Ob den Besuchern Stephan Remmlers "Turaluraluralu - Ich mach BuBu, was machst du", der letzte große Hit von Trio Anfang der 1980er-Jahre, Samstagabend wieder aus dem Kopf ging, bleibt stark zu bezweifeln. Gemeinsam mit den fünf Akteuren vom theater89 hatten sie sich damit in die Nacht gesungen.

Seit 2007 ist Doberlug-Kirchhain mit seinem historischen Kern von Doberlug Mitglied der Brandenburger Städte-AG. Dreimal in Folge war es jetzt Open-Air-Theater-Station im Sommer. Mit wachsendem Erfolg.

"Es war ein wunderbarer Abend", resümierte Hans-Joachim Frank, der Theaterchef, der selbst in die Erzählerrolle geschlüpft war. "Das Ambiente hier ist hervorragend, das Publikum war es auch", sagte er zufrieden. Die Spielfassung von Kurt Tucholskys "Rheinsberg" stammt aus seiner Feder. Er führte bei dieser Uraufführung auch Regie.

Claire (Laila Maria Witt) und Wolfgang (Christian Natter) entfliehen für drei Tage von der Großstadt in die Provinz und begegnen deren sittlicher Strenge. Eine Mischung aus jugendlicher Naivität, Neugier auf das ländliche Leben und Unbeschwertheit wehte über die Schlosswiese. Ein Stück wie für diesen Sommerabend gemacht. Selbst das Wetter spielte wieder in die Erfolgskasse.

Claires grammatikalische Schwächen amüsierten das Publikum. "Esst man Suppens mit‘ns Messers?", fragte sie. Und "Einen so wunderschönen Deutsch sprichst du ja auch nicht", hielt sie ihrem Wolfgang vor.

Das theater89 ist bekannt dafür, mit minimalen Mitteln einen hohen Unterhaltungswert zu schaffen. Ein schaukelndes Bett als Bühne war diesmal abwechselnd Zugabteil, Boot, Wagen und - eben Bett, denn wir schauten ja Verliebten zu. Großen technischen Aufwand braucht es bei der hervorragenden Akustik zwischen Schloss und Klosterkirche nicht.

Vor allem Bernhard Geffke aber - vor einem Jahr spielte er an gleicher Stelle in der Sommertheater-Reihe mit viel Ernsthaftigkeit noch Friedrich Wilhelm I. - hatte am Samstag die Lacher auf seiner Seite. Wieder hatte er ein hartes Stück Arbeit, verkörperte er doch alle Personen, denen Claire und Wolfgang in Rheinsberg begegnen. Siebenmal musste er das Kostüm wechseln. Zuletzt schlüpfte er in die Rolle der Modistin mit Schneckenfrisur. Die Persiflage der Frauen Anfang des 20. Jahrhunderts bereitete ihm sichtlich Spaß und wurde mit Szenenapplaus belohnt. Gemeinsam mit Sebastian Tyroller (Gitarre) war er auch für die musikalische Begleitung zuständig.

Doberlug-Kirchhains Bürgermeister Bodo Broszinski (FDP) hatte sich bei der Begrüßung der Gäste über die bunte Mischung an Autokennzeichen gefreut. Er nahm die Gelegenheit wahr, auch die Weitangereisten zur 1. Brandenburgischen Landesausstellung im Schloss Doberlug im kommenden Jahr einzuladen. Im Publikum saßen diesmal selbst Gäste aus Frankfurt (Oder), Lauta und Caputh. Oliver Raddy outete sich als wohl am weitesten gereist. Er ist in Freiburg im Breisgau beheimatet, war aber mit Lebensgefährtin Uta Dienwiebel aus Frankfurt (Oder) nach Doberlug-Kirchhain gekommen. Etwa 800 Kilometer Fahrt hatte er für diesen Abend auf sich genommen.