| 02:36 Uhr

Im Märchenwald richtig durchgeknallt

Karneval pur - Prinzengarde und Elferrat tanzten, schunkelten und scherzten durch das Programm.
Karneval pur - Prinzengarde und Elferrat tanzten, schunkelten und scherzten durch das Programm. FOTO: T. Pötzsch/top1
Finsterwalde. Samstagabend, 19.30 Uhr, Alt Nauendorf.Der Finsterwalder MCE startete in seine 64. Session. Mit "Durchgeknallt im Märchenwald" lieferten die Närrinnen und Narren wieder eine Show ab, die sich sehen lassen konnte. Torsten Pötzsch / top1

Die Funken ließen die Beine hoch und höher fliegen, in der Bütt wurde mit einem Augenzwinkern über Höhen und Tiefen der regionalen und internationalen Politik nachgedacht, Artisten ließen beim Publikum den Atem stocken, das Showballett bezauberte mit Esprit und einem Hauch Erotik und am Ende ließ das Männerballett den Saal endgültig kopfstehen.

Und über allem thronten "märchenhaft" Prinz Sebastian Lemke nebst Prinzessin Mandy Leisner. "Bereits im Mai bekam ich einen Anruf", erzählte Prinz Sebastian der RUNDSCHAU, "ob ich nicht den Prinzen machen möchte. Anfangs war ich etwas unschlüssig, konnte mich aber schnell mit dem Gedanken anfreunden. Und nun bin ich mir sicher, ich bereue meine Entscheidung nicht. Ist wirklich eine echt coole Sache, sogar eine große Ehre für mich und ich werde sicherlich in den Verein eintreten." Das Publikum konnte nur erahnen, welche Kraft es gekostet haben muss, was die mehr als 120 Akteure vor und hinter den Kulissen leisten, um alles perfekt zu machen. Die Ansprüche an die Show sind mit den Jahren immer mehr gewachsen, doch es gibt auch Konstanten, die zum Teil schon über Jahrzehnte hinweg Teil des Programms sind und auf die sich das Publikum immer wieder freut.

Peter Munz ist so ein Urgestein, das Samstag sein 50-jähriges Bühnenjubiläum feierte. Seine Auftritte sind legendär. "Mir steckt das einfach im Blut", sagt er. "Angefangen habe ich im Männerballett aber eigentlich habe ich hier schon so ziemlich alles Mögliche gemacht, vor und hinter der Bühne. Ich brauch das einfach." Seine Vorbilder sind Loriot oder Hape Kerkeling und denen kommt er schon verdammt nahe.

Das alles geht aber nicht ohne den familiären Rückhalt und nicht selten stecken ganze Familien hinter dem Sängerkarneval, so wie die Familie Munz, die Klaues, die Blümels oder die Elstermanns, um nur einige zu nennen.

"Man kann das alles schon als Ersatzfamilie bezeichnen", gesteht Robert Elstermann, Mitglied des Männerballetts. "Wir sind wie eine große Gemeinschaft. Und wenn wir uns mal nicht sehen, Ideen sammeln oder trainieren, dann ist das ein wenig wie Entzug."

Alle Akteure stehen kompromisslos hinter "ihrem" Karneval. "Es ist einfach überzeugend", so die Meinung unter den Gästen. Seit 1990 lebt der Rheinländer Manfred Schäfer, quasi ein Experte in Sachen Karneval, in der Sängerstadt und hat seither keine Veranstaltung verpasst. "Mir sen jeck jejooch wir sinn in Finsterwalde", frei übersetzt, "Wir sind verrückt genug in Finsterwalde zu feiern", so sein Statement. "Alle haben heute wieder einen ganz tollen Job gemacht. Da darf man gespannt sein, welche Steigerungen es in den kommenden Jahren noch geben wird", sagt er.

Einer, der mit den Traditionen des Karnevals eigentlich nicht so viel am Hut hatte, ist der Österreicher Oliver Mössler, der seit zehn Jahren in Finsterwalde lebt und den seine Frau 2010 erstmals zum "Sängerkarneval" mitgenommen hat. Seine Meinung: "Es ist immer wieder beeindruckend. Den Protagonisten kann man nur höchsten Respekt zollen."

Unter den vielen Höhepunkten war der Auftritt der zweifachen Deutschen Meister der Männerballette das Glanzlicht und gleichzeitig der Abschluss. Natürlich ging das nicht ohne eine frenetisch gefeierte Zugabe über die Bühne. Das Choreografenteam Dieter Loos und Nancy Reimschüssel hatten wieder einen konkurrenzfähigen Tanz auf die Bühne gebracht, mit dem man bei den diesjährigen Meisterschaften erneut ganz weit vorn mittanzen will.

Den Tanzreigen nach der Show eröffnete standesgemäß das Prinzenpaar zu r Titelmusik von "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel". Für die nötige Stimmung sorgte die Express-Partyband, allen voran Lokalmatador und neuer Frontmann Jonas Gallin.