Helfern bestreitet. "Man muss sich dabei immer auf neue Situationen einstellen. Im September hatten wir viele Afrikaner, im Januar einen Kurs nur mit Tschetschenen. Jetzt sind viele aus Afghanistan da", erklärt Sebastian Christoph. Und auch, dass Menschen dabei sind, die nicht mal ihre eigene Sprache lesen und schreiben können und wiederum sehr gebildete Leute, wie Doktoren. Manja mag ihre Arbeit. "Das macht richtig viel Spaß, mit denen zu lernen. Es ist wichtig für die Flüchtlinge, damit sie sich integrieren können." Sie habe nur "herzliche Menschen kennengelernt und nie Probleme gehabt". Sie sei offener geworden, habe verschiedene Kulturen kennengelernt und sehe Flüchtlinge, auch anderswo, jetzt mit anderen Augen. "Was ich gar nicht mag, ist, wenn die, die gern lernen, gehen müssen", sagt Manja. Vier bis fünf Tage im Voraus ist bekannt, wer weiter oder zurück nach Eisenhüttenstadt geschickt wird. Letzteres ist kein gutes Omen für das Anerkennungsverfahren.

Für Manja Richter hat sich in dem letzten Jahr auch die eigene Zukunft geklärt. Sie sagt: "Ich hatte noch keinen richtigen Plan. Jetzt will ich in Leipzig Deutsch als Fremdsprache studieren."