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| 02:37 Uhr

Immer mehr Katzen verschwinden in Finsterwalde

Finsterwalde. Der an sich ruhige Finsterwalder Norden mit den vielen Einfamilienhäusern ist eine unsichere Gegend. Jedenfalls für Katzen. In der letzten Zeit klagen viele Grundstücksbesitzer über den Verlust ihres Kuscheltieres. Warum die Katzen verschwinden – darüber gibt es nur Spekulationen. Dieter Babbe

Als eines Tages Putzi tot vorm Haus auf der Eichenstraße lag, weil sie von einem rasanten Autofahrer überrollt worde war, ist das für Walters schon Schock genug gewesen. "Die Katze war noch warm, als ich sie fand", erinnert sich Horst Walter. Seine Frau nahm die vier jungen Kätzchen, die Putzi hinterlassen hat, in ihre Obhut. "Sie waren drei Wochen alt und konnten gerade so die Augen aufmachen. Ich hatte wenig Hoffnung, dass ich sie durchbekommen werde", erzählt Waltraud Walter, die fortan die Katzenmutti für die vier Babys war. "Täglich habe ich ihnen die Flasche gegeben - fünfmal am Tag, spätabends das letzte Mal, damit sie gut über die Nacht kommen. Da hängt man so an den Tieren. Deshalb wollten wir auch alle vier Katzen behalten", sagt Waltraud Walter. Doch die Freude, ihre Schützlinge über den Berg gebracht und ihnen das Leben erhalten zu haben, währte nicht lange. "Im Oktober war die erste Katze verschwunden, vor vier Wochen die zweite. Um halb Sechs haben sie ihr Abendbrot bekommen - eine Stunde später war Maxel weg, wie vom Erdboden verschluckt", kann sich Horst Walter den Verlust nicht erklären. "Die Katzen haben sich nie weit von unserem Grundstück entfernt, obwohl sie die Gelegenheit dazu haben." Um Mohrle und Putzi, die noch verbliebenen Katzen, nicht auch noch zu verlieren, werden sie am frühen Abend eingesperrt. "Für mich sind sie wie meine Kinder", sagt Waltraud Walter und streichelt liebevoll das Fell.

So wie Walters geht es vielen Katzenbesitzern in der Eichenstraße. Gleich zwei Häuser weiter fehlt der weiße Kater Paul seit einiger Zeit. "Ich habe viele Zettel mit seinem Bild an Häusern und Märkten angebracht - doch bisher ohne Ergebnis", bedauert Doreen Heyde. Auch bei Familie Kuhz ist Kater Charly verschwunden. "Wir haben Aushänge gemacht, das Ordnungsamt informiert, in Tierheimen gefragt - doch von Charly gibt es keine Spur, obwohl er ein Halsband mit seinem Namen trägt", ist Madleen Kuhz verzweifelt.

Zwei junge Katzen hatte Ute Radigk auf ihrem Grundstück in der Siedlung Heinrichsruh - "verspielt und unzertrennlich. Die haben sich nie weit vom Gartenzaun entfernt. Pünktlich abends um halb Sieben kamen sie immer zum Fressen". Ab 11. April nicht mehr, seitdem ist Dolly, eine braun-schwarz-getigerte Katze, spurlos verschwunden. Ute Radigk hat in der ganze Nachbarschaft gesucht und nachgefragt. Bisher ohne Ergebnis.

Allein neun Fälle von vermissten Katzen - alle aus dem Finsterwalder Norden - sind im Katzennotasyl in Doberlug-Kirchhain gemeldet worden. "Viele rufen bei mir an - in der Hoffnung, dass die Tiere hier abgegeben wurden", sagt Gudrun Rimpel. Sie vermutet, dass Katzen gestohlen oder getötet werden - "doch Beweise dafür gibt es nicht". Dass Katzen plötzlich auf unerklärliche Weise verschwinden, gebe es immer wieder, sagt Renate Seidel, die Vorsitzende vom Landestierschutzbund. "Oft wird behauptet, sie würden als Versuchstiere gefangen. Das schließe ich aus. In Deutschland gibt es strenge Bestimmungen, Versuchstiere müssen als solche gezüchtet werden." Renate Seidel vermutet etwas anderes: "Tatsächlich hat es in Brandenburg etliche Beispiele gegeben, wo Altkleidersammler mit ihren Autos Katzen eingefangen haben."