ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:13 Uhr

"Ich liebe Sonnewalde" – und Thomas

FOTO: Dieter Babbe
Sonnewalde. Sonnewalde, die kleine, verträumt und provinziell wirkende Stadt an der B 96, ist – was man kaum vermutet – ausgesprochen weltoffen. Allein zwischen Schlossstraße und Enger Gasse haben auf Sichtweite fast ein Dutzend ausländische Mitbürger ein neues Zuhause gefunden: Rumänen, Griechen und sogar eine Thailänderin. Die RUNDSCHAU hat einige besucht. Dieter Babbe

In einem Buchladen in Weimar kreuzen sich die Wege von Hattaya aus Thailand und Thomas aus Sonnewalde. Er ist mit seinen Kumpels in der Stadt unterwegs, die junge Germanistik-Studentin hat mit anderen Kommilitonen bei einer Studienreise zehn deutsche Städte in zwei Wochen besucht. "In Weimar wollte ich ein bestimmtes Buch über Goethe kaufen", erinnert sich Hattaya. Und als Thomas Körner die suchende Studentin bemerkt, bietet er seine Hilfe an. Sie finden das gesuchte Buch, kommen ins Gespräch - und verabschieden sich nach kurzer Zeit wieder. Aber nicht, ohne vorher schnell noch ihre Adressen auszutauschen. Nach etwa einem Monat bekommt Thomas Körner, der die junge Frau nicht vergessen hat, einen ersten Brief aus Thailand.

Das war im 1999. Einige Jahre lang stehen Thomas und Hattaya im engen Briefkontakt - ab 2005 können sich beide viel öfter und schneller per Mail verständigen. Bis der Sonnewalder 2009 eine erste Einladung in das 10 000 Kilometer entfernte Bangkok erhält. "Nach den drei Wochen bei Hattaya stand für uns fest: Wir bleiben zusammen", sagt Thomas. Im Jahr darauf begrüßte er seine Freundin in Sonnewalde und stellte sie seinen Eltern vor. "Es war im Winter. Ich habe das erste Mal in meinem Leben Schnee gesehen", weiß Hattaya noch - und auch, "dass die Nächte hier so lang und die Tage so kurz waren". Als der heute 42-jährige Thomas im Jahre 2012 erneut nach Thailand fliegt, ist für die Hochzeit bereits alles vorbereitet. "450 Gäste kamen zu unserem Fest, das in einem buddhistischen Tempel mit neun Mönchen gefeiert wurde", wird Thomas in seinem Leben nicht vergessen. Ein Jahr darauf haben beide in Sonnewalde noch einmal und auf Deutsch und mit seinen Eltern geheiratet, die in Bangkok nicht dabei sein konnten. Seit April vorigen Jahres lebt Hattaya bei ihrem Mann und seiner Familie in Sonnewalde.

Während Thomas seit einigen Jahren im Finsterwalder Schraubenwerk arbeitet, ist seine Frau noch dabei, eine berufliche Existenz aufzubauen. Von zu Hause arbeitet sie am Computer für ein Übersetzungsbüro, künftig will Hattaya als Fremdsprachenlehrerin bei der Volkshochschule unterrichten. Und die junge Thailänderin schwärmt von ihrer neuen Heimat. "Ich liebe Sonnewalde", sagt die 36-Jährige, obwohl sie das Großstadtleben gewöhnt ist - und erzählt begeistert von den Schwänen auf dem Teich im Schlosspark.

Nur einen Katzensprung von Körners entfernt wohnt Konstantin Papanicolaou in der Schlossstraße. Der Grieche lebt bereits seit mehr als 30 Jahren in Hamburg, seine Firma organisiert Transporte von Norddeutschland nach Griechenland. Weil der Weg über die Autobahnen in Ostdeutschland kürzer ist und man hier weniger Staus kennt, wollte der 62-Jährige nicht nur seinen Firmen-, sondern auch seinen Wohnsitz hierher verlegen - und landete vor drei Jahren eher zufällig in Sonnewalde, wo ein Haus sehr preiswert zu haben war.

"Die Leute in Sonnewalde sind sehr freundlich und hilfsbereit", hat Konstantin Papanicolaou die Erfahrung als Ausländer gemacht. Geschockt habe ihn allerdings: "In Hamburg musste ich drei Euro im Monat für Wasser und Abwasser bezahlen - in Sonnewalde sind es 33 Euro", klagt der Grieche - in seiner Heimat betragen die Kosten lediglich 60 Cent. Als bedrückend empfindet Konstantin Papanicolaou: "Ab Nachmittag sieht man in der Stadt fast keinen Menschen mehr." Er spielt deshalb mit dem Gedanken, in seinem großen Haus einen Treff einzurichten, "wo man gemeinsam fernsehen und sich unterhalten kann. So etwas fehlt in Sonnewalde."

Übrigens: In Sonnewalde leben derzeit 19 ausländische Mitbürger, die aus acht Ländern kommen, so auch aus Polen, Spanien, Schweden und der Mongolei.