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| 02:56 Uhr

Hollywood im einstigen Tagebau-Gelände am Bergheider See

Ein entspannter Regisseur Martin Koolhoven (2.v.r.) in der Filmkulisse für seinen Western-Thriller "Brimstone".
Ein entspannter Regisseur Martin Koolhoven (2.v.r.) in der Filmkulisse für seinen Western-Thriller "Brimstone". FOTO: Heike Lehmann
Update | Lichterfeld. Ein 100-köpfiges Filmteam hat zwei Wochen für Hollywood-Feeling im ehemaligen Tagebau bei Lichterfeld gesorgt. "Brimstone" ("Schwefel") heißt der Western-Thriller von Martin Koolhoven. In den Hauptrollen: Dakota Fanning und Guy Pearce. Am gestrigen Freitag war letzter Drehtag. Heike Lehmann

"Ruhe bitte, wir drehen!" Gespräche verstummen, überflüssige Bewegungen werden vermieden. Auf dem Balkon des Saloons kichern die leichten Mädchen. Von den Männern, die im Straßenstaub die Pistolen aufeinander halten, nehmen sie kaum Notiz. Die Luft flimmert vor Hitze. Eine knorrige Männerstimme spricht. Dann ertönt ein lautes "Und - cut!" Ein weiterer Schuss für den Kinofilm "Brimstone" ist im Kasten. Martin Koolhoven, Regisseur und Drehbuchautor aus den Niederlanden ("Mein Kriegswinter"), wirkt entspannt.

Dakota Fanning wird in der Hauptrolle zu sehen sein. Fanning hatte in der von Steven Spielberg produzierten Science-Fiction-Serie "Taken" eine tragende Rolle. Sie war einer der gefragtesten Kinderdarsteller in Hollywood. Jetzt schlüpft sie für die etwa elf Millionen schwere Kino-Produktion, unter anderem gefördert vom Medienboard Berlin-Brandenburg, in der Niederlausitz in die Rolle der Liz. Liz wird zu Unrecht eines Verbrechens beschuldigt und muss flüchten. Doch ein fanatischer Prediger verfolgt sie.

Diese Rolle füllt Guy Pearce aus. Den australisch-britischen Schauspieler kennt man von "Iron Man 3", "Memento", "Lawless" oder "The King's Speech". Deutsche Schauspieler sind nicht dabei. Line producer Stephan Barth begründet: "Gedreht wird auf Englisch."

Aufnahmen entstanden bisher in Mühlhausen (Thüringen), in Berliner Studios und in Spanien. Nach einer längeren Pause folgt der Winterpart in Ungarn, Rumänien und Österreich.

Heiß wie in der Prärie war es dagegen in den vergangenen zwei Wochen. Schwer beeindruckt sind die Filmleute von der Atmosphäre im ehemaligen Tagebau. "Wie im Wilden Westen! Das brauchen wir für unsere Story, die vor mehr als 200 Jahren handelt", schwärmt Niko Post, Barths niederländisches Pendant für die Co-Produktion von N279 Entertainment und X-Filme Creative Pool. Eine Westernstadt - ausgerichtet nach der Sonne - haben holländische und deutsche Kulissenbauer dafür in den Lausitzer Sand gesetzt. Der übrigens war entscheidend - nicht die F60 oder der Bergheider See. Die dürfen im Film nicht zu sehen sein. Dafür ist eine Kutschfahrt, die in Spanien gedreht werden sollte, schon bei Lichterfeld entstanden.

Professionelle Scouts haben das Tagebaugelände ausfindig gemacht. "Meist sind solche Gelände unbegehbar oder schon dem Naturschutz übergeben - hier haben wir das Zwischending", beschreibt Stephan Barth. Als unkompliziert stellte sich dann auch die Zusammenarbeit mit den Behörden heraus. "Die LMBV, das F60-Team und auch Herr George, beim Landkreis Elbe-Elster der Mann für Bauaufsicht und Umwelt, haben erkannt: ,Das ist gut für die Region!'", schildert Barth. Die 100 Filmleute haben alle Hotel- und Pensionsbetten weit und breit belegt. Vieles, was am Set gebraucht wurde, wurde vor Ort geordert - "von der Baumaschine bis zum Rinderhack für die Grillparty". Nicht zu verachten ist der Werbeeffekt für die Region. Wenn "Brimstone" ab Herbst 2016 im Kino läuft, darf man sagen: "Der ist bei uns gedreht."