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In Heinrichsruh und der Bürgerheide auf Tour

Auch der Jackrussell Lucky kommt immer wieder gern mit Frauchen und Herrchen zum Eierpieler.
Auch der Jackrussell Lucky kommt immer wieder gern mit Frauchen und Herrchen zum Eierpieler. FOTO: Babbe
Finsterwalde. Die schönsten Ecken von Finsterwalde werden am Montag erwandert. Dann findet zum 20. Mal am Reformationstag der Elbe-Elster-Kreiswandertag unter der Regie des Kreissportbundes statt – diesmal in der Sängerstadt. Dieter Babbe

Die lange und die mittlere Strecke werden zunächst durch die Siedlung Heinrichsruh führen - vorbei an der sogenannten Heimstättensiedlung, wo mal Kriegsgefangene eingesperrt waren, am ehemaligen Juden-Friedhof, wo die letzten Grabsteine erst zu DDR-Zeiten weggeräumt wurden, und an einem alten Bauernhof mit der Sonnenuhr am Fachwerk, wo im 18. Jahrhundert der Schlossamtmann Heinrich Hertwig eine weit über Finsterwalde hinaus bekannte Bienenzucht betrieb. Eine Seltenheit gibt es hier noch heute: Daniel Beuse ist einer der wenigen Sattler für Pferdesattel, die es in Deutschland noch gibt - wie sich die Wanderer bei einem Halt überzeugen können.

Die kurze Strecke führt durch die Bürgerheide bis zum Quellgebiet Siebenbrunnen und dem Eierpieler. Der Moorteich mit dem eigenartigen Namen gehört laut einer Studie des Landes zu den Raritäten in Brandenburg, wo sogar Kraniche nisten und an den sumpfigen Ufern geschützte Pflanzen wie die Glockenheide, das Wollgras, das Moosauge, der Rippenfarn oder der fleischfressende Sonnentau wachsen.

Natur-Geschichten

Über 150 Jahre alte Kiefern, gewaltige Eichen und Buchen stehen in der Bürgerheide, dem Stadtwald mit einer großen Artenvielfalt. Mit mehr als 30 Metern steht hier auch der größte und dickste Baum von Finsterwalde, eine Riesenpappel. Und obwohl viele Spaziergänger und Radfahrer zu jeder Jahreszeit in die Bürgerheide kommen, ist hier auch viel Wild zu Hause. Rehe, Wildschweine, "sogar der Wolf ist schon gesichtet worden", berichtet Uwe Manig, der diese Wandertour anführen wird.

Seit zehn Jahren ist er Revierförster in der Bürgerheide und das haben selbst seine pensionierten Vorgänger hier noch nie erlebt: "Millionen Larven der gefräßigen Kiefernbuschhornblattwespe haben in diesem Jahr großen Schaden angerichtet." Ob die Kiefern der Bürgerheide den Angriff überleben werden? Uwe Manig wird auch darüber berichten. Wie tonnenweise Kriegsmunition in die Bürgerheide kam, die erst vor wenigen Jahren entdeckt und geborgen wurde, dass hier zu DDR-Zeiten sogar ein Mord passiert ist, und wie der Eierpieler vor dem Austrocknen bewahrt werden soll - alles Geschichten, die erzählt werden.

Alle drei Wandergruppen steuern nicht nur die Bürgerheide an, "eine der schönsten Ecken von Finsterwalde", wie nicht nur Sebastian Schulz, der Vorsitzende der Spielvereinigung, schwärmt. Er hat die drei Touren zusammengestellt. Die Wanderer besuchen auch den Segelflugplatz, wo man in einem Museum Flugzeuge besichtigen und Interessantes über den Finsterwalder Paul Beylich, dem Konstrukteur des berühmten Flugpioniers Otto Lilienthal, erfahren kann.

Rast wird am Forsthaus eingelegt, wo es zur Stärkung Fettstullen gibt und wo ein Denkmal vom trinkfesten Bürgermeister Koßwig steht, der für Finsterwalde die Bürgerheide ersoff. Am Ziel angekommen, werden die Fußballer die Wanderer auf dem Sportplatz empfangen - mit Leberkäse, Grillwurst und Steaks. Und 20 Kuchen wollen die Mütter der Nachwuchskicker backen.

Urkunden für alle Teilnehmer

Jeder Teilnehmer bekommt zur Erinnerung eine Urkunde. Finsterwaldes Bürgermeister Jörg Gampe und Landrat Christian Heinrich-Jaschinski haben bereits ihre Teilnahme zugesagt und wollen erstmals mitwandern. Im vorigen Jahr gab es beim Kreiswandertag im Schradenland einen neuen Teilnehmerrekord. Mehr als 200 Wanderer hatten sich auf den Weg gemacht. Finsterwalde richtet sich bei der 20. Jubiläumsveranstaltung auf eine ebenso große Schar wanderfreudiger Besucher ein.

Zum Thema:
Um 9 Uhr ist Start (ab 8 Uhr Anmeldung) auf dem Sportplatz der Finsterwalder Spielvereinigung in der Kirchhainer Straße. Von dort aus stehen Strecken über 7,5, zehn und 15 Kilometer zur Auswahl. Die vier Finsterwalder Sänger werden die Wandersleute mit dem weltbekannten Sängerlied auf Tour schicken.