Kathrin Claus aus Prießen rührt in einer großen Schüssel. Frischen Obstsalat gibt es heute für alle. Die anderen, die an diesem Nachmittag zum Kochkurs in die Lehrküche gekommen sind, schälen derweil Kartoffeln. "Die Behinderten machen so viel wie möglich allein. Sie sollen es lernen, um auch zu Hause klarzukommen", erklärt Marika Karden, Fachbereichsleiterin für den Familienentlastenden Dienst, der mit 20 Mitarbeitern rund 200 Betroffene betreut. Sport, Disko und Ferienfreizeiten werden für sie organisiert und dankbar angenommen.

Seit mehr als 20 Jahren unterstützt und fördert die Lebenshilfe Finsterwalde behinderte Menschen von der Geburt bis ins hohe Alter. Den guten Rat und die Hilfe für Angehörige eingeschlossen. Der Verein, der vor zwei Jahrzehnten "ohne eigene Räumlichkeiten und ohne ein Blatt Papier", wie Geschäftsführer Herbert Damm erinnert, das Laufen lernte, hat sich zu einem anerkannten Träger sozialer Leistungen für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung entwickelt. 100 Beschäftigte hat die Lebenshilfe Finsterwalde heute. Zwei Behindertenwohnstätten in Doberlug- Kirchhain und Crinitz werden betrieben - mit insgesamt fast 50 Bewohnern. In der Frühförderung kümmern sich mit Beratungsstellen in Finsterwalde, Herzberg und Schönewalde Fachkräfte jährlich um etwa 260 Kinder mit Entwicklungsauffälligkeiten. Der Integrationsfachdienst betreut rund 140 Betroffene im Jahr.

Mit dem neuen "Haus Lebenshilfe" können endlich die ambulanten und mobilen Dienste unter einem Dach und aus einer Hand angeboten werden, freut sich Herbert Damm. "Das erleichtert uns die Arbeit, und damit wächst das Zusammengehörigkeitsgefühl", betont er. Die Familienentlastenden Dienste, der Integrationsfachdienst, die Frühförder- und Beratungsstelle, der Behindertenfahrdienst und die Geschäftsstelle nutzen freundliche und moderne Räume. Zuvor waren sie über die ganze Stadt verteilt - in der Holsteiner Straße, der Westfalenstraße und der Geschwister-Scholl-Straße. "Das ist schön hier, vor allem die Küche und der Sportraum", meint auch Kathrin Claus.

Ruhig und doch zentral gelegen, mit großzügigen Außenanlagen und mit dem Bus vom Bahnhof gut zu erreichen ist das neue Lebenshilfe-Zentrum. Der Verein hat das 6000 Quadratmeter große Grundstück an der Eppelborner Ecke samt Immobilie gekauft. Baustart für die behindertengerechte Rekonstruktion war am 1. März 2010. In bewährter Zusammenarbeit mit dem Finsterwalder Architekturbüro Habermann mit Unterstützung von Landkreis, Stadt Finsterwalde und Sponsoren entstand eine moderne und praktische Einrichtung mit etwa 1600 Quadratmeter Nutzfläche. Der Bau hat allein knapp 1,2 Millionen Euro verschlungen. In der Außenhülle stecken 40 Prozent Fördermittel aus dem Stadtumbau-Programm.

Noch nicht fertig sind die Außenanlagen. Aber es gibt feste Pläne dafür, die den Charakter als Begegnungsstätte noch mehr betonen sollen. Bis zum September - dann wird an der Eppelborner Ecke das diesjährige Fest der Lebenshilfe gefeiert - soll davon einiges umgesetzt sein. Herbert Damm hofft, dass auch viele Anwohner und Interessierte mitfeiern.

Fachdienste im Haus Lebenshilfe

Familienentlastende Dienste mit Reha- und Behindertensport sowie Häuslichem Pflegedienst
Betreutes Wohnen
Behindertenfahrdienst
Integrationsfachdienst
Interdisziplinäre Frühförder- und Beratungsstelle