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| 01:06 Uhr

„Hört endlich die Stimme der Feuerwehrleute!“

Finsterwalde.. Wir schreiben den 4. Januar 1990, ein Donnerstag. Im Speiseraum des VEB Draht- und Schraubenwerk trafen sich Finsterwalder Kreistags- und Stadtverordnete. In der gemeinsamen Runde drehte es sich um die Zukunft des ehemaligen Stasi-Gebäudes in der damaligen Straße der Befreiung. Dem Runden Tisch lagen zuvor vier Nutzungsvorschläge vor, beschlossen wurde bereits am 28. Dezember, der Hilfsschule im MfS-Haus ein neues Zuhause zu geben. Das rief jetzt die Finsterwalder Feuerwehrleute auf den Plan. Der damalige Wehrleiter Hans-Dieter Unkenstein erinnert sich:


Vor 13 Uhr ertönten in Finsterwalde die Sirenen. Die Wehrleitung hatte für diesen Tag beim Diensthabenden im Volkspolizei-Kreisamt eine Überprüfung der Einsatzbereitschaft angemeldet. Der wirkliche Grund war aber, mit allen Fahrzeugen der FF in voller Besetzung mit Einsatz- kräften vor der gemeinsamen Sitzung der Finsterwalder Kreistags- und Stadtverordneten im Speiseraum des Schraubenwerkes zur weiteren Nutzung des Hauses die Abgeordneten zu begrüßen. So wollten wir auf das langanhaltende Problem von fehlenden und geordneten Unterstellungsmöglichkeiten für die Einsatztechnik aufmerksam machen. Allen Abgeordneten wurde ein Offener Brief übergeben.

Mit uns nicht gesprochen
Darin wurde u. a. vermerkt: „Die sich aus den gesellschaftlichen Veränderungen ergebende Möglichkeit zur anderweitigen Nutzung der Gebäude des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes hat plötzlich mehrere Interessenten auf den Plan gerufen. Da wird mit mehr oder weniger Geschick um Ihre Zustimmung geworben. In einer kleinen Zeitungsnotiz war der Hinweis enthalten, dass die Garagen auf dem Hof dem Rat der Stadt zur Nutzung für die Freiwillige Feuerwehr übergeben werden sollen. Heute sollen Sie entscheiden, wer der oder die künftigen Nutzer sein sollen. Trotz der erwähnten Notiz in der LR hat offiziell mit uns niemand gesprochen. Eine gemeinsame Beratung der ständigen Kommissionen Ordnung und Sicherheit beider Volksvertretungen hat es nicht gegeben. Der Leiter unserer Freiwilligen Feuerwehr hat sich auf einen Diskussionsbeitrag vor den Abgeordneten beider Volksvertretungen vorbereitet. Treffen Sie Ihre Entscheidung erst, wenn Sie sich persönlich von der Richtigkeit Ihres Votums überzeugt haben. Eine halbherzige Entscheidung ist wie ein halbgelöschter Brand.“
In der Diskussion forderte ich dann noch einmal mit Nachdruck: „Hört endlich auch die Stimme der Finsterwalder Feuerwehrleute, die seit Jahren bei Stadt- und Kreisvätern abprallt. Wir brauchen ein neues Feuerwehrgerätehaus für unsere Technik und für die hundert ehrenamtlichen Frauen und Männer endlich bessere Arbeitsbedingungen. Wir bräuchten die Großgaragen auf dem MfS-Hof und nicht nur die.“ Damit war die Feuerwehr offiziell der fünfte Bewerber für dieses Gebäude.

Situation nicht viel besser
Unser Antrag machte sicher den Volksvertretern die Entscheidung keinesfalls leichter. Der anschließende Antrag durch den damaligen Kreisschulrat, Herbert Damm, enthielt unter Punkt 2: „Die Feuerwehr bekommt den Garagenkomplex und weitere Räume im Gebäude“ .
Leider konnte die Freiwillige Feuerwehr nur einen Teil der Garagen nutzen. Es wurde nur die Technik eingestellt, die nur in zweiter Abmarschfolge zum Einsatz gebraucht wird. Zwei Stellflächen bekam die Kreisverwaltung Finsterwalde für die Einstellung von vorzuhaltender Reservetechnik. Weitere Räumlichkeiten, wie im Vorschlag, gab es für die FF ebenfalls nicht. Damit war der Zustand von fehlenden Unterstellmöglichkeiten und die unzumutbaren Arbeitsbedingungen für die Wehrangehörigen weiter vorhanden - bis das neue Gerätehaus fertig war.