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| 15:06 Uhr

Immer zuerst mit den Eltern nach Lösungswegen suchen

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Finsterwalde. "Kinderschutz geht alle an" war das Thema des 10. Kreispräventionstages in Elbe-Elster. Mehr als 150 Akteure waren am gestrigen Freitag ins Oberstufenzentrum in der Friedrich-Engels-Straße in Finsterwalde gekommen. Einem Kerngedanken entsprachen sie damit: Ein Netzwerk für den Kinderschutz leben heißt auch, dass man sich untereinander kennt. Gabi Böttcher

"Sich vernetzen bedeutet nicht, ständig zeitraubende Beratungen durchzuführen. Sich kennen, wissen, was man voneinander erwarten kann und wissen, wie man den anderen erreicht, ist wichtig." So ordnete Landrat Christian Heinrich-Jaschinski in seinem Grußwort die erneut sehr gut angenommene Jubiläumsveranstaltung gleich zu Beginn als Gewinn ein.

Hans Leitner, Leiter der Fachstelle Kinderschutz in Brandenburg, räumte im ersten Fachvortrag mit einem vielfach vorgeschobenen Argument für zögerndes Agieren in Sachen Kinderschutz auf: "Datenschutz ist es nicht, der uns hindert, Kinder zu schützen." In Deutschland dürfe man mit seinem Kind nicht machen, was man wolle. Es gebe die Schulpflicht und ein Gewaltverbot. Was Eltern in dieser Hinsicht tun beziehungsweise lassen würden, darüber wache die staatliche Gemeinschaft. Jedoch breche Kinderschutz nicht den Datenschutz. Immer sei in Problemfällen zuerst gemeinsam mit den Eltern nach Lösungswegen zu suchen, seien Informationen nicht an ihnen vorbei zu beschaffen. "Erst wenn sich Eltern verweigern, ändern sich die Spielregeln", so der Fachmann. Dann gebe es ausreichende rechtliche Mittel.

Hans Leitner appellierte an alle Akteure in der Arbeit mit Eltern und Kindern, nicht mit dem Jugendamt zu drohen, sondern es als Kooperationsangebot zu empfehlen. Das 2012 in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz formuliere es nicht als Ermessensfrage, sondern als gesetzlichen Auftrag, flächendeckende Formen interdisziplinärer Zusammenarbeit zum Schutze der Kinder zu entwickeln. Es gebe da keine eindimensionale Zuständigkeit des Jugendamtes.