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Innovatives Haus schwimmt erst 2018

Moderne Technik macht es möglich: Im Hafenbecken des Bergheider Sees projiziert Dr. Ulrich Potthoff vom Fraunhofer Institut Dresden auf seinem Handy-Display ein digitales computergeneriertes Modell des Autartec-Hauses in die reale Umgebung. Fachleute sprechen von "augmented reality". Bald soll das für jedermann möglich sein.
Moderne Technik macht es möglich: Im Hafenbecken des Bergheider Sees projiziert Dr. Ulrich Potthoff vom Fraunhofer Institut Dresden auf seinem Handy-Display ein digitales computergeneriertes Modell des Autartec-Hauses in die reale Umgebung. Fachleute sprechen von "augmented reality". Bald soll das für jedermann möglich sein. FOTO: Gabi Böttcher
Lichterfeld. In diesem Jahr wird das innovative, sich autark versorgende Haus nicht mehr auf dem Bergheider See schwimmen. "Aber es wird schwimmen", versichert Dr. Ulrich Potthoff vom Fraunhofer Institut. Spätestens im Herbst 2018. Gabi Böttcher

Es hatte sich angekündigt. Eigentlich sollte der Rohbau des innovativen Autartec-Hauses bereits im Herbst vorigen Jahres auf dem Bergheider See schwimmen. Jetzt mussten die Akteure auch von dem auf dieses Jahr ausgedehnten Zeitrahmen Abschied nehmen. Herbst 2018 heißt nunmehr das Ziel. Eine Reihe verzögernder Momente trafen in den Monaten seit dem Startschuss im Juni 2016 zusammen.

"Es ist eben kein Standard-Einfamilienhaus. Es ist ein Forschungsprojekt", sagt Dr. Ulrich Potthoff, Sprecher des beim Fraunhofer Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI Dresden angesiedelten Forschungsvorhabens. Es wurde als innovativer Wachstumskern in der Region Südbrandenburg/Ostsachsen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zunächst mit acht Millionen Euro gefördert. Jetzt ist sogar ein Nachschlag bewilligt worden, ein europaweites Ausschreibungsverfahren läuft.

Hatte es zunächst neue Auflagen der Prüfstatiker für den zu errichtenden Steg und die damit verknüpfte Pontonanlage gegeben, so kam diese Verzögerung den Wissenschaftlern und Ingenieuren, die am innovativen Haus arbeiten, nicht ungelegen. "Wir wollen an und im Haus ja nicht nur einzelne Projekte simulieren, sondern sie praktisch evaluieren", erklärt Potthoff. Das Besondere an dem Haus sei schließlich, dass es so etwas noch nicht gebe. Die gewonnene Zeit und weitere Förderung ermögliche ein Vorantreiben der Forschung in den einzelnen Segmenten. Das Haus als attraktiven Träger der autark funktionierenden Versorgungssysteme in einer konzertierten Aktion auf das Wasser zu bringen, sei am Ende auch eine Herausforderung.

Was konkret dann im Hafen des Bergheider Sees schwimmen soll?

Ulrich Potthoff nennt Beispiele:

Die aus einem feinsandigen Spezialbaustoff bestehenden Wände, auch als Textilbeton bekannt, sind im vorigen Jahr mit dem Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnet worden. Der Einsatz dieses Materials löst eine sonst übliche Stahlbewährung ab. In der Kombination mit einer Heizung, die in den Hohlräumen - sogar in den Hohlräumen der Treppen - mit Energiespeichern verknüpft ist, wird Neues zu sehen sein. Weitere Forschungszeit für die Leistungsfähigkeit von Energiespeichern zu gewinnen, kommt den Akteuren entgegen. Hier werde die Entwicklung auch mit dem schwimmenden Haus nicht abgeschlossen sein.

Ein elektrisches Speichersystem, das Energie nicht nur über den Tag, sondern über Jahreszeiten speichern kann, ist eine weitere Herausforderung. Getüftelt wird an Wärmespeichersystemen auf der Basis von Salzhydrat und Zeolith. Nicht zuletzt soll ein biologie- und chemiefreies Abwassersystem integriert werden. Aus Regenwasser und dem sogenannten Grauwasser des Hauses soll eine Behandlung bis zum Brauchwasser demonstriert werden. Und schließlich sind am Haus Begrünungsflächen vorgesehen, die auch die Nordseite energetisch sinnvoll einbeziehen.

Allen Verzögerungen bei Entwicklung und Andocken des Autartec-Hauses am Bergheider See zum Trotz: Das Team von 15 Partnern bei der Entwicklung des "autartec® - FreiLichtHauses" sowie die Gemeinde Lichterfeld-Schacksdorf, das Amt Kleine Elster und die LMBV (Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft) setzen auf ein glückliches Finale für das Gemeinschaftsprojekt. Energieautarkes Wohnen auf dem Wasser oder in unwegsamen Gebieten wird als Wachstumsmarkt gesehen.