ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:21 Uhr

Naturschutz
Im Reich der Sandohrwürmer

Am Aussichtshügel an der Seeteichsenke wurde eine der fünf Infotafeln enthüllt. Dabei halfen Michael Matthes (LMBV), Dr. Thomas Spillmann-Freiwald (Landkreis Elbe-Elster), Frank Zimmermann (Stadt Finsterwalde), Dr. Stefan Röhrscheid (Nabu-Stiftung) sowie Lars Thielemann (v.l.n.r.) vom Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft.
Am Aussichtshügel an der Seeteichsenke wurde eine der fünf Infotafeln enthüllt. Dabei halfen Michael Matthes (LMBV), Dr. Thomas Spillmann-Freiwald (Landkreis Elbe-Elster), Frank Zimmermann (Stadt Finsterwalde), Dr. Stefan Röhrscheid (Nabu-Stiftung) sowie Lars Thielemann (v.l.n.r.) vom Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft. FOTO: Richter-Zippack
Finsterwalde. Ein rund fünf Kilometer langer Wanderweg führt jetzt durch das Naturparadies Grünhaus. Besucher können auf eigene Faust die reichhaltige Natur entdecken. Von Torsten Richter-Zippack

Wer den neuen Grünhauser Wanderweg erobern will, sollte neben etwas Kondition vor allem eines mitbringen. Nämlich viel Zeit. Denn die nachbergbauliche Landschaft bietet auf den ersten Blick zwar eine imposante Weite mit Blicken über Seeteichsenke, Heidesee und zum Besucherbergwerk F 60, doch erst beim genaueren Hinsehen präsentiert das Gebiet seine kleinen, aber feinen Juwele. Beispielsweise Sandohrwürmer. Wie es bereits der Name sagt, leben diese etwa zweieinhalb Zentimeter großen Tiere vor allem im offenen Sand. Dort, so berichtet Sandra Stahmann von der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe, die gemeinsam mit den Bergbausanierern von der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) den Wanderweg initiiert hat, ernähren sich die Würmer insbesondere von schwachen und toten Insekten. „Droht Gefahr, beugt sich der scherenbewaffnete Hinterleib über den Kopf“, erklärt Stahmann. Dieses Phänomen habe bereits die Elbe-Elster-Naturschutzbehörde auf den Plan gerufen, weiß deren Leiter Dr. Thomas Spillmann-Freiwald. „Grünhaus-Besucher haben uns deswegen angerufen, weil sie dachten, sie seien auf einen Skorpion gestoßen.“ Sandra Stahmann kann die Lausitzer aber beruhigen: „Hier in der Region gibt es keine Skorpione.“

Der Sandohrwurm gehört zu den rund 3000 Tier und Pflanzenarten, die bislang in Grünhaus nachgewiesen worden sind. Längst haben dort auch bundesweit streng geschützte Arten eine neue Heimat gefunden. Wer über die weiten, unbewachsenen Sandflächen südlich der Seeteichsenke schaut, kann mit etwas Geduld und Glück Steinschmätzer und Brachpieper erblicken. Diese Vögel, so sagen die Naturschützer, seien aus der Kulturlandschaft aufgrund der Zerstörung kleinteiliger Strukturen weitgehend verschwunden. Gleich nebenan in den weiten Wiesen leben viele Feldlerchen. „Die sind manchmal so laut, dass ich andere Arten kaum mehr hören kann“, berichtet Sandra Stahmann aus ihrem Arbeitsalltag.

Der Wanderweg führt auch zum Heidesee. Hier erläutert Führerin Sandra Stahmann (2.v.l.) Flora und Fauna des Gebietes.
Der Wanderweg führt auch zum Heidesee. Hier erläutert Führerin Sandra Stahmann (2.v.l.) Flora und Fauna des Gebietes. FOTO: Richter-Zippack

Die Seeteichsenke selbst, die die Wanderer heute bewundern, gebe es ohne den Einsatz der Naturschützer gar nicht. „Nach den alten Sanierungsplänen war dort nur ein Durchfluss vorgesehen“, sagt Stahmann. Doch aufgrund des kompromissreichen Miteinanders zwischen NABU-Stiftung und LMBV wurde der rund 30 Hektar große Flachwasserbereich geschaffen. Mindestens ein Kranich-Brutpaar lebe dort. Und alljährlich im Herbst übernachten dort ihre Artgenossen auf dem Zug gen Süden im drei- bis vierstelligen Bereich.

Der neue Wanderweg erschließt die knapp 2000 Hektar große NABU-Naturerbe-Fläche, sagt Grünhaus-Chef Dr. Stefan Röhrscheid. An der Seeteichsenke ist sogar ein kleiner Aussichtshügel entstanden. Darüber hinaus gibt es einen Pano­ramablick auf den Heidesee.

Der neu aufgeschüttete Aussichtshügel am Wanderweg bietet einen Panoramablick über die Seeteichsenke zur F 60.
Der neu aufgeschüttete Aussichtshügel am Wanderweg bietet einen Panoramablick über die Seeteichsenke zur F 60. FOTO: Richter-Zippack

Die Natur des Gebietes wird durch fünf Infotafeln beschrieben. War es Naturfreunden bislang nur in geführten Gruppen möglich, die Bergbaufolgelandschaft zu entdecken, ist dies auf dem neuen Weg auch individuell möglich. In diesem Zuge hat die LMBV Anfang Mai 230 Hektar Fläche wieder freigegeben, ergänzt er. Dafür müssen bis zum Herbst rund 500 Sperrschilder umgesetzt werden“, sagt Frank Sauer. Sandra Stahmann rät den Besuchern indes, den ausgeschilderten Weg keineswegs zu verlassen, um die sensiblen Lebensräume nicht zu gefährden.

Der neue Grünhauser Wanderweg ist über die L 60 von Lichterfeld nach Lauchhammer erreichbar. Südlich des Bergheider Sees führt ein Hinweisschild zu einem Parkplatz. Von dort ist es nur ein Katzensprung bis zum Aussichtshügel.