| 17:56 Uhr

Finsterwalder Stadtgespräche
Iris Berben spricht über Gefühle, Sehnsüchte und Illusionen

Die bekannte Schauspielerin Iris Berben war Gast bei den Finsterwalder Stadtgesprächen.
Die bekannte Schauspielerin Iris Berben war Gast bei den Finsterwalder Stadtgesprächen. FOTO: Torsten Pötzsch
Finsterwalde. Iris Berben, Schauspielerin und Präsidentin der Deutschen Filmakademie, schwärmt von einer besonderen Liebe beim Finsterwalder Stadtgespräch. Von Torsten Pötzsch

Es war kein Jubiläum, im Gegenteil, es war das 29. Finsterwalder Stadtgespräch, im 17. Jahr, das am Samstag unter den alten Schuhleisten, im alten Warenspeicher, an der sieben Meter langen Verkaufstheke von Adolf Bauers Witwe stattfand. Und trotzdem war es ein ganz besonderes Gespräch. Deutsche Dichter, Denker, Künstler und Politiker lasen dort schon aus ihren Werken und Memoiren. Aber diesmal gelang Gastgeber und Organisator Sebastian Schiller ein ganz besonderer Coup.

Er hat es geschafft, trotz eines mehr als eng gestrickten Terminkalenders, die Schauspielerin und „Weltfrau“ Iris Berben in die Sängerstadt zu holen. Dass die 70 Sitzplätze im alten Speicher im Handumdrehen ausverkauft waren, verwundert bei diesem Gast nicht. Das Interesse war noch viel größer. Mehr als doppelt so viele Anmeldungen zählten Sebastian Schiller und seine Frau in der Gästeliste.

„Geschätzte Iris Berben, meine liebe Iris“, schrieb Freundin und Schauspielkollegin Carmen Maja Antoni, „wenn Du heute in der Dunkelheit im finsteren Finsterwalde ankommst, wirst Du denken: Wo bin ich hier? Aber dann: Ein Mann mit Anzug, Fliege und einem wunderbaren Lächeln, mit dem so klassischen Namen „Schiller“ wird dich empfangen … Dich zwischen den Schuhleisten vieler Generationen vorbei geleiten … Im Saal wird Dich ungeduldig ein enthusiastisches , liebenswertes Publikum erwarten, das sich ein Jahr in Vorfreude schwelgte, Iris Berben hier zu feiern.“ Genau so kam es. Iris Berben, die „Weltfrau“, die die Welt schon bereist hat, viel gesehen und erlebt hat, konnte noch überrascht werden. „Dieser Ort und diese Art und Weise der Lesung ist schon etwas surreal“, gestand sie  nach dem offiziellen Teil, in offener und lockerer Runde am bunten und reichhaltigen Büffet. Sie sagte: „Aber eigentlich ist es doch genau das, wonach wir alle suchen, nach großer Nähe, dass jeder mittendrin ist. Das ist für mich auch neu und es ist schön. Es fühlt sich gut an.“

Im Gepäck hatte sie ihr Buch „Jerusalem – Menschen und Geschichten einer wundersamen Stadt“, welches sie zusammen mit dem Hamburger Fotografen Tom Krausz herausgegeben hat. Vor 50 Jahren war sie das erste Mal in Israel, in Jerusalem. Seither hat sie dieses Land, mit all seinen Problemen, seiner Geschichte, seinen Widersprüchen, seiner Kultur, seinen Menschen nicht mehr losgelassen. Als sie mit sehr viel Empathie und Enthusiasmus von der „wundersamen Stadt“ Jerusalem las, war es fast, als könnte man den Pulsschlag dieser Stadt spüren. Es war eine Reise an die heiligen Stätten der drei großen Welt- und Buchreligionen, aber auch eine Reise durch die alten, engen Gassen der Altstadt, durch die unzähligen Restaurants und kleinen Geschäfte, durch Klänge und Gerüche, die diese Stadt prägen und so einmalig machen. „Für mich ist Jerusalem ein Ort der Gefühle, der Sehnsüchte und der Illusionen. Shalom, mein Jerusalem“, so endete ihre Lesung, die noch hätte ewig dauern können, denn es war ein Hochgenuss, dieser Frau bei der Arbeit zusehen und zuhören zu dürfen.

Die anschließende Möglichkeit, Fragen stellen zu dürfen, wurde dann nur zögerlich angenommen, war eher ein Dialog zwischen Sebastian Schiller und Iris Berben. Doch ganz langsam wich die Zurückhaltung und es wurde noch ein sehr offenes und sehr ehrliches Gespräch. Gern blieben sie und ihr Lebensgefährte Heiko Kiesow noch etwas länger und nicht wenige Gäste nutzten die Gelegenheit, Bücher von ihr signieren zu lassen und ein paar ganz persönliche Worte mit der Schauspielerin zu wechseln. Iris Berben zeigte sich offen, ehrlich und immer interessiert und man konnte mit ihr über alles Mögliche reden. Nur ein Tabu gab es und das hielt sie konsequent bei der Lesung, der Fragerunde und bei den kleinen Gesprächskreisen durch: Es wurde nicht über die Politik Israels geredet. Ihr ging es um die Menschen in diesem widersprüchlichen Land und wie sie es schaffen, ihren Alltag zu bewältigen. „Israel ist ein Land mit 110 Nationen, das ist nicht leicht, aber es ist möglich.“ Am Ende waren sich alle einig, Gäste, die Hauptakteurin und die Gastgeber, dass es ein ganz besonderer Abend war, an den man noch lange denken wird. Vielleicht hat ja der eine oder andere auch Lust bekommen, die „wundersame Stadt“ einmal selbst zu besuchen.