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Hoffnung für Comeback-Laden

Ministerpräsident Dietmar Woidke hat sich in Finsterwalde bei Stephanie Auras, Maria Goldberg und Sven Guntermann über die Finsterwalder Willkommensagentur und Rückkehrer informiert. Er weiß, junge Leute wollen auch gute weiche Standortfaktoren wie Bildungseinrichtungen für die Kinder, Kultur, Natur, Sport und Freizeiteinrichtungen.
Ministerpräsident Dietmar Woidke hat sich in Finsterwalde bei Stephanie Auras, Maria Goldberg und Sven Guntermann über die Finsterwalder Willkommensagentur und Rückkehrer informiert. Er weiß, junge Leute wollen auch gute weiche Standortfaktoren wie Bildungseinrichtungen für die Kinder, Kultur, Natur, Sport und Freizeiteinrichtungen. FOTO: top1
Finsterwalde. Bevor Ministerpräsident Dietmar Woidke auf die große Bühne stieg, um das Finsterwalder Sängerfest zünftig zu eröffnen, machte er einen Abstecher in die Kleine Ringstraße. Dort betreibt die Willkommensagentur "Comeback Elbe-Elster" ihren derzeit bis November ausfinanzierten Pop-Up-Store. Mit einem als Versprechen gewerteten: "Da finden wir eine Lösung" macht Woidke Hoffnung. Torsten Pötzsch / top1

Eine gute Stunde nahm er sich Zeit, um mit den Machern und Rückkehrern rund um Stephanie Auras und Sven Guntermann ins Gespräch zu kommen. Den Ansatz der Agentur, rückkehrwilligen Niederlausitzern den Neustart in ihrer alten Heimat zu begleiten und sie bei allen wichtigen Fragen rund um Job, Wohnung, Kita oder Schule zu unterstützen, findet er nicht nur löblich, sondern "besonders wichtig".

Von den Rückkehrerinnen Henriette Jülke und Maria Goldberg ließ er sich detailliert erklären, was sie bewog, wieder in ihre Heimat zu ziehen und mit welchen Problemen sie dabei zu tun hatten.

Mehr als 200 Beratungen hat die Agentur in jüngster Zeit gemacht, das Interesse ist groß und auch der Wille, wieder in die Heimat zu kommen. Wichtigste Zielgruppe dabei, gut ausgebildete Fachkräfte, um die 30 Jahre, wenn möglich schon mit Kind und Kegel. Das Thema "Fachkräfte" war dann auch immer wieder bei Woidke ein zentrales Gesprächsthema. "Der Schlüssel für eine erfolgreiche Entwicklung der kommenden Jahrzehnte liegt darin, wie es uns gelingt, die Fachkräfte in die Region zu holen und zu binden." Die Zeiten geringer Bezahlung seien wohl vorbei, doch, so weiß der Ministerpräsident, "ist eine gute Bezahlung noch kein Garant dafür, junge, gute Leute zu bekommen". Ein Schlagwort sei heute die Work-Life-Balance, heißt, das Umfeld muss auch stimmen, die weichen Standortfaktoren, wie Bildung, Kultur, Freizeitmöglichkeiten. Dem wurde natürlich nicht widersprochen, im Gegenteil, es wurden ausreichend Beispiele aufgeführt, die das Bild abrundeten. Die junge Tierärztin Henriette Jülke fasste es mit ihren Worten zusammen. "Ich habe in meinem Leben schon viele coole Entscheidungen getroffen, wieder in die Heimat zu kommen, war aber definitiv die coolste." Im Laufe des Gesprächs blieb es aber nicht beim gefälligen Smalltalk, Woidke wollte Konkretes wissen, wollte Details, vor allem, wie sich die Sache finanziert.

Das war dann das Thema von Sven Guntermann, denn die Mittel sind so eng bemessen, dass zum Beispiel der Pop-Up-Store nur eine temporäre Sache ist und das Konzept sagt, dass im November schon wieder Schluss sein soll. Ungläubiges Staunen zeichnete sich im Gesicht des Ministerpräsidenten ab. "Das kann nicht sein. Da müssen wir eine Lösung finden und da werden wir eine Lösung finden, denn hier macht es wirklich Sinn." Nach dieser Aussage machte sich natürlich ein Lächeln auf den Gesichtern der Macher der Willkommensagentur breit. Ohne konkrete Nachfrage ließ man diese Aussage im Raum stehen, verstand sie aber als Versprechen, dass sich in Potsdam einige Hebel bewegen werden und dass es mit dem Laden und der Agentur weiter gehen wird. Der Besuch hatte sich also voll gelohnt, denn damit hatte man im Vorfeld nicht gerechnet.