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| 02:37 Uhr

In "Erika" sind Windräder unbeliebt

Zwei Stromerzeuger auf einen Blick: ein Windrad vor dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde.
Zwei Stromerzeuger auf einen Blick: ein Windrad vor dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde. FOTO: dpa
Massen. Windkraftanlagen provozieren Pro und Kontra. Im Amt Kleine Elster wird das deutlich. Einwohner der Siedlung Erika gehören zu den Unterzeichnern des vom Bündnis "Rettet Brandenburg" initiierten Volksbegehrens. Der Windpark bei Lieskau wächst in diesem Jahr. Gabi Böttcher /

Auch wenn Martina und Lothar Carow, Katharina Kubusch, Andrea Zinke und andere Einwohner der kleinen Siedlung Erika im Amt Kleine Elster gelernt haben, mit Windrädern in spürbarer Reichweite zu leben, fordern sie Mitbürger auf, sich rechtzeitig gegen den weiter grassierenden Bau solcher Anlagen zur Wehr zu setzen. In die seit Jahresbeginn in den Ämtern ausliegenden Unterschriftenlisten für das vom Bündnis "Rettet Brandenburg" initiierte Volksbegehren haben sie bereits ihre Namen eingetragen. 60 Unterschriften waren es in der Amtsverwaltung Kleine Elster bis Ende voriger Woche insgesamt. "Bei Ostwind sind die Räder so laut zu hören, dass man denkt, es kommt ein Hubschrauber", sagt Andrea Zinke. Mit offenem Fenster zu schlafen, überlege man sich gut. "Die Lautstärke tut richtig weh", sagt auch Katharina Kubusch. Am Tage gingen die Geräusche in denen des Alltags noch weitgehend unter. Aber am Abend, wenn in der Siedlung Stille herrsche, sei es schwer zu ertragen. Martina Carow ist Realistin, gegen die bei Betten und im Dreieck Göllnitz-Lieskau-Rehain errichteten Anlagen sei nicht mehr anzukommen. Aber künftige Entscheidungen müssten mit Bedacht erfolgen. Deshalb unterstützen die Lindthaler auch die Bürgerinitiative "Rettet Brandenburg". Vor allem der Wald, der als grüne Lunge Brandenburgs ein Markenzeichen sei, sollte geschützt werden vor weiteren Eingriffen. Holzeinschläge und zerfahrene Waldwege sind den Kritikern in der Siedlung ein Dorn im Auge. Hier befinden sich auch Wochenendgrundstücke, die an Wert einbüßen. Man habe jede Möglichkeit genutzt, um Menschen zur Unterstützung der Bürgerinitiative zu motivieren. Mit dem Volksbegehren soll erreicht werden, dass der Mindestabstand von Windrädern zum nächsten Wohnhaus das Zehnfache der Höhe des Windrades betrage. Bei 200 Meter hohen Windrädern wären das also 2000 Meter. Auch die Auffassung der Bürgerinitiative, Windräder in Wäldern sollten verboten werden, teilt Martina Carow. Andrea Zinke: "Wir merken, wie unruhig das Wild ist." Eine Trasse über ihr Grundstück legen zu lassen, dagegen haben sich Carows gewehrt. Sie fordern verantwortliche Politiker auf, nicht vom grünen Tisch aus über die Eingriffe in Landschaft und Lebensraum von Menschen zu entscheiden.

Bis zum 6. Juli müssen mindestens 80 000 Unterschriften zusammenkommen, damit sich der Brandenburger Landtag noch einmal mit dessen Forderungen beschäftigen muss. Im September vorigen Jahres hatte das Parlament die Initiative abgelehnt.

Zum Thema:
Im Windpark Göllnitz-Lieskau-Rehain produzieren aktuell 22 Windenergieanlagen Strom. Die jüngste Anlage wurde im Januar in Betrieb genommen. Dabei handelt es sich um eine der fünf Anlagen, deren Bau beim Windparkfest im August vorigen Jahres zu besichtigen war. Der Park werde dieses Jahr um sieben Anlagen auf Lieskauer Gebiet erweitert, informiert Julia Wölfer von der UKA Umweltgerechte Kraftanlagen GmbH & Co. KG. Dafür laufen momentan Baumaßnahmen, erste Fundamente werden gegossen. Bis Ende Juli sollen die Anlagen mit einer Nennleistung von jeweils 3,45 Megawatt ans Netz gehen. Der Windstrom wird wie die anderen Anlagen über das Umspannwerk Lieskau eingespeist. Momentan kann der Park nach Angaben von UKA unter Idealbedingungen 67,5 Megawatt je Stunde erzeugen - ab Sommer werden es 91,65 Megawatt sein. Rechnerisch können die Einwohner Potsdams von dem Windpark mit grünem, umweltfreundlichem Strom versorgt werden.