Von Gabi Böttcher

Das ist ein Geschenk für die Sängerstadt, wie es unmittelbar vor dem Jahreswechsel kaum erfreulicher ausfallen könnte: Das stadtbildprägende, imposante Eckgebäude am Markt 33 kommt in liebevolle Hände. Nach Jahren des großräumigen Leerstandes und Siechtums eröffnet der neue Eigentümer Dr. Wolfgang Böllhoff dem denkmalgeschützten Haus nun eine Perspektive. Mit der notariellen Beurkundung erfolgte am 20. Dezember der Übergang des Eigentums und damit das Signal für die Sanierung des einst von der Anhalt-Dessauischen Landesbank errichteten Gebäudes, das zu DDR-Zeiten Sitz der Kreisleitung der SED war.

Pläne des vorherigen Besitzers, der das Haus preisgünstig von der Treuhandanstalt erworben hatte, waren nicht aufgegangen. Das repräsentative Haus wurde immer mehr zum Sorgenkind und im Herzen der Sängerstadt ein Dorn im Auge des Betrachters. Der nunmehrige neue Eigentümer, der Senior der Böllhoffgruppe in Bielefeld, ist mit der Sängerstadtregion seit 1990 verbunden. Hier begann das Unternehmen, in Sonnewalde zu investieren. Das in der Region bekannte Werk wird derzeit wesentlich erweitert. „Dort stellen wir bald mit mehr als 150 Beschäftigten Elemente der Verbindungstechnik her. Diese sind insbesondere für die Automobil- und Luftfahrtindustrie geeignet, in schwierigen Werkstoffen sichere Verbindungen zu gewährleisten“, erklärt der Senior-Chef.

Die Böllhoff-Firmengruppe besteht seit 142 Jahren und wird in der vierten Familiengeneration geführt. Sie ist weltweit tätig, erreicht 2018 nach eigenen Angaben einen konsolidierten Jahresumsatz von über 650 Millionen Euro und beschäftigt derzeit mehr als 3000 Mitarbeiter.

Nach der Motivation für sein Engagement in Finsterwalde befragt, sagt Wolfgang Böllhoff: „Die Stadt Finsterwalde hat sich städtebaulich als historischer Ort der Region überdurchschnittlich ansprechend entwickelt. Unser Werk in der Region soll ein kleiner, aber wichtiger Baustein der wirtschaftlichen Entwicklung bleiben und wachsen. Das historische Gebäude soll ein Zeichen für die Verbindung unserer Familie zur Region werden.“

Nun soll dieses Gebäude aus der Gründerzeit eine grundlegende Sanierung erleben, die mit einer historischen Außengestaltung einhergeht. Das Architekturbüro von Jürgen Habermann erhielt den Auftrag, nachdem es bereits im Frühjahr mit umfangreichen Studien und Entwürfen die Grundlage für Entscheidungen des nunmehrigen Eigentümers gelegt hatte. Jürgen Habermann kann am Rechner bereits eindrucksvoll visualisieren, wie der Markt 33 in absehbarer Zukunft aussehen soll. Im Erdgeschoss, das gegenwärtig lediglich mit einer Selbstbedienungsfiliale der Deutschen Bank belebt ist, wird eine gewerbliche Nutzung angestrebt. In den drei oberen Etagen des Hauses sollen je zwei Wohnungen entstehen. Die Computeranimation verspricht traumhafte Blicke auf den Markt beziehungsweise in Richtung Schloss. „Das historische Treppenhaus bleibt erhalten. Ein Aufzug wird eingebaut und nach außen nicht sichtbar sein. Alles wird barrierefrei gestaltet“, gibt Jürgen Habermann Einblick. Die Fassade werde ihre ursprüngliche Schönheit zurückbekommen, ein Teil des alten Anbaus durch einen neuen ersetzt. Bei den im Frühjahr durchgeführten Untersuchungen der Bausubstanz sei man auf Wasser im Keller gestoßen, benennt Jürgen Habermann einen Sorgenpunkt. „Da müssen wir erst mal ergründen, woher das Wasser überhaupt kommt.“

Im neuen Jahr stehen Absprachen der Architekten mit der Denkmalbehörde ins Haus. Dann soll es zügig vorangehen und der Bauantrag gestellt werden. Jürgen Habermann hofft, im zweiten Halbjahr 2019 mit dem Bau beginnen zu können. Eigentümer Dr. Wolfgang Böllhoff, der im Jahr 2020 mit der Fertigstellung des Gebäudes rechnet: „Dies wird viele Finsterwalder freuen, denn der schöne Marktplatz wird dadurch noch einen weiteren wesentlichen architektonischen Blickfang gewinnen.“ Mit dem Kauf eines etwa 150 Meter entfernt liegenden, jetzt ungenutzten Grundstückes habe Böllhoff zugleich Vorsorge für Parkplätze für die künftigen Bewohner getroffen, freut sich Jürgen Habermann über das Gesamtkonzept.

Mit „großer Erleichterung“ reagierte am Freitag Uwe Brenner auf den „hoffnungsvollen Ausblick für den Markt 33“. Der Sanierungsbegleiter der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) für die Sängerstadt seit nunmehr 25 Jahren sieht dieses Haus als eines der letzten Sorgenkinder im Stadtzentrum. „Ich bin froh, dass der Markt 33 nicht das Schicksal erleiden muss, das einem anderen Haus desselben Vorbesitzers in Naumburg nicht erspart blieb – der Abriss.“