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| 17:36 Uhr

Neues Angebot für Hinterbliebene
In Lugau entsteht eine Trauergruppe

 Der Tod eines nahe stehenden Menschen bedeutet eine Verlusterfahrung und ist mit Trauer verbunden. Doch keiner muss mit seiner Trauer allein bleiben. In Lugau soll künftig eine Trauergruppe Betroffenen Gelegenheit zum Austausch und neuen Halt geben.
Der Tod eines nahe stehenden Menschen bedeutet eine Verlusterfahrung und ist mit Trauer verbunden. Doch keiner muss mit seiner Trauer allein bleiben. In Lugau soll künftig eine Trauergruppe Betroffenen Gelegenheit zum Austausch und neuen Halt geben. FOTO: Fotolia
Lugau. Wohin mit dem Schmerz über den Verlust eines lieben Menschen? Mit wem kann man reden, wer versteht, was einen umtreibt? Es braucht Raum, Zeit und Verständnis, um sich über Gefühle auszutauschen. Erster Treff ist am 28. Februar. Von Heike Lehmann

Wohin mit dem Schmerz über den Verlust eines nahen Verwandten oder Freundes? Viele Betroffene machen diese Phase ihres Lebens lieber allein mit sich aus, andere wiederum wünschen sich den Austausch mit anderen, wollen sich mitteilen und wollen, dass ihnen zugehört wird. Gelegenheit dazu bietet künftig jeden letzten Donnerstag im Monat eine Trauergruppe, die sich im BEZ Lugau, ehemals Touristenstation, Lugauer Hauptstraße 79, treffen wird. Initiatorin ist die ortsansässige Heilpraktikerin für Psychotherapie Ivonne Kommolk. Seit 2014 hat sie ihre eigene Praxis im Ort.

Der erste Treff für die Trauergruppe ist für den 28. Februar von 16 bis 19 Uhr anberaumt. Kommen kann, wer will. „Das Angebot richtet sich an Menschen, die ihre Eltern verloren haben genauso wie an verwaiste Eltern, die um ihr Kind trauern oder an Menschen, die schwerstkranke Angehörige haben. Es ist kostenfrei“, informiert Ivonne Kommolk.

„Hin und wieder hatte ich in meiner Praxistätigkeit mit Sterbebegleitung oder Trauerfällen zu tun. Dann wurde ich auch gefragt, wohin können wir uns wenden, wenn wir einfach reden wollen? Da mir im Raum Finsterwalde nichts Derartiges begegnet ist, habe ich selbst die Initiative ergriffen“, erklärt Ivonne Kommolk.

Die Heilpraktikerin für Psychotherapie hat Erfahrung in der Notfallseelsorge und in der Vergangenheit auch schon ein Trauerbewältigungsseminar über die Kreisvolkshochschule angeboten. „Das wurde gut angenommen. Es haben Leute aus Bönitz, Calau und Finsterwalde teilgenommen. Aber in dem Rahmen überwiegt immer der sachliche Charakter. Da ist für den Seminarleiter schwer zu trennen, zwischen denen, die weinen müssen und denen, die sich Informationen übers Sterben erhoffen“, begründet sie im Nachhinein ihren Entschluss, die Trauergruppe ins Leben zu rufen.

Ivonne Kommolk will den Interessierten vor allem Zeit, Raum und Ruhe bieten, um mit ihrer Trauer umgehen zu lernen. Für die Folgetermine – beim letzten Donnerstag im Monat soll es bleiben, die Zeit sei noch flexibel – plant sie kleinere Vorträge, um über Phasen des Sterbens oder die Phasen bei Trauernden aufzuklären. „Es ist nicht gut, das Thema Sterben und Trauern tot zu schweigen. Bis zur Beerdigung haben immer alle Mitleid mit den Hinterbliebenen, aber wie lange trauert man eigentlich? Was ist normal, ab wann wird es bedenklich?“, fragt sie. Ihre Trauergruppe soll eine lockere Gemeinschaft werden, es besteht keine Pflicht zur Teilnahme. „Wer kommen will, kommt. Wer nicht mehr kommen will, wird auch nicht gezwungen.“

Die Heilpraktikerin selbst hat keine Angst vor dem Thema Sterben und Trauern. Im vergangenen Jahr hat die 45-Jährige selbst ihren Vater verloren. Sie weiß, dass es für betroffene Angehörige und Freunde tröstlich sein kann, wenn sie übers Sterben und den Verlust reden können. „Die Gespräche in der Trauergruppe sollen ein bisschen ein Selbstläufer werden. Die Idee ist, dass die Leute Kontakte knüpfen können. Wünschenswert wäre, dass die Gruppe für den ein oder anderen auch Lebenshilfe geben kann, bis dahin, dass für einige die Gruppe vielleicht nicht mehr nötig ist.“ Der Alltag, der ins Wanken geraten ist, kann durch die Gruppe und den Austausch vielleicht schneller wieder Halt bekommen.

Ohne übersteigerte Erwartungen zu haben, denkt Ivonne Kommolk schon weiter: „Vielleicht biete ich dann mal eine zweite Gruppe an, je nachdem, welche Interessenten kommen und welche Gesprächsthemen sich entwickeln.“ Das Lugauer Begegnungszentrum böte viele Möglichkeiten, freut sich die Initiatorin. „Es ist barrierefrei, liegt nicht im belebten Zentrum und hat eine Freifläche, wo man bei schönem Wetter auch draußen sitzen kann.“

In den sozialen Medien, wo Ivonne Kommolk ihr Vorhaben schon bekanntgemacht hat, gab es viele Teilungen und Likes. Das Interesse scheint also doch groß zu sein. Schließlich betrifft das Thema Sterben irgendwann jeden.

Trauergruppe im BEZ Lugau, Donnerstag, 28. Februar, 16 bis 19 Uhr.