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Hochsensible Integration in der Grundschule Stadtmitte

Finsterwalde. Gegenwärtig besuchen 42 Kinder aus Migrantenfamilien die Einrichtung. Damit nimmt die Grundschule Stadtmitte, an der insgesamt 241 Kinder lernen, den Status einer Schwerpunktschule im Elbe-Elster-Kreis ein. Heike Lehmann

Die ersten Flüchtlingskinder sind bereits vor anderthalb Jahren eingeschult worden. Während dieser Zeit hat das Lehrerteam, das von einer Schulsozialarbeiterin unterstützt wird, eigene Methoden entwickelt und Erfahrungen sammeln können, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Finsterwalde. Viel Aufmerksamkeit wird der Sprache gewidmet. DaZ - Deutsch als Zweitsprache - wird in der Grundschule jetzt in zwei Gruppen mit derzeit 16 Flüchtlingskindern für vier Unterrichtsstunden am Tag und damit 20 Stunden in der Woche intensiv unterrichtet. Den Rest der Schulzeit verbringen die Kinder in den Regelklassen. "Diese Willkommensklasse mit dem separaten Deutschunterricht ist von großem Vorteil für die Kinder. Das ist eine hochsensible Arbeit an dieser Grundschule", lobt Babett Brendel von den Johannitern und der Finsterwalder Flüchtlingsinitiative Refugees welcome. Einmal in der Woche bekommt sie Gelegenheit, mit den Flüchtlingskindern direkt in der Schule eine Traumastunde abhalten zu können.

Vor wenigen Tagen hat sich auch die Landesregierung über den Unterricht für Flüchtlingskinder informiert. Thomas Drescher, Staatssekretär für Bildung, Jugend und Sport in Brandenburg, schaute sich die Praxis an der Grundschule Stadtmitte an. Dort sind im September erstmals Flüchtlingskinder direkt in die Regelklasse eingeschult worden. Einige von ihnen hatten bereits eine Vorschule besucht.

Mit Bürgermeister Jörg Gampe, Schulrat Uwe Mader und Roland Neumann, Dezernenten für Bildung, Jugend, Kultur, Gesundheit und Soziales beim Landkreis Elbe-Elster, überzeugte sich Staatssekretär Drescher von der großen Methodenvielfalt und sprach mit der Schul- und Hortleitung über Hürden und Verbesserungsmöglichkeiten.

Die Stadtverwaltung informiert dazu: Die Herausforderungen seien hoch, sodass diese Aufgabe nicht allein bewältigt werden könne, erklärte Schulleiterin Jana Opitz. Darum setze man auf ein Netzwerk, angefangen von den Sozialarbeitern in den Gemeinschaftsunterkünften über Schulträger, Schulamt und Jugendmigrationsdienst bis hin zu den karitativen Vereinen wie die Johanniter oder das DRK. Es fehle aber an Dolmetschern und Fortbildungsangeboten. Außerdem erfordere die teilweise notwendige individuelle Betreuung einen hohen personellen Aufwand. Schulleiterin Jana Opitz lobte die Stadt Finsterwalde für die hervorragende Ausstattung mit Schulmaterial, wie Wörterbüchern und Arbeitsheften. Bürgermeister Gampe betonte zudem, dass die Stadt ihre drei Grundschulen mit Schulsozialarbeit unterstützt. Hierbei wünsche er sich mehr finanzielle Unterstützung vom Land.

Sieben Flüchtlingskinder sind im Hort angemeldet, acht weitere stehen auf einer Warteliste, weil der zusätzliche Betreuungsbedarf über den Personalschlüssel für Hortbetreuung im Land Brandenburg abzudecken ist, beklagte Hortleiterin Gabriele Schmidt.

Auch Schulrat Mader betonte, dass die Finsterwalder Grundschulen vorbildlich im Umgang mit den Flüchtlingskindern seien. Man fände stets eine schnelle und unkomplizierte Lösung.