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| 17:48 Uhr

Tagespflege im Lutherstift am Schloss Doberlug-Kirchhain
Wo das Herz am richtigen Fleck ist

 Neben Bewegung und Kommunikation steht der Spaßfaktor in der Tagespflege im Lutherstift am Schloss in Doberlug-Kirchhain an erster Stelle. Pflegebedürftige und Personal fühlen sich wie eine Familie. 
Neben Bewegung und Kommunikation steht der Spaßfaktor in der Tagespflege im Lutherstift am Schloss in Doberlug-Kirchhain an erster Stelle. Pflegebedürftige und Personal fühlen sich wie eine Familie.  FOTO: LR / Josephine Japke
Doberlug-Kirchhain. Zwei Altenpflegerinnen aus Doberlug-Kirchhain erklären, warum sie den schönsten Beruf der Welt haben – auch, wenn der äußere Eindruck ein anderer ist. Von Josephine Japke

Müssten sich Michaela Potrykus und Sylvia Müller für Sätze entscheiden, die sie nicht mehr hören können, wären es vermutlich folgende: „Das machst du beruflich? Ich hab ja solchen Respekt davor, ich könnte das nicht.“ Die beiden Frauen sind Alten- und Heilerziehungspflegerinnen in der Tagespflege im Lutherstift am Schloss Doberlug-Kirchhain und wundern sich dann jedes Mal: Warum kannst du das nicht, wovor hast du Angst? Denn alles, was es für den Beruf braucht, ist ein Herz am richtigen Fleck.

„Klar ist unsere Arbeit anstrengend und schwierig. Auch bei uns gibt es blöde Tage. Aber die sind eher die Ausnahme“, sagt Michaela Potrykus, Leiterin der neuen Tagespflege-Station. Seit ein paar Wochen kümmern sich hier vier Mitarbeiterinnen täglich von 8 bis 16 Uhr um pflegebedürftige Menschen. Hier wird gebacken, gequatscht, auch mal getanzt und vor allem viel gelacht. „Es liegt uns viel daran, dass wir eine Familie sind und sich alle wohlfühlen“, sagt auch Sylvia Müller. Wichtiger Aspekt der Pflege ist ein strukturierter Tagesablauf, zu dem nicht nur Spaß, sondern auch Bewegung gehört. Nicht zu vergessen: Toilettengänge und Körperpflege, denn „das gehört eben alles mit dazu, ist doch klar.“

Die Tagespflege soll nicht nur pflegebedürftige Menschen unterstützen, sondern auch deren Familien. Gerade, wer selber noch berufstätig ist, eine eigene Familie und Haus und Hof hat, empfindet das Angebot der Diakonie und anderer Anbieter als Entlastung. „Einfach mal zum Arzt gehen, einen Friseurtermin haben und ins Kino gehen, ist dann ohne Stress und ständiges Sorgenmachen wieder möglich“, sagt Sylvia Müller.

Für Pflegebedürftige sei der erste Besuch in der Tagespflege oft eine kleine Überwindung. „Da spielt die Angst vor etwas Neuem eine große Rolle. Zu Hause fühlen sie sich sicher, da kennen sie sich aus. Hier warten neue Menschen und neue Räume und das ist für viele schwierig“, erklärt Michaela Potrykus. Manche wenige sind auch uneinsichtig, weil sie zunächst nicht wahrhaben wollen, dass sie Hilfe und Beschäftigung im Alltag brauchen.

„Die Ängste und Bedenken werden ihnen beim ersten Besuch aber genommen und dann kommen die meisten wieder gerne zu uns“, sagt Sylvia Müller. Bei vielen Klienten bemerken Pfleger und Familie schon nach kurzer Zeit sichtbare Veränderungen. Sie sind ausgeglichener, fröhlicher und blühen im Leben wieder auf. Vor allem die sozialen Kontakte zu anderen Gästen fördern dabei das Wohlbefinden.

Doch gerade weil sich Pfleger und Gepflegte so nahe stehen, verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Privatem. Erlebtes und Gefühle werden selbstverständlich ausgetauscht. Nicht alles davon ist schön und leicht zu ertragen. „Natürlich nehmen wir unseren Beruf auch mit nach Hause, allerdings auf ganz unterschiedliche Art und Weise“, erklärt Sylvia Müller. Manchmal, in dem man ein Kinderlied summt, dass man den Tag über gehört hat. Ein anderes Mal, in dem man darüber nachdenkt, wie das Leben den älteren Herrschaften mitgespielt hat. „Wenn jemand, der zu uns in die Pflege kommt, oder den wir regelmäßig besuchen, stirbt, nimmt uns das sehr mit. Die Menschen sind für uns nicht nur Klienten, sondern viel mehr“, sagt sie.

Dass viele Jugendliche vor dem Pflegeberuf zurückschrecken, können die beiden schon verstehen. Vor allem die Körperpflege anderer Menschen, verbunden mit der Schichtarbeit und wenig Gehalt, sprechen gegen ihn. „Aber was man dafür in unserem Beruf täglich bekommt, ist pure Dankbarkeit und Ehrlichkeit und das ist es allemal wert“, stellt Michaela Potrykus fest.

Ihre Kollegin hat auch klare Vorstellungen davon, wie diese Vorurteile gegenüber dem Pflegeberuf abgebaut werden könnten: „Durch mehr Projekte könnte man schon in der Schule die Ängste vor älteren Personen nehmen. Schon jetzt kommen Schüler aus Doberlug-Kirchhain zu uns in die Demenz-Station und basteln, backen und reden mit den Gästen“, sagt Sylvia Müller. Zukünftig soll so etwas auch in Zusammenarbeit mit der Tagespflege passieren.