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| 17:50 Uhr

Alte Diskussionen neu aufgebrochen
In Sonnewalde brodelt wieder das Abwasser

Gossmar . Ein Annäherungskurs von Stadt und WAV gefällt nicht jedem. Ziel sind einheitliche Trinkwassergebühren. Von Heike Lehmann

Zwischen der Stadt Sonnewalde und der Verbandsversammlung des Wasser- und Abwasserverbandes Westniederlausitz (WAV) gibt es nach Jahren des Misstrauens Ansätze, aufeinander zuzugehen. Es laufen Gespräche für einheitliche Trinkwasser-Gebühren im gesamten Verbandsgebiet zum 1.1.2019, hieß es bei einer Sitzung vom städtischen Abwasserausschuss im Ortsteil Goßmar. „Wir haben die Initiative ergriffen“, sagte Bürgermeister Werner Busse (CDU).

Als Zeichen einer vertrauensvollen Zusammenarbeit würden aber die Aufhebungen einiger Beschlüsse der Sonnewalder Stadtverordneten erwartet. Vor fünf Jahren hatten sie sich klar zum abwasserseitigen Austritt aus dem WAV, zu einer eigenen Abwasserentsorgung und zum Weiterbetrieb der Kläranlage Münchhausen positioniert. Beschlüsse, die „nichts gebracht haben“, außer dass „ein Haufen Geld für Anwälte ausgegeben“ wurde „für nischt und wieder nischt“, wie mehrere Ausschussmitglieder zusammenfassten. Die Sonnewalder zahlen nach wie vor hohe Gebühren. Deshalb wolle man jetzt neue Wege gehen.

Im Zuge der Fusionsbestrebungen von Sonnewalde und Finsterwalde war die Überleitung der Sonnewalder Abwässer ins Klärwerk Lindena als wirtschaftlichste Lösung für Sonnewalde – wie schon 2012, damals aber von den Sonnewaldern rigoros abgelehnt – favorisiert worden. Bis zu 70 Prozent Förderung habe das Land Brandenburg jetzt dafür in Aussicht gestellt.

Dieser neue Kurs einiger Stadtverordneter gefällt nicht jedem in Sonnewalde. Das wurde am Mittwoch deutlich. Der Ton wird wieder schärfer, Formulierungen unhöflich. Der Ausschussvorsitzende Rudolf Frontzek hatte zu tun, die Sitzung ordentlich über die Bühne zu bringen. Es wurde die Sachkompetenz der Ausschussmitglieder angezweifelt, eine Vermengung der Geschäftsbereiche Trink- und Abwasser im WAV vorgeworfen. Wortführerin der zahlreich erschienenen Einwohner war die Rechtsanwältin Vilma Niclas. Auch die Landtagsabgeordnete Iris Schülzke (BVB/Freie Wähler) verfolgte die Diskussion. Der Sonnewalder Ortsvorsteher Axel Große (SPD) sprach von Erpressung durch den WAV.

Mehrheitlich waren die Ausschussmitglieder aber dafür, dass die Stadtverordnetenversammlung am 26. September über die Aufhebung der Beschlüsse befinden soll. Einzig Monika Goetzke (Linke) stimmte dagegen. Sie sagte: „Wir machen keinen Kuhhandel mit dem WAV. Wenn wir die Beschlüsse aufheben, ist der Weg für die Überleitung nach Lindena frei. Das ist ökologischer und ökonomischer Wahnsinn.“

Beifall bekam Monika Goetzke von  Einwohnern für ihre Ankündigung, den Landesrechnungshof wegen Verschwendung von Steuergeldern anzurufen.